Ein Volkswagen Pkw hängt in einer Fertigungsstraße. © dpa-Bildfunk Foto: Matthias Rietschel

Volkswagen-Bilanz: Milliarden-Gewinn trotz Corona-Krise

Stand: 16.03.2021 15:56 Uhr

Der Volkswagen-Konzern hat das schwierige Geschäftsjahr 2020 mit einem Milliarden-Gewinn abgeschlossen: Rund 8,8 Milliarden Euro bleiben nach Steuern in der Kasse.

Geholfen hat dabei vor allem, dass zum Jahresende das Geschäft wieder angezogen hat. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Bilanz des Autobauers hervor. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 - vor der Pandemie - hatte der Konzern noch ein Nachsteuer-Ergebnis von gut 14 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um rund zwölf Prozent auf etwa 223 Milliarden Euro zurück. Volkswagen setzte 2020 weltweit knapp 9,2 Millionen Fahrzeuge ab - rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr.

VW setzt auf Plattformstrategie

Der Weg hinaus aus der Krise soll mit einer neuen Plattformstrategie gelingen: Hardware, Software, Batterietechnik sowie Mobilitätsdienste aller Konzernmarken sollen künftig auf weitgehend einheitlichen technischen Grundlagen basieren. Auf diese Weise will der Konzern seine Größenvorteile nutzen - und die Kosten weiter senken. "Das gute Abschneiden im Krisenjahr 2020 gibt uns Rückenwind für die Beschleunigung unserer Transformation", sagte Vorstandschef Herbert Diess.

Ende des Verbrennungsmotors nicht in Sicht

2021 sollen eine Million Elektrofahrzeuge ausgeliefert werden, wie Diess ankündigte. Einen festen Zeitpunkt für das Ende des Verbrennungsmotors lehnt VW indes weiter ab. "Der Wechsel zur E-Mobilität erfolgt weltweit unterschiedlich schnell, abhängig von der lokalen Gesetzgebung und Verfügbarkeit von CO2-freier Primärenergie", sagte Diess. Er gehe davon aus, dass 2030 die Hälfte der weltweit verkauften VW-Fahrzeuge batterieelektrisch angetrieben sein werden.

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Halbleiter-Mangel macht weiter Probleme

Problematisch bleibe der Teilemangel bei Halbleitern. "Die Situation ist noch immer unübersichtlich", so Diess. "Bisher kommen wir gut durch, haben aber auch eine Produktion von 100.000 Autos verloren, die wir im Jahresverlauf wohl nicht aufholen werden."

Kernmarke: Umsatz bricht um ein Fünftel ein

454 Millionen Euro Gewinn wies der Konzern für die Kernmarke VW aus - vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen durch die Dieselaffäre. Nach dem ersten Halbjahr 2020 und den Einbrüchen in der Corona-Krise hatte die Marke noch einen operativen Verlust von 1,5 Milliarden Euro zu Buche stehen. Der Umsatz der Marke brach allerdings um fast ein Fünftel auf 71,1 Milliarden Euro ein. Das bereinigte operative Ergebnis lag mit 454 Millionen Euro knapp 90 Prozent unter dem Wert von 3,8 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Die entsprechende Umsatzrendite sank von 4,3 auf 0,6 Prozent. Weitere Details zur Kernmarke will Volkswagen am Mittwoch bekannt geben.

Porsche bleibt stabil

Bei Audi machte sich die Krise mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent auf 50 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnisrückgang von 40 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro bemerkbar. Porsche blieb stabil - hier sank das operative Ergebnis nur um knapp 5 Prozent auf 4 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 26,1 Milliarden Euro. Die Marken VW-Nutzfahrzeuge, Seat und MAN fuhren dagegen allesamt einen operativen Verlust ein.

Diess verdient "nur" 6,1 Millionen Euro

Weniger Gewinn bei Volkswagen drückt auch das Gehalt von Diess. Laut Vergütungsbericht waren es rund 6,1 Millionen Euro - gut 900.000 Euro weniger als für das Vorjahr. Ein Teil dieses Rückgangs wurde jedoch durch einen weiteren Bonus für die VW-Vorstände ausgeglichen, das geht ebenfalls aus den am Dienstag vorgelegten Zahlen hervor. Dieser Bonus orientiert sich an den Jahren 2017 bis 2019 und brachte Diess knapp 1,8 Millionen Euro ein.

Klimaziel knapp verfehlt

Die CO2-Ziele der EU verfehlte Volkswagen 2020 knapp, der Autobauer gab die Abweichung mit aktualisiert 0,8 Gramm an. Dafür ging der Ausstoß der Treibhausgase zurück, und zwar um ein Fünftel, so Volkswagen. Umweltschützer kritisieren die Berechnung, die reale Klimabilanz vieler Autobauer seit weiter deutlich schlechter als offiziell angegeben. 2021 will VW weitere E-Modelle herausbringen. In den kommenden Jahren soll zudem ein eigenes Netz von Batteriezellfabriken entstehen.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.03.2021 | 08:00 Uhr

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