Eine Person fährt mit einer Seilbahn im Harz. Mit dem Image als Urlaubsregion für alte Menschen kämpft der Harz seit Jahren. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

Tourismus im Harz stellt sich weiter für die Zukunft auf

Stand: 05.01.2022 08:57 Uhr

Seit Jahren kämpft der Harz gegen den Ruf als Urlaubsregion für Ältere an. Neben dem Baumwipfelpfad sollen künftig weitere Attraktionen junge Menschen und Familien in die Region ziehen.

Die Strahlkraft großer neuer Attraktionen sei unerlässlich, sagt die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes (HTV), Carola Schmidt. Großprojekte lockten weitere kleinere Investoren an und polierten das Image der Region auf. Zu den populärsten Neubauprojekten zählen der Baumwipfelpfad und die Baumschwebebahn am Burgberg in Bad Harzburg. Die Investition sei ein voller Erfolg, heißt es von Betreiberseite. "Wenn wir auf die Besucherzahlen schauen, sind wir sehr zufrieden", so Geschäftsführerin Eva-Christin Ronkainen-Kolb vom Unternehmen Harzventure. Trotz Corona-Pandemie habe dank der neuen Schwebebahn die Zahl von 200.000 Gästen jährlich gehalten werden können.

Hotels modernisieren Angebot und Ausstattung

"Diese Investitionen sind ein Segen, aber es ist wichtig, dass die gesamte Region aufgewertet wird", sagt Schmidt. Auch Hotels und Restaurants wurden der Tourismuschefin zufolge modernisiert. Dies sei eine Voraussetzung dafür, dass Besucher überhaupt kommen. Das sieht der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Niedersachsen ähnlich. "Die aktuellen Projekte zeigen in die richtige Richtung. Es gibt Qualität auf breiter Linie", sagt Hauptgeschäftsführer Rainer Balke. So setzten immer mehr Restaurants auf Bio-Gerichte oder werteten ihre Inneneinrichtung auf. Hemmschuh sei allerdings der Personalmangel, nicht nur in Hotellerie und Gastronomie. "Das ist die größte Wachstumsbremse", so Balke. Die Branche müsse deshalb auch als Arbeitgeber attraktiver werden, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten oder eine bessere Bezahlung.

Besucherzahlen im Harz steigen seit Jahren

Seit 2013 steigen die Besucherzahlen im Harz kontinuierlich. 2019 zählte das niedersächsische Wirtschaftsministerium 4,7 Millionen Übernachtungen und mehr als 19 Millionen Tagesgäste - laut HTV ein Rekordjahr. Im von der Pandemie geprägten Jahr 2020 gab es immerhin noch drei Millionen Übernachtungen. Wegen der Einschränkungen bei Auslandsreisen hätten viele Menschen Urlaub in Deutschland gemacht. Deshalb sei die Nachfrage nicht noch stärker eingebrochen, heißt es aus der Branche. Es seien zudem Urlauber gekommen, die sonst womöglich nicht den Harz besucht hätten. Viele dieser Touristen hätten die Ziele vor der eigenen Haustür neu kennen und schätzen gelernt. Immer mehr Menschen legten beim Urlaub Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Das aktuelle Interesse am Urlaub im eigenen Land wollen die Harz-Touristiker nutzen. Ziel sei, dass die neuen Besucher zukünftig zumindest ihren Zweiturlaub im Harz verbringen, sagt Carola Schmidt.

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Land fördert Investitionen in Tourismus

Das "Zukunftskonzept Harz 2025" beschreibt, wie sich der Tourismus entwickeln könnte. Dafür hat das Land Niedersachsen unter anderem über Corona-Hilfen für Gaststätten und Tourismus 5,76 Millionen Euro an Unternehmen in den Harz-Kreisen Goslar und Göttingen ausgeschüttet. Zudem wurden nach Ministeriumsangaben seit 2017 in 34 Betrieben Investitionen mit insgesamt 20 Millionen Euro gefördert. Dadurch seien 376 Arbeitsplätze geschaffen worden. Die überwiegende Mehrheit der Bau- und Umbauprojekte im Harz werde aber aus privater Hand finanziert, sagt Dehoga-Geschäftsführer Balke.

Harzturm öffnet im Frühjahr

Um die Urlauber von sich zu überzeugen, sind weitere Investitionen geplant. In Torfhaus soll unter anderem im Frühjahr der Harzturm eröffnen. Das ist ein aus Holz gezimmerter 65 Meter hoher Turm mit einer frei stehenden Aussichtsplattform und einer 110 Meter langen Erlebnisrutsche. Nach der 2017 eröffneten Hängebrücke an der Rappbodetalsperre soll der Harz zudem eine weitere Seilbrücke erhalten. In Sankt Andreasberg soll sie auf 500 Metern Länge den Matthias-Schmidt-Berg und den Beerberg verbinden. In Bad Harzburg will das Unternehmen Harzventure sein Angebot um ein 8D-Kino erweitern.

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