Tote Frau: Staatsanwalt sieht kein Fehlverhalten in Moringen

Stand: 30.09.2021 21:38 Uhr

Ein Freigänger aus dem Maßregelvollzug in Moringen (Landkreis Northeim) steht im Verdacht, am Wochenende in Northeim eine 64 Jahre alte Frau getötet zu haben. Bislang schweigt er zu den Vorwürfen.

Wie die Staatsanwaltschaft Göttingen gegenüber dem NDR in Niedersachsen sagte, gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Zudem habe die Behörde derzeit keine Erkenntnisse darüber, dass sich Verantwortliche in Moringen aus strafrechtlicher Sicht falsch verhalten hätten. Entscheidungen, die zu Lockerungsmaßnahmen zugunsten der Menschen im Maßregelvollzug führten, seien Prognosen, sagte die Staatsanwaltschaft. In der Mehrheit der Fälle komme es auf Freigängen nicht zu schweren Straftaten.

Sozialministerium zieht vorerst keine Konsequenzen

Das niedersächsische Sozialministerium sieht ebenfalls keine Verstöße vonseiten der Einrichtung. "Die Verantwortlichen der Maßregelvollzugseinrichtung Moringen und das Sozialministerium unterstützen die Ermittlungsbehörden, um diese Gewalttat schnell und lückenlos aufzuklären", sagte ein Sprecher am Donnerstag. Man sei "betroffen und bestürzt von der Nachricht, dass eine im Maßregelvollzug Moringen untergebrachte Person nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Göttingen verdächtig ist". In Fällen, "in denen das Sicherheitsinteresse der Allgemeinheit besonders tangiert ist", werde ein Maßregelvollzug nur schrittweise und nach genauer psychiatrischer Begutachtung gelockert, erläuterte das Ministerium. Dies geschehe nur mit Einvernehmen der zuständigen Staatsanwaltschaft.

Richter ordnet Unterbringung in geschlossenem Bereich an

Derweil hat ein Amtsrichter für den tatverdächtigen 57-Jährigen die Unterbringung im geschlossenen Bereich in Moringen angeordnet. Dorthin hatte die Einrichtungsleitung den Mann am Sonntag verlegen lassen, nachdem sich der Verdacht gegen ihn erhärtet hatte. Details nannten die Behörden dazu auch auf Nachfrage weiterhin nicht. Der Mann ist den Angaben zufolge nach einem versuchten Tötungsdelikt seit 1987 im Maßregelvollzug untergebracht. Er soll damals versucht haben, eine Frau mit einem Messer zu töten. Ein Gutachter stellte damals fest, dass der Beschuldigte die Tat im Zustand einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit begangen hatte. Sollte sich herausstellen, dass der Mann in dem aktuellen Fall der Täter ist, müsse ein Gutachten die Schuldfähigkeit klären.

Zweifel an Schuldfähigkeit

Das Amtsgericht muss nun entscheiden, ob erneut eine Unterbringung wie vor mehr als 30 Jahren in dem psychiatrischen Krankenhaus festgelegt wird. Dabei gehe es noch nicht um eine Verurteilung, betonte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Gutachten soll zudem klären, ob auch im aktuellen Fall eine verminderte oder keine Schuldfähigkeit bestand.

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