Stand: 07.11.2018 17:01 Uhr

Tiefstand: Weitere Talsperre muss Wasser sparen

Im Sommer Dürre, der Herbst - viel zu trocken. Und auch in den kommenden Wochen soll es Prognosen zufolge unterdurchschnittlich viel Niederschlag geben. Reicht das Wasser in den Talsperren im Harz langfristig aus? Diese Frage hat auch die Harzwasserwerke beschäftigt. Experten der Betreibergesellschaft haben deshalb bereits offen mit dem Szenario eines Doppeltrockenjahrs gespielt - also mit der Möglichkeit, dass es auch im kommenden Jahr zu wenig Regen gibt. Ab sofort soll die Eckertalsperre ein Viertel weniger Wasser abgeben als bisher, um die Reserven zu schonen. Die Abgabe werde von 430 Litern pro Sekunde auf 320 Liter reduziert, teilten die Harzwasserwerke mit. Schon im September war die Trinkwasserabgabe aus der Sösetalsperre deutlich zurückgefahren worden.

Harzwasserwerke: "Situation angespannt"

"Die Situation ist angespannt und wir ergreifen Vorsichtsmaßnahmen, die die Versorgungssicherheit auch in Zukunft garantieren sollen", sagte Christoph Donner, Geschäftsführer der Harzwasserwerke. Aktuell seien die Trinkwassertalsperren zu 43 Prozent gefüllt - kein Rekordtiefwert zwar, aber ein außergewöhnlich niedriger Wert für Oktober: Eigentlich ist laut Donner eine Füllung von rund 68 Prozent Standard. Die Eckertalsperre, die nun weniger Wasser abgeben soll, ist zurzeit sogar nur zu etwas mehr als einem Drittel gefüllt. Grund zur Panik besteht laut Donner aber nicht: "Die Versorgungssicherheit ist derzeit nicht in Gefahr." Zudem sei die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich ein Doppeltrockenjahr geben wird, gering. Trotzdem werde die Entwicklung jeden Tag weiter beobachtet. "Wir sind sehr wachsam", so Donner.

Granetalsperre soll aushelfen

Die Eckertalsperre gibt ihr Trinkwasser in Richtung Norden unter anderem an Braunschweig ab. Allerdings kommt dort deshalb künftig nicht weniger Wasser an: Die eingesparten Wassermengen werden von der Granetalsperre übernommen. Ein vernetztes Leitungssystem mache das möglich, heißt es von dem Unternehmen. Die Granetalsperre sei noch zu mehr als 50 Prozent gefüllt und deutlich größer als die Ecker- und Sösetalsperre. Von ihr aus führen Leitungen sowohl in den Nordosten als auch in den Nordwesten bis hoch nach Bremen.

Wenig Wasser in den Talsperren

Müssen weitere Talsperren sparen?

Doch die Harzwasserwerke könnten bald zu weiteren Maßnahmen greifen: Auch die Okertalsperre, die aktuell mit rund 11,5 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllt ist, soll ab einer Füllung von 10 Millionen Kubikmetern kontrolliert Wasser sparen. Ein weiterer Kandidat: die Odertalsperre, die aktuell sogar nur zu 21 Prozent gefüllt ist. Auch hier könnte die Wasserabgabe mittelfristig reduziert werden. Die Harzwasserwerke beliefern nicht nur Haushalte, sondern auch Industrieanlagen. Zudem fließt das Wasser in Fluss-Systeme und wird an Kläranlagen geliefert. Alle Aktionen müssen die Harzwasserwerke deshalb mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) absprechen.

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Klimawandel macht neues Konzept nötig

Langfristig müssten die eigenen Anlagen an den Klimawandel angepasst werden, räumen die Harzwasserwerke ein. Laut Geschäftsführer Donner wäre eine Möglichkeit, die Talsperren im Harz noch stärker miteinander zu verbinden. In Fällen von Niedrig-, aber auch Hochwasser könnte so besser verteilt werden. "Wir müssen auch überprüfen, ob unsere Anlagen genügend Fassungsvermögen haben und ob wir unsere Betriebsweise noch weiter optimieren können", so Donner. "Wasserspeicher Harz" soll das Projekt heißen, das die Harzwasserwerke dazu gemeinsam mit Forschungspartnern auf den Weg bringen wollen und das mit dem Niedersächsischen Wasserversorgungskonzept verknüpft werden soll.

Karte: Talsperren im West-Harz
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.11.2018 | 15:00 Uhr

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