Stand: 15.10.2019 15:13 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Neues Werk in der Türkei: VW legt Pläne auf Eis

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VW vertagt angesichts der Militäroffensive in Nordsyrien die Entscheidung über ein neues Werk in der Türkei. (Themenbild)

Eigentlich wollte VW in diesem Monat bekannt geben, dass eine neue Autofabrik in der Türkei entstehen soll. Im kommenden Jahr sollten die Bauarbeiten in Anatolien, nahe Izmir, beginnen. Ab 2022 hätten die ersten Autos vom Band rollen sollen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Doch jetzt hat der VW-Vorstand den Beschluss über den Standort verschoben. Der Grund dafür ist die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien. Volkswagen beobachte die gegenwärtige Lage sorgfältig und blicke mit Sorge auf die aktuelle Situation in Syrien, sagte ein Unternehmenssprecher.

Keine komplette Absage

Angesichts der aktuellen Lage geht Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, derzeit nicht vom Bau eines neuen VW-Werkes in der Türkei aus. "Die Bilder, die wir aus Nordsyrien sehen, sind entsetzlich", sagte er. Er sieht in der Militäroffensive einen Bruch des Völkerrechts. Die Offensive habe eine enorme Flüchtlingswelle und eine allgemeine Verschärfung der Sicherheitslage ausgelöst. Im Moment geht es allerdings laut Weil nur um einen Aufschub der Pläne und nicht um eine komplette Absage. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Er hoffe, dass sich die Verhältnisse in der Türkei normalisierten. Der Aufsichtsrat trifft sich laut Weil das nächste Mal Mitte November.

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Subventionen hatten für Türkei gesprochen

Vor einigen Wochen hatte der VW-Konzern noch von "finalen Gesprächen" bezüglich eines neuen Werks gesprochen. Man sei sich der politischen Lage in der Türkei bewusst, hatte der Konzern verlauten lassen. Für die Türkei als Standort hatten aus Sicht von Experten die niedrigen Lohnkosten, die hochqualifizierten Arbeiter und staatliche Fördermittel gesprochen. Doch am Montag hatte die US-Regierung diverse Maßnahmen angekündigt, die die Wirtschaft der Türkei schwächen könnten: So sollen Zölle auf den Import von türkischem Stahl deutlich erhöht, Gespräche zu einem neuen Handelsabkommen abgebrochen und Sanktionen gegen Einzelpersonen erhoben werden.

Investition in Höhe von einer Milliarde Euro

Dass ein Werk im südosteuropäischen Raum entstehen soll, hat Volkswagen bereits vor längerer Zeit entschieden. Mehr als eine Milliarde Euro will der Konzern in den Bau investieren. Mehr als 300.000 Fahrzeuge mehrerer Konzernmarken sollen dort im Jahr gebaut werden - unter anderem der VW-Passat und der Skoda Superb. Neben der Türkei war auch Bulgarien als Standort im Gespräch. Aufgrund der Menschenrechtslage in der Türkei hatte es bereits vor der Militäroffensive Kritik an einem möglichen Standort in dem Land gegeben. Weltweit hat Volkswagen mehr als 130 Werke.

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Hallo Niedersachsen | 15.10.2019 | 19:30 Uhr

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