Stand: 25.04.2020 08:26 Uhr

Mehr Bienen und Vögel auf Feldern in Streifen

Auf einer Luftaufnahme ist ein Acker bei Goslar zu sehen, der streifenweise abwechseldn mit Raps und Weizen bepflanzt ist. © Universität Göttingen Foto: Uwe Holst
Durch den Streifenanbau von Raps und Weizen sollen Insekten angelockt werden. Das Nebeneinander schmaler Felder mit vielen Rändern dient ihnen als Orientierung.

Wissenschaftler und Umweltschützer warnen aufgrund des Betriebs riesiger Monokulturen in der Landwirtschaft seit Langem vor einem Insektensterben. Aus diesem Grund wurde unter Begleitung der Universitäten Göttingen und Kiel vor einem Jahr ein Pilotprojekt gestartet, bei dem auf großen Ackerflächen als Mischkultur Weizen und Raps abwechselnd in Streifen angebaut wurde. Das Nebeneinander schmaler Felder mit vielen Rändern dient Insekten dabei als Orientierung und ermöglicht ihnen eine "komplementäre Ernährung". Die Ergebnisse nach dem ersten Jahr sind vielversprechend: Nach Angaben der Universität Göttingen konnten im Streifenacker insgesamt mehr als 50 Prozent mehr Insektenarten festgestellt werden als in der Raps- oder in der Weizen-Monokultur.

Deutlich mehr Vögel und Wildbienen

Laut der Universität Göttingen gab es während der Rapsblüte im Vergleich zur Raps-Monokultur dreimal so viele Wildbienen auf dem Streifenacker. Dabei seien insgesamt 51 Wildbienenarten nachgewiesen worden. Auch für die Vogelpopulation zeigt der Streifenanbau demnach einen positiven Effekt. Auf dem Streifenacker seien rund doppelt so viele Vögel zu finden als auf den Raps- und Weizenmonokulturen und sie wiesen rund doppelt so viele Arten auf. Dazu gehörten unter anderem: Feldlerche, Turmfalke, Rohrweihe, Schafstelze, Wiesenpieper, Dorngrasmücke, Mauersegler, Mehlschwalbe, Feldsperling, Heckenbraunelle und Rauchschwalbe.

Zwei verschiedene Ressourcen eng beieinander

Teja Tscharntke von der Universität Göttingen erklärt: "Kleine Felder oder Streifen führen dazu, dass mehr Arten auf diesen Feldern leben können, weil eben zwei verschiedene Ressourcen eng beieinander liegen. Dadurch werden verschiedene Insektenarten in das Feld gelockt." Ein positiver Effekt sei auch der Rückgang von Schädlingen: Der Weizen im Streifenacker sei nur von halb so vielen Getreideblattläusen befallen wie die Weizenmonokultur. Im Raps sei im Streifenacker der Befall durch Rapsglanzkäfer reduziert.

Streifenäcker: "attraktive und kostengünstige Maßnahme"

Die Anlage von Streifenäckern stellt laut Tscharntke eine attraktive, kostengünstige Maßnahme zur Förderung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft dar, die für den Landwirt mit keinem Flächenverlust verbunden ist. Die Vorteile ließen sich durchaus mit denen durch Umstellung auf ökologischen Landbau vergleichen. Wegen der vielversprechenden ersten Ergebnisse würden die Untersuchungen weiter fortgesetzt und sogar ausgebaut: 2019 waren drei Landwirte beteiligt, in diesem Jahr sind es schon zwölf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 29.04.2019 | 17:00 Uhr

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