Stand: 30.06.2020 11:00 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Kästorf: 60 Jahre alte Häuser plötzlich illegal?

38 Hausbesitzern in Kästorf droht der Abriss ihres Eigenheims.

Gustav Besenroth hat die ganze Nacht nicht geschlafen, nachdem ihn ein Brief der Stadtverwaltung erreicht hat. Das Haus, in dem er seit 1987 lebt, sei illegal gebaut worden, heißt es darin. Eine mögliche Konsequenz sei die Zwangsräumung und ein kostenpflichtiger Abriss. So wie Besenroth geht es 37 weiteren Hausbesitzern in Kästorf bei Gifhorn. Die ersten Häuser in der Schneppelmoorsiedlung entstanden Anfang der 60er-Jahre - offenbar ohne offizielle Genehmigung. Nun will die Stadt gegen die illegalen Bauten vorgehen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Kläranlage und Bushaltestelle wurden genehmigt

"Jetzt bin ich auf einmal illegal", sagt Besenroth. Er könne nicht verstehen, dass hier zuvor eine Kläranlage gebaut wurde und die Stadt eine Bushaltestelle sowie eine Straßenlaterne genehmigt hat. Er fragt sich: "Wenn es illegal ist, warum genehmigt man das?" Warum habe die Stadt nicht da schon darauf hingewiesen, dass die Siedlung illegal sei. Jetzt fragt er sich, wo er hin soll, wenn er sein Haus räumen muss - und wie er das alles bezahlen soll. So wie ihm ergeht es vielen älteren Menschen in der Schneppelmoorsiedlung. "Ich kann das nicht bezahlen, und vor allen Dingen bin ich seit 1966 hier", sagt Besenroths Nachbarin.

Als Wochenendhäuser entstanden

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Viele Bewohner leben seit Jahrzehnten in der Schneppelmoorsiedlung. Nun bangen sie um ihre Häuser und Gärten.

Viele der Häuser entstanden Anfang der 60er-Jahre zunächst als Wochenendhäuser auf dem Pachtgrundstück eines ehemaligen Kieswerks - als der Ort Kästorf noch gar nicht zur Stadt Gifhorn gehörte. Vor gut zwei Jahren traten dann giftige Methangase aus der Erde, seitdem prüft die Stadt die baurechtlichen Voraussetzungen.

Rat der Stadt Gifhorn berät im September

Bevor es aber Zwangsräumungen und Abrissen komme, höre die Stadt jeden Fall einzeln an, sagte Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich (CDU). "Teil der Anhörung ist ja eben, die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner darauf zu hören und ihre Stellungnahme zu sehen." Wenn es einen Abriss geben sollte, sei ein gesonderter Verwaltungsakt notwendig und ein gesondertes Schreiben, sagte Nehrlich. Der Ausgang des Verfahrens ist noch völlig offen. Nach Informationen von NDR Niedersachsen will der Rat der Stadt Gifhorn im September über die Siedlung beraten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 26.06.2020 | 17:00 Uhr

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