Werbepylonen mit dem "NBank"-Logo stehen am Sitz der "NBank", der Investitions- und Förderbank des Landes Niedersachsen. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Corona-Novemberhilfen lassen noch immer auf sich warten

Stand: 31.12.2020 08:08 Uhr

Die Novemberhilfen sollen eine finanzielle Stütze für vom Lockdown betroffene Unternehmen bieten. Viele warten aber noch auf ihr Geld.

von Bita Schafineya

Gastronom Oliver Strauß sitzt an der Bar in seinem Stadthotel am Magni-Kirchplatz in Braunschweig und schaut sorgenvoll aus dem Fenster. Seit Wochen herrscht in seinen Betrieben gähnende Leere. Neben dem Hotel betreibt der 47-Jährige mehrere Restaurants, Diskotheken und Bars. Jeden Monat fallen Nebenkosten an und auch die Löhne der Mitarbeitenden laufen weiter, wie Strauß beklagt. Seine Fixkosten kann der Gastronom momentan nur mit Rücklagen stemmen. Noch ist kein Geld auf seinem Konto eingegangen. Schnell und unbürokratisch sollte die Novemberhilfe sein. Doch die Finanzspritze vom Staat lässt auf sich warten.

Nur zehn Prozent ausbezahlt

Mit dem Geld will die Bundesregierung Unternehmern helfen, die in diesem Jahr schon ein zweites Mal schließen müssen. Doch bisher erreichte die Novemberhilfe nur einen Bruchteil derer, die sie dringend benötigen. Insgesamt sind laut N-Bank von 25 Milliarden Euro Überbrückungshilfen seit März gerade einmal zehn Prozent an Betriebe ausgezahlt worden. Die Zeit, bis die Hilfe auf dem Konto ist, müssen Unternehmen mit eigenen Mitteln überbrücken.

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Viele Gastronomen sind unzufrieden

Seit dem 25. November werden bei Direktanträgen von Solo-Selbstständigen bis 5.000 Euro, bei Anträgen über prüfende Dritte - wie etwa Steuerberater - Abschläge von bis zu 50.000 Euro gezahlt. Doch inzwischen ist Ende Dezember und ein sogenannter harter Lockdown in Kraft - zahlreiche Wirte warten noch immer auf ihr Geld, beklagt Rainer Balke vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Niedersachsen: "Wir telefonieren täglich mit unseren Mitgliedern." Viele seien unzufrieden und würden sich ein schnelleres Vorangehen wünschen.

Land: EDV-Probleme Schuld

Die Landesregierung weist die Vorwürfe zurück. EDV-Probleme beim Bund hätten für Verzögerungen gesorgt, erläutert Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Bund und Länder müssten jetzt dafür sorgen, dass die Überbrückungshilfen schnell und unbürokratisch kommen. Angekündigte Auszahlungen erst im März werden allerdings womöglich zu spät sein. Es brauche jetzt eine neue gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten, so der Minister.

"Seit März geht gar nichts mehr"

Auch Dirk Wöhler sitzt schon auf heißen Kohlen. Der 50-Jährige arbeitet als DJ und betreibt eine Event-Agentur. Auch er ist auf finanzielle Hilfe angewiesen, denn seit zehn Monaten sind seine Auftragsbücher leer: "Uns wurde im März der Stecker gezogen, seitdem geht gar nichts mehr. Als Unternehmer habe ich 89 Prozent Umsatzeinbußen", beklagt Wöhler. Auch bei ihm sei bisher kein Cent von der Novemberhilfe angekommen.

Überlastete Steuerberater

Im Frühjahr konnten die Betroffenen ihre Hilfe noch selbst beantragen, doch diesmal läuft alles über Steuerberater. Und die seien schon jetzt völlig überlastet, kritisiert Florian Bernschneider vom Arbeitgeberverband Region Braunschweig. Er verstehe nicht, warum Hilfszahlungen nicht über die Finanzämter automatisch abgewickelt werden. Schließlich seien dort alle Daten zu Umsätzen und Gewinnen bekannt.

Auch Dezemberhilfen sollen kommen

Zwar soll es bald erste Abschlagszahlungen geben, bis aber die versprochenen Hilfen - unter anderem von bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes im November - vollständig fließen, dürfte es noch dauern. Wegen der Verlängerung des Lockdowns sind nach dem Modell der Novemberhilfen auch milliardenschwere Dezemberhilfen geplant - auch dabei soll es Abschläge geben. Doch das Geld wird wohl erst im Februar fließen.      

"Lockdown", "Shutdown", "Exit" - Neues in der Alltagssprache

"Lockdown", "Shutdown", "Exit"-Strategie - das Vokabular in der Corona-Pandemie ist bisweilen mit Anglizismen durchsetzt und transportiert neue Worte in die Alltagssprache. Nicht immer trifft die Übersetzung den Kern des Ursprungsbegriffs, erklärt Annette Klosa-Kückelhaus, Bereichsleiterin in der Abteilung Lexik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim.

"Lockdown", "Shutdown" und "Exit"
Die Begriffe sind dem Englischen entlehnt und bezeichnet einen Zustand der regionalen Isolation oder Eindämmung aus Sicherheitsaspekten (Lockdown) beziehungsweise die zeitlich nicht weiter definierte Schließung eines Geschäfts oder einer Fabrik (Shutdown). Der Begriff "Exit" ist die englische Bezeichnung für "Ausgang" oder "Notausgang". Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bezeichnet "Exit" die Beendigung von "Lockdown"- oder "Shutdown"-Maßnahmen - also einen Ausweg aus dem gesellschaftlichen Stillstand.

Einführung in die Alltagssprache
Die Worte werden seit Ausbruch der Corona-Pandemie auf einen Zustand entlehnt, für den es im Deutschen ganze Sätze benötige, so Klosa-Kückelhaus: Das Herunterfahren beziehungsweise den Stillstand des privaten, öffentlichen und/oder wirtschaftlichen Lebens zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Bisher seien diese Verwendungen nur für die Corona-Pandemie zu beobachten. Um diese Bedeutungen allgemeinsprachlich zu verfestigen, bedürfe es der Verwendung in anderen Kontexten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.12.2020 | 08:00 Uhr

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