Ein Stop-Schild ist vor einem Continental-Logo zu sehen. © picture alliance Foto: Roberto Pfeil

Bremst Mikrochip-Krise VW und Continental bis 2023 aus?

Stand: 05.10.2021 11:38 Uhr

Der Mangel an Mikrochips macht Autobauern wie VW und Zulieferern wie Continental zu schaffen. VW kann bestellte Autos nicht bauen. Conti-Chef Nikolai Setzer geht von einer länger währenden Krise aus.

"Wir sehen, dass sich diese Effekte wohl noch weiter bis in das Jahr 2022 ziehen werden", sagte Setzer. "Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass erst ab 2023, wenn höhere Kapazitäten bei den Chipherstellern verfügbar sind, eine deutliche Besserung eintritt." Der Mangel betrifft die gesamte Autoindustrie - vom Autobauer bis zum Zulieferer.

130.000 bestellte VW-Golf können nicht gebaut werden

So stehen wegen fehlender Halbleiter im VW-Stammwerk Wolfsburg für knapp zwei Wochen alle Bänder still. Nach Angaben des VW-Betriebsrats können wegen des Elektronikbauteil-Mangels 130.000 bestellte Golf nicht gefertigt werden. Und auch bei anderen Modellen hakt es: 110.000 Bestellungen für den Tiguan können laut Betriebsrat wegen des Chipmangels nicht abgearbeitet werden. VW selbst wollte sich zu den Zahlen nicht äußern. Unterdessen muss auch die Volkswagen-Lkw-Tochter MAN die Produktion an deutschen Standorten drosseln. Deshalb fallen unter anderem im Werk Salzgitter einzelne Schichten aus.

"So eine Dynamik haben wir noch nicht erlebt"

Nikolai Setzer, Vorstandsvorsitzender der Continental AG, sitzt im Gebäude der Hauptverwaltung bei einem Interview © dpa-Bildfunk Foto:  Michael Matthey
Conti-Chef Nikolai Setzer geht davon aus, dass die Chip-Krise noch länger andauern wird.

Beim Autozulieferer Continental kümmert sich laut Setzer ein eigenes Team darum, die ärgsten Engpässe auszubügeln. Die Chipmengen, die noch erhältlich seien, würden abgesichert. Die Conti-Taskforce beschäftige sich "jeden Tag damit, die Produktion unserer Kunden am Laufen zu halten". Alle müssten zusammenstehen, sagte der Conti-Chef. Es gehe darum, Lieferungen, soweit es eben geht, aufrechtzuerhalten. Von den Chips gebe es "schlicht zu wenig Menge gegenüber dem, was der Markt verlangt". Beim Halbleiter-Engpass fahre man auf Sicht, sagte Setzer. "So eine Dynamik haben wir noch nicht erlebt."

Unterhaltungsindustrie braucht Mikrochips

Zum Teil ist die Autobranche für das Problem selbst verantwortlich. Zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr, als kaum neue Autos verkauft wurden, stornierten viele Firmen ihre Verträge. Die in der Krise boomende Unterhaltungsindustrie sprang in diese Lücke, sie brauchte die Chips für den Bau von neuen Computern, Fernsehern und anderen elektronischen Geräten. Hinzu kamen Ausfälle der Chiphersteller aufgrund von Katastrophen und neuen Corona-Shutdowns in Asien.

In Fahrzeugen wird mehr Elektronik verbaut

"All diese Effekte sorgen dafür, dass die Versorgung mit Halbleiterprodukten sehr knapp ist", sagte Setzer. Gleichzeitig wachse bei Automobil-Komponenten der Wertanteil von Elektronik im Fahrzeug - durch die Elektrifizierung, das assistierte Fahren und die steigende Vernetzung. Eine schnelle Entspannung der Lage sieht Setzer nicht. "Aber es hängt natürlich auch davon ab, wie sich die anderen Industrien neben der Automobilbranche entwickeln."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.10.2021 | 11:00 Uhr

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