Stand: 14.12.2016 21:12 Uhr

Schäfer protestieren mit toten Tieren vor Landtag

Drinnen wird diskutiert, draußen protestiert: Während sich Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Mittwochvormittag im Landtag den Fragen der Abgeordneten zum Thema Wolf stellte, machten nicht weit entfernt vom Parlament Schäfer ihrem Ärger auf deutliche Weise Luft: "Herkules von Vogelsang", "Schneewittchen", "Tinka Bell" und "Lillifee" lagen dort auf dem Pflaster der Altstadt ausgebreitet - tote Schafe, vermutlich vom Wolf gerissen.

"Vorsorge der Weidehalter unabdingbar"

"Wir haben mit vermehrten Wolfsangriffen zu tun", sagte der Vorsitzende der Schafzuchtverbände Niedersachsen, Joachim Rehse, bei dem Protest auf dem Weihnachtsmarkt. Im Landtag kündigte Wenzel an, nach jüngsten Wolfsangriffen auf Schafe eine schnellere Beratung und praktische Unterstützung für Tierhalter zum Schutz ihrer Herden anzubieten. "Fakt ist aber auch, dass eine rechtzeitige Vorsorge der Weidehalter unabdingbar ist", sagte Wenzel.

Wölfe kommen immer näher

Draußen machten die Schäfer klar, was sie von dem zurückgekehrten Raubtier halten: "Wölfe zerstören meine Zukunft" und "Ist der Wolf wichtiger als der Mensch?" hatten sie auf ihre Transparente geschrieben. "Wir fordern ganz klar, dass Wölfe, die Herdenschutzzäune überwinden, entnommen werden", sagte Rehse. Schäfer würden zum Schutz nachts bei ihren Herden schlafen. In seiner Nachbarschaft stünden die Wölfe abends schon am Gehege.

Anteil der Nutztiere bei Wolfsrissen: 0,8 Prozent

"Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass ein wirksamer Herdenschutz gegen den Wolf möglich ist", sagte Wenzel jedoch im Landtag. Eine Untersuchung von mehr als 4.000 Spuren habe zudem gezeigt, dass sich Wölfe in Deutschland nur zu 0,8 Prozent von Nutztieren ernährten. Herdenschutztiere oder elektrifizierte Zäune zum Beispiel könnten die Sicherheit erhöhen. Aber: "Eine Entnahme des Wolfes ist möglich, wenn alle Schutzmaßnahmen versagen", so der Minister.

Zahl gerissener Nutztiere gesunken

Nach Angaben des Ministeriums sank die Zahl der Übergriffe und dadurch getöteter Nutztiere in den ersten neun Monaten 2016 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Waren es dieses Jahr bis Ende September 38 Übergriffe und 96 dadurch verendete Tiere, so waren es im Jahr zuvor 47 Angriffe mit 118 toten Tieren. In Südergellersen im Landkreis Lüneburg waren Anfang Dezember innerhalb weniger Tage rund zwölf Schafe gerissen worden. Ob Wölfe dafür verantwortlich sind, steht noch nicht fest. Einem weiteren Wildtier-Angriff vor wenigen Tagen fielen in einem Damwild-Gehege im Landkreis Uelzen 23 Tiere zum Opfer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.12.2016 | 14:00 Uhr

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