Stand: 25.09.2020 10:30 Uhr

Römischer Schienenpanzer in Kalkriese entdeckt

Eine erste Illustration des Schienenpanzers Typ Kalkriese anhand des Neufunds aus Kalkriese. © Roland Warzecha / Varusschlacht im Osnabrücker Land - Museum und Park Kalkriese Foto: Roland Warzecha
So könnte er ausgesehen haben - der mehr als 2.000 Jahre alte Schienenpanzer eines römischen Legionärs.

In Kalkriese haben Archäologen einen nach eigener Einschätzung "einzigartigen Jahrhundertfund" gemacht: einen römischen Schienenpanzer aus der Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus (30 v. Chr. bis 14 n. Chr). Wie die Wissenschaftler am Freitag mitteilten, handelt es sich um den einzigen erhaltenen Schienenpanzer weltweit, der "neue Einblicke in die römische Rüstungstechnik" erlaube. Kalkriese bei Bramsche (Landkreis Osnabrück) gilt als ein möglicher Ort, an dem die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. stattgefunden könnte, in der drei römische Legionen von germanischen Truppen vernichtend geschlagen wurden.

VIDEO: Römischer Schienenpanzer in Kalkriese ausgegraben (3 Min)

Kaum archäologische Funde einer Rüstung

Schienenpanzer sind eine aus mehreren Metallplatten zusammengesetzte Rüstung, die den Oberkörper römischer Legionäre schützen sollte. Obwohl der Schienenpanzer lange zur festen Ausstattung der römischen Armee gehörte, gibt es bislang kaum archäologische Funde. In Nordengland wurden in der Vergangenheit sechs Hälften eines Schienenpanzers gefunden, die allerdings aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammen und damit mehr als 100 Jahre jünger sind als der Fund aus Kalkriese.

War der römische Legionär gefesselt?

Zusammen mit dem Schienenpanzer wurde nach Auskunft des Museums in Kalkriese eine so genannte Halsgeige entdeckt, ein Fesselungsinstrument, das die Hände am Hals fixiert. Die Archäologen gehen davon aus, dass ein römischer Legionär vor mehr als 2.000 Jahren als Überlebender der Varusschlacht von den germanischen Siegern auf diese Weise gefesselt wurde. Man blicke damit erstmals auf ein individuelles Schicksal in Kalkriese, das die schreckliche Seite des Krieges zeige, erklärte Stefan Burmeister, Geschäftsführer des Museums Kalkriese.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 25.09.2020 | 13:00 Uhr

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