Niedersachsens Umgang mit Corona in sechs Stufen

Stand: 02.02.2021 15:56 Uhr

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat einen Stufenplan für Niedersachsen im Umgang mit der Corona-Pandemie vorgestellt. Er betonte, dass es sich dabei nicht um einen Lockerungsplan handelt.

Der Plan besteht aus sechs Stufen. Es handele sich um eine Art erweitertes Ampelsystem, sagte Weil. Der Plan beschreibe, wie es sein kann, wenn die Situation schlechter oder eben besser werde. "Wir tun alles dafür, dass es besser wird, haben aber keine Gewähr dafür", so der Ministerpräsident. "Natürlich sehnen wir uns nach einem Ende der Pandemie, nach der Überwindung des Coronavirus", sagte Weil. Aber das sei im kommenden halben Jahr nicht zu erwarten. "Wir werden mit dem Virus umgehen müssen", der Stufenplan solle dafür eine Grundlage bieten.

Weitere Informationen
Stühle und Tische eines geschlossenen Restaurants sind aufeinander gestapelt. © Picture Alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Stufenplan im Detail: Wann wird gelockert - oder verschärft?

Der Entwurf sieht sechs Stufen mit unterschiedlichen Corona-Regeln vor. Weil will ihn mit Bund und Ländern diskutieren. (02.02.2021) mehr

Genauer Blick auf Inzidenz und R-Wert

Spürbare Lockerungen sieht der Plan vor, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 sinkt (Stufe 3). Dann könnten unter Auflagen Kinos und Theater, Zoos und Freilichtmuseen öffnen, auch Tourismus wäre möglich. Die Gastronomie dürfte Gäste bewirten und Kinder würden im Regelfall vor Ort in der Schule unterrichtet. Die Landesregierung hat allerdings eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme eingebaut: In einigen Bereichen des öffentlichen Lebens muss der R-Wert unter 0,8 liegen, um die Öffnung zu erlauben.

Praktisch alles geschlossen wird wiederum in der Stufe 6, wenn der Inzidenzwert 200 überschreitet oder der R-Wert höher als 1,2 liegt. Dann sollen unter anderem Kontakte radikal beschränkt werden - auf einen einzigen Haushalt.

Was ist der R-Wert?

Die Reproduktionszahl - auch R-Wert genannt - gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Liegt der Wert über 1, dann steigt die Zahl der Neuinfektionen: Die Krankheit breitet sich weiter aus. Ist sie kleiner als 1, gibt es immer weniger Neuinfektionen: Die Epidemie läuft aus.

Ergebnis von Bund-Länder-Konferenz soll in Stufenplan einfließen

Bei dem Stufenplan handelt es sich derzeit um einen Entwurf. Man wolle auf die unterschiedlichen Stimmen im Land hören, sagte Weil. Deshalb seien die Landtagsfraktionen unterrichtet worden. Auch werde der Plan an die Verbände und Akteure im Land verschickt. Zudem wolle man für eine abschließende Entscheidung die Bund-Länder-Gespräche abwarten und in die Entscheidung einfließen lassen, sagte Weil. Voraussichtlich werden sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten am 10. Februar das nächste Mal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten.

Downloads

Der Entwurf des Corona-Stufenplans aus Niedersachsen

Mit diesem Entwurf geht das Land in die nächsten Bund-Länder-Beratungen bei Kanzlerin Merkel. Download (671 KB)

"Bestmögliche Planungssicherheit für die Wirtschaft"

Niedersachsen Wirtschaftsminister Altusmann (CDU) bei der Pressekonferenz zum Umgang mit Corona in sechs Stufen © NDR
Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Altusmann (CDU) ist gegen voreilige Lockerungen.

Für die Wirtschaft sei der Stufenplan ein transparenter, verlässlicher Ausblick, der die bestmögliche Planungssicherheit biete, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Ganz bewusst gehe Niedersachsen einen sehr umsichtigen Weg. "Bei einem Inzidenzwert über 50 ist es nicht verantwortbar, über Lockerungen zu reden", sagte der Minister. Diese dürften nicht voreilig vorgenommen werden. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen bei 77,7 Neuinfektion pro 100.000 Einwohner.

Termin für Öffnungen hängt von Inzidenz ab

Aufgrund der inzidenzbasierten Strategie könne man keinen Termin für Öffnungen nennen. Je nachdem wie viel Zeit bis dahin noch vergeht, werde geschaut, welche "flankierenden Maßnahmen" wie beispielsweise Förderprogramme die Landesregierung für die Wirtschaft in Niedersachsen ergreifen werde, sagte Althusmann.

Keine Änderungen in Schulen und Kitas im Februar

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bei einer Pressekonferenz zum Umgang mit Corona in sechs Stufen
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) kündigte eine künftige Teststrategie für Lehrer und Erzieher an.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärte im Anschluss, wie das weitere Vorgehen in den Schulen und Kindertagesstätten geplant ist. Demnach soll zunächst alles so bleiben, wie es aktuell ist: Grundschüler und Abschlussklassen dürfen in geteilten Klassen, also im Szenario B, in die Schule kommen. Für alle anderen Jahrgänge gilt das Szenario C: Distanzlernen. In den Kitas gibt es Notbetreuung. Sollte die Entwicklung der Infektionen es zulassen, strebe man ab März für alle Jahrgänge das Szenario B an, sagte Tonne. Um Schulen, Lehrern und Eltern Planungssicherheit zu geben und das Schulsystem nicht durcheinanderzuwirbeln, solle dies bis zu den Osterferien fortgesetzt werden. Danach soll das Schulsystem in den inzidenzbasierten Stufenplan einsteigen, so der Minister. Darüber hinaus sei derzeit eine anlassunabhängige Teststrategie für Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher in Arbeit.

Reimann entschuldigt sich für Terminvergabe-Probleme

Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) entschuldigte sich für die Problematik bei der Terminvergabe für Impfungen der zu Hause lebenden Menschen ab 80 Jahren. "Ich kann den Ärger der Menschen verstehen, die derzeit darum kämpfen, einen Termin für eine Impfung zu erhalten", sagte sie. Sie bedauere, dass es bei der Terminvergabe am Anfang zu technischen Schwierigkeiten gekommen sei. Daraus habe man Konsequenzen gezogen und eine Reihe von Änderungen umgesetzt und auf den Weg gebracht.

24.000 Heimbewohner haben Zweitimpfung erhalten

Carola Reimann (SPD) sitzt an einem Rednerpult bei der Pressekonferenz zum Umgang mit Corona in sechs Stufen © NDR
Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) bedauerte die Schwierigkeiten bei der Terminvergabe für eine Impfung.

Bezüglich Niedersachsens letztem Platz bei der Impfquote im Bundesvergleich sagte Reimann: "Wir holen auf." Dass hierzulande verhältnismäßig weniger Menschen geimpft seien als andernorts hänge auch damit zusammen, dass Niedersachsen angesichts der derzeitigen Planungsunsicherheit mit den Impfstoff-Lieferungen auf Nummer sicher gehe und die Dosen für die Zweitimpfung zurückhalte. Es gehe darum, der am meisten gefährdeten Gruppe schnellstmöglich einen vollständigen Impfschutz zu bieten. Bei der Quote der Zweitimpfungen belege Niedersachsen bundesweit den dritten Platz. 24.000 Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen hätten inzwischen schon beide Dosen erhalten. Insgesamt leben Reimann zufolge in Niedersachsen 100.000 Menschen in diesen Einrichtungen.

Impfungen in Hausarztpraxen noch nicht im zweiten Quartal

Impfungen in Hausarztpraxen werden laut Reimann im zweiten Quartal aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht möglich sein. Sondern erst zu einem Zeitpunkt, wenn große Mengen Impfstoff zur Verfügung stehen. Wenn man erst einmal so weit sei, dass die Hausärzte gegen Corona impfen könnten, "wird das der Zeitpunkt sein, wo wir einen richtigen Durchbruch haben werden", sagte Ministerpräsident Weil. "Dann, glaube ich mal, haben wir es geschafft!"

Weitere Informationen
Eine Person wird in den Oberarm geimpft.  Foto: Jens Büttner

Corona-Impfungen in Niedersachsen: Wie geht es weiter?

Das Tempo hängt im Wesentlichen davon ab, wie schnell die Hersteller die zugesagten Impfstoffdosen liefern können. mehr

Ein Transparent weist auf den Parkplatz des Impfzentrums vor den Emslandhallen in Lingen hin © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Corona-Impfungen: Weitere Impfzentren im Land öffnen

Das Impfen in Hildesheim und Bassum hat begonnen. In einigen anderen Zentren wurde bereits am Montag geimpft. mehr

Eine Frau mit Mundschutz steht an einem Fenster und blickt ins Licht. © imago images Foto: Action Pictures/imago

Corona: Niedersachsen wartet auf die Bundes-Notbremse

Derweil gibt es erste Erleichterungen für durchgeimpfte Personen. Und das OVG hat die Testpflicht für Schüler bestätigt. mehr

Ein Mann wird auf das Coronavirus getestet. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona in Niedersachsen: Inzidenz sinkt leicht auf 125,6

650 Neuinfektionen wurden landesweit registriert. Es gibt zudem zwölf weitere Todesopfer im Zusammenhang mit Corona. mehr

Kinder tragen im Unterricht biologisch abbaubare Masken. © vivamask

Corona-News-Ticker: Zwei-Milliarden-"Aufholprogramm" für Kinder

Die Bundesregierung will mehr Geld als geplant ausgeben, um Folgen von Schul- und Kitaschließungen abzumildern. Mehr Corona-News im Ticker. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2021 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Kleiderspinde in einer Feuerwehrwache mit Uniformen und Helmen. © colourbox

Impfkampagne: Land zieht Feuerwehrleute ab Mai vor

Zentren können mobile Teams organisieren. Zudem dürfen Hauptamtliche der Kinder- und Jugendhilfe früher geimpft werden. mehr