Ein europäischer Wolf steht in einem Waldstück. © Colourbox Foto: Dennis Jacobsen

Niedersachsen nimmt den Wolf ins Jagdrecht auf

Stand: 17.05.2022 15:30 Uhr

Der Wolf ist in das niedersächsische Jagdrecht aufgenommen worden. Der Landtag hat die Gesetzes-Novelle am Dienstag mit großer Mehrheit beschlossen. Unter Schutz stehen Wölfe aber trotzdem noch.

Der Abschuss eines Wolfes muss auch in Zukunft vorher genehmigt werden. Eine solche Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz wird beispielsweise nur dann erteilt, wenn einzelne Wölfe immer wieder hohe Zäune überwinden und Schafe oder andere Weidetiere reißen. Mit den neuen Regelungen im Jagdgesetz werde "eine gute Handlungsgrundlage geschaffen, um eine artenschutz- und tierschutzkonforme Entnahme zu ermöglichen", sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Die Regierungsfraktionen von SPD und CDU stimmten ebenso wie die oppositionelle FDP für den Gesetzentwurf.

VIDEO: Urteil zu Wolfsabschüssen: Land muss besser informieren (28.02.2022) (2 Min)

Ganzjährige Schonzeit für Wölfe

Beim Umgang mit dem Wolf gehe es um den Ausgleich zwischen dem Schutz einer besonders und streng geschützten Tierart und dem Schutz von Weidetieren sowie den berechtigten Interessen ihrer Halterinnen und Halter, sagte Otte-Kinast. Das neue Gesetz räume den Wölfen eine ganzjährige Schonzeit ein. Die Wolfsverordnung des Landes Niedersachsen wird mit der Novellierung des Jagdgesetzes überflüssig und außer Kraft gesetzt.

FDP will Obergrenze für Wölfe

Die Grünen-Abgeordnete Miriam Staudte kritisierte die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Auch ändere dies für die Weidetierhalterinnen und -halter nichts, weil die Wölfe weiter unter Artenschutz stünden. Die FDP hingegen hatte schon lange gefordert, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Fraktionschef Stefan Birkner wünscht sich darüber hinaus auch eine Obergrenze für Wölfe. Er fordert, dass der Wolfs-Bestand reguliert wird. Uwe Dorendorf von der CDU ist der Ansicht, dass die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht einiges einfacher mache. Zum Beispiel dürften nun auch Jäger einen schwer verletzen Wolf durch den Fangschuss töten.

Nachtzieltechnik zur Bejagung von Waschbären erlaubt

Eine weitere Neuerung im Jagdgesetz betrifft laut Ministerin Otte-Kinast den Einsatz von Nachtzieltechnik zur Bejagung gebietsfremder invasiver Arten wie etwa Waschbären, Marder und Nutrias. Wer an einer Gesellschaftsjagd teilnimmt, muss künftig einen Schießnachweis mit sich führen. Explizit geht es dabei laut Otte-Kinast um einen Schießübungsnachweis und nicht um einen Leistungsnachweis.

Weitere Informationen
Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Hartmut Seetzen, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Friesland, streicheln ein Schaf. © picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich Foto: Hauke-Christian Dittrich

Minister Lies hält Wolfs-Tötungen in Einzelfällen für nötig

Das sagte er im Vorfeld der Konferenz der Umweltminister in Wilhelmshaven. Tierhalter demonstrierten am Tagungshotel. (12.05.2022) mehr

Eine Nahaufnahme eines Wolfes im Wald. © picture alliance/Jens Büttner/dpa Foto: Jens Büttner

Mit Aufnahme ins Jagdrecht entfällt Wolfsverordnung

Voraussichtlich im Juni entscheidet der Niedersächsische Landtag über die Aufnahme des Wolfes in das Jagdgesetz. (10.05.2022) mehr

Schafe grasen auf dem Deich vor dem Pilsumer Leuchtturm. © dpa Foto: Sina Schuldt

Wölfe: Bund prüft GPS-Halsbänder als Option für Herdenschutz

Die Geräte sollen auf Deichen Weidetierhalter bei Wolfsangriffen auf Schafe warnen, heißt es vom Umweltministerium. (10.05.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.05.2022 | 14:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Landtag Niedersachsen

Wildtiere

Tiere

Wölfe

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Hof in Emsbüren, auf dem die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen wurde. © dpa Bildfunk Foto: Lars Klemmer

Afrikanische Schweinepest: 300 Schweinehalter in Sperrzone

Nach dem Ausbruch der Tierseuche in einem Betrieb im Emsland sollen weitere Bestände in der Region kontrolliert werden. mehr