Eine Polizistin und ein Polizist knien vor einem geöffneten Gullydeckel. © picture alliance/dpa/Andre van Elten Foto: Andre van Elten

Nach dem Fall Joe: Werden Kanalzugänge künftig vergittert?

Stand: 08.07.2022 12:07 Uhr

Vor drei Wochen verschwand Joe aus Oldenburg. Wie konnte der Junge über ein Betonrohr in das Kanalsystem gelangen? Was sagt der lokale Wasserverband zu einer besseren Absicherung der Zugänge?

Am 17. Juni wurde der geistig behinderte Achtjährige als vermisst gemeldet. Nach acht Tagen intensiver Suche konnten ihn Einsatzkräfte schließlich unter einem Gullydeckel befreien - nur wenige Hundert Meter von Joes Elternhaus entfernt. Ein Spaziergänger, der ein leises Wimmern hörte, brachte den entscheidenden Hinweis. Der Junge war nach Ermittlerangaben beim Spielen über ein Betonrohr mit einem Durchmesser von 100 Zentimetern in das Kanalsystem eingestiegen. Hätte sich das durch eine bessere Absicherung verhindern lassen?

Wasserverband: Sicherung durch Gitter kann zu Problemen führen

"Der Fall von Joe muss als tragischer Einzelfall gesehen werden", sagt Gunnar Meister, Pressesprecher vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) dem NDR Niedersachsen. Dass Menschen aus Kanälen befreit werden müssen, sei äußert selten. Dort, wo eine Sicherung von Zugängen durch Gitter sinnvoll erscheint, werde dies zudem normalerweise auch gemacht. "Die Sicherung durch Gitter hat jedoch auch eine Kehrseite: So können die Zugänge beispielsweise bei stärkerem Regen durch Gegenstände blockiert werden und verstopfen. Kanäle müssen ihren eigentlichen Zweck erfüllen und Wasser ableiten können", erklärt Meister. Daher sei eine Sicherung immer auch eine Abwägung und Einzelfallentscheidung.

Wasserverband prüft Sicherheitsvorkehrungen

Eine Kameraüberwachung lasse sich nicht umsetzen, so der Sprecher. Allerdings nehme der Wasserverband den Fall zum Anlass, die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand zu stellen. Entsprechende Gespräche würden bereits geführt.

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Eine Polizistin und ein Polizist knien im Fall des vermissten achtjährigen Joe aus Oldenburg vor einem geöffneten Gullydeckel. © Andre van Elten/dpa Foto: Andre van Elten

Fall Joe aus Oldenburg: Polizei schließt Straftat aus

Der Achtjährige hatte sich im Kanalsystem verirrt - und hielt sich dort acht Tage auf. Er sagt, er sei allein gewesen. (29.06.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.07.2022 | 11:00 Uhr

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