Stand: 17.07.2017 14:15 Uhr

Messerattacke in Ägypten: "Wir sind wie betäubt"

Der Schock sitzt tief, nachdem am Freitag im ägyptischen Badeort Hurghada zwei Frauen aus dem Raum Peine getötet wurden. Bei den Opfern handelt sich einem Bericht der "Peiner Allgemeinen Zeitung" (PAZ) zufolge um eine 56-jährige Edemissenerin und eine 65-Jährige aus Münstedt, einem Ortsteil der Gemeinde Ilsede. "Unglaublich. Unfassbar", äußerte sich die Bürgermeister von Münstedt, Dieter Böker (CDU). "Die Menschen hier sind noch wie betäubt." Ähnlich bestürzt äußerte sich auch Edemissens Bürgermeister, Ullrich Kemmer (CDU). Nach Angaben des ehemaligen deutschen Honorarkonsuls in Hurghada, Peter-Jürgen Ely, haben die zwei getöteten Frauen immer wieder über längere Zeit in Ägypten gelebt. Er selbst sei mit den Opfern persönlich bekannt gewesen.

Trauerfeier.

Peine gedenkt getöteter Frauen in Ägypten

Hallo Niedersachsen -

Nach dem Tod zweier Frauen aus Niedersachsen in Ägypten herrscht im Landkreis Peine immer noch große Betroffenheit. Die Urlauberinnen waren Opfer eines Messer-Anschlags geworden.

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Handelte Angreifer im Auftrag des IS?

Am Freitag gegen 13 Uhr war ein Mann auf einen Strand im ägyptischen Badeort Hurghada zugeschwommen, an dem sich Dutzende Urlauber - die meisten Ausländer - sonnten. Der 28-jährige Student hatte ein Messer bei sich und stach damit auf mehrere Badegäste ein. Er tötete die zwei Frauen und verletzte weitere vier. Laut dpa soll der tödliche Messerangriff "nach Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen" von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Auftrag gegeben worden sein. Demnach stand der mutmaßliche Täter mit ihr über das Internet in Kontakt und "habe den Auftrag erhalten, Ausländer anzugreifen". Die private ägyptische Zeitung "Al-Shorouk" berichtet zudem, dass der Mann sich in seinen Vernehmungen auf das Recht der Scharia berufen habe. Er offenbare die Ideologie des IS, so die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. Die ägyptische Anwaltschaft für Staatssicherheit erklärte hingegen, es sei noch unklar, ob es sich um einen Terrorakt oder eine kriminelle Tat gehandelt habe. Bislang hat sich noch keine Gruppe zu der Tat bekannt.

Bürgermeister: "Wütend, fassungslos, traurig"

Peines Bürgermeister Klaus Saemann (SPD) sagte, er sei "wütend, fassungslos und unendlich traurig zugleich" und sprach den Familien und Freunden der Opfer seine "tiefe Anteilnahme" aus. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, es handele sich um einen "besonders hinterhältigen und verbrecherischen Akt, der uns traurig, bestürzt und wütend zurücklässt". Die Tat habe sich gezielt gegen Ausländer gerichtet. Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in Kairo seien vor Ort und stünden mit den ägyptischen Behörden in Kontakt.

Tatwaffe vermutlich vor Ort gekauft

Über den 28 Jahre alten mutmaßlichen Täter ist bislang nur wenig bekannt. Er stamme aus dem Norden des Landes und soll Uni-Absolvent sein, hieß es aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Offenbar war er Freitagmorgen mit dem Bus nach Hurghada gekommen und hatte dort die Tatwaffe gekauft. Nach der Tat wurde er festgenommen und zu Vernehmungen in die Hauptstadt Kairo gebracht. Die staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram meldete, der Festgenommene habe vor einiger Zeit sieben Monate lang in Saudi-Arabien gelebt. Nachbarn zufolge war er nach Hurghada gefahren, um Arbeit zu finden. Einer politischen oder terroristischen Gruppe habe er nicht angehört. Unmittelbar vor der Tat soll er sich mit den beiden Frauen aus dem Raum Peine auf Deutsch unterhalten haben. Dann stach er zu.

Auswirkungen auf Tourismus unklar

Beim Reisekonzern TUI aus Hannover rechnet man bislang nicht mit negativen Auswirkungen. "Die Nachfrage nach Reisen nach Ägypten hatte deutlich angezogen. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass sich hieran grundsätzlich etwas ändern wird", sagte eine Sprecherin am Sonntag. Nach dem Anschlag seien bislang keine Rückreisewünsche bekannt geworden. Wegen der Unruhen im Land nach dem Sturz von Machthaber Husni Mubarak im Februar 2011 und mehrerer Terrorangriffe war die Zahl der Urlauber in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.07.2017 | 14:00 Uhr