"Keine Kartenzahlung möglich" - Tipps für Niedersachsen

Stand: 30.05.2022 15:00 Uhr

Seit vergangener Woche können Tausende Kunden bei deutschen Einzelhändlern nicht mehr mit Giro- oder Kreditkarte zahlen - auch in Niedersachsen. Die Probleme werden sich wohl noch hinziehen.

Welche Funktionen genau gestört sind, ist unterschiedlich: Bei manchen Terminals sind nur Girokartenzahlungen nicht möglich - andere Terminals hingegen können gar nicht mehr genutzt werden. Die Einzelhändler kommen bei der Lösung des Problems unterschiedlich schnell voran. Bei einigen Händlern muss das Kartenbezahlgerät ausgetauscht werden - und es dauert Tage, bis alle Märkte die neuen Geräte haben. Andere Geschäfte haben ein Software-Update bekommen, da könnten Kunden bereits wieder mit Karte zahlen, sagte Mark Alexander Krack, Chef des Handelsverbandes in Niedersachsen, dem NDR in Niedersachsen.

Handelsverband hofft auf gefüllte Geldautomaten

Krack sagte weiter, man müsse sich auf die Aussagen des technischen Anbieters verlassen, dass mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet werde. Der Handelsverband hofft, dass die Banken und Sparkassen die Geldautomaten gut bestücken, damit die Kunden dann wenigstens mit Bargeld einkaufen können. Hintergrund der Misere ist eine Störung im Verifone-Gerät H5000, das in vielen Geschäften im Einsatz ist. Die Terminals und die Software kommen von Verifone, Dienstleister wie Payone und Concardis stellen die Geräte bereit und wickeln die Zahlungen ab.

Verbraucherzentrale rät von Bargeld-Hortung ab

Von der Verbraucherzentrale Niedersachsen heißt es auf Anfrage von NDR.de: "Wer nicht ausreichend Bargeld mit sich führt, sollte sich unbedingt vor jedem Einkauf darüber informieren, ob in der betreffenden Verkaufsstelle die Möglichkeit der Kartenzahlung besteht. Wichtig ist das vor allem an Tankstellen, um spätere Diskussionen und Auseinandersetzungen mit dem Verkaufspersonal zu vermeiden - schließlich kann der getankte Treibstoff nicht einfach wieder abgelassen werden." Von der Strategie, größere Geldbeträge abzuheben und zu horten, rät die Verbraucherzentrale allerdings ab. "Zum einen aus Sicherheitsgründen, aber auch um unnötige, regionale Engpässe in der Bargeldversorgung von vornherein zu vermeiden."

"Barzahlung als Ausdruck persönlicher Freiheit"

Die Verbraucherzentrale weist weiter auf die aus ihrer Sicht wichtige Möglichkeit zur Barzahlung hin - "als Ausdruck der persönlichen Freiheit der Verbraucher und Verbraucherinnen bei der Wahl des Zahlungsmittels, zur Gewährleistung der Möglichkeit anonymer Bezahlung alltäglicher Einkäufe und als Mittel zur Ausgabenkontrolle." In Deutschland ist der Umsatzanteil der Kartenzahlungen im Handel im vergangenen Jahr von 50,5 Prozent 2019 auf 58,8 Prozent angestiegen. Das belegt zumindest eine Untersuchung des Handelsforschungsinstitutes EHI. Auch kontaktlose Zahlungen, bei denen Karten oder Smartphones vor das Terminal gehalten werden, sind durch die Corona-Pandemie mehr und mehr zum Alltag geworden.

Payone: "Wird vermutlich einige Tage in Anspruch nehmen"

Und wie geht es nun weiter? Zur Wiederinbetriebnahme der Geräte sei ein manueller Eingriff vor Ort nötig, teilte Payone mit und berief sich dabei auf Verifone. "Wir gehen davon aus, dass dieser Vorgang nicht ad hoc in der Fläche ausgeführt werden kann, sondern vermutlich einige Tage in Anspruch nehmen wird", sagte eine Payone-Sprecherin. Verifone teilte mit, ein Update entwickelt zu haben. Man arbeite mit Kunden und Partnern an der Bereitstellung dieser Lösung für die betroffenen Terminals. "Wir möchten betonen, dass das Problem nicht mit dem Ablauf eines Zertifikats oder einer Sicherheitslücke zusammenhängt und keine Sicherheitsbedrohung darstellt", hieß es in einer Mitteilung. Vielmehr handele es sich um eine Software-Fehlfunktion.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.05.2022 | 12:00 Uhr

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