Stand: 08.04.2020 22:42 Uhr

Coronavirus macht Altenheimen schwer zu schaffen

Das Coronavirus breitet sich zunehmend in Niedersachsens Altenheimen aus - mit tödlichen Folgen: In dem bislang am schwersten betroffenen Hanns-Lilje-Pflegeheim in Wolfsburg ist die Zahl der Opfer mittlerweile auf über 30 gestiegen. Dort war der Ausbruch bereits Ende März bekannt geworden. Jeweils mehrere Dutzend Infizierte wurden auch in einer Seniorenresidenz in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) sowie in einem Altenheim in Bramsche (Landkreis Osnabrück) gemeldet. Auch dort gibt es bereits Todesfälle. Weitere Infizierte gibt es unter anderem in Alten- und Pflegeheimen in Seevetal und im Emsland.

Anzeigen und Vorwürfe

Wie das Coronavirus in die Heime gelangen konnte, ist unklar. In Wildeshausen hat der Landkreis Strafanzeige gegen die Betreiber gestellt. Das Heim soll grob gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen haben. In Bramsche gibt es ähnliche Vorwürfe: Der Gesundheitsdienst wirft den Altenheim vor, dass dort Hygienevorschriften nicht eingehalten wurden. In Wolfsburg ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Wird das Personal häufiger getestet?

Niedersachsens Gesundheitsministerium sucht derweil nach weiteren Möglichkeiten, die Heime zu schützen. Nach Angaben von Claudia Schröder, stellvertretender Leiterin des Krisenstabs, wird geprüft, ob die Testfrequenz für das Personal von Alten- und Pflegeheimen erhöht werden kann - um diejenigen herauszufiltern, die trotz Infektion keine Krankheitssymptome verspüren. Zudem wird auch eine bessere Strukturierung der hausärztlichen Versorgung in Erwägung gezogen, so Schröder.

Keine Ausgangssperre für Altenheime geplant

Nicht in Frage kommt für das Gesundheitsministerium derzeit eine Ausgangsperre für Altenheime - wie sie mittlerweile in Baden-Württemberg gilt. Das wäre ein zu erheblicher Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Heimbewohner, teilte das Ministerium mit.

Besuchsverbot und Aufnahmestopp

Bereits seit dem 17. März gilt in den Alten- und Pflegeheimen genauso wie in Krankenhäusern ein Besuchsverbot. Am 30. März folgte ein Aufnahmestopp für Pflegeheime. Ausnahmen gebe es nur, wenn eine 14-tägige Quarantäne für neue Bewohner gewährleistet sei, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Zuvor hatte die Ministerin eingeräumt, dass es viele Hinweise gebe, dass Besuchsverbote für Alters- und Pflegeheime nicht beachtet worden seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.04.2020 | 09:00 Uhr

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