Corona: Niedersachsen will Schüler vor Sommerferien impfen

Stand: 25.05.2021 21:13 Uhr

Allen Jugendlichen ab zwölf Jahren soll ein Impfangebot gemacht werden. Gesundheitsministerin Daniela Behrens und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (beide SPD) haben am Dienstag die Pläne vorgestellt.

"Wir wollen noch vor den Ferien mit den Impfungen von Schülerinnen und Schülern anfangen", sagte Behrens am Dienstag in der Landespressekonferenz. "Und zwar großflächig an allen Schulen." Insgesamt sollen dem Konzept zufolge in Niedersachsen bis zu 450.000 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen Corona geimpft werden. Dafür werden laut Behrens 900.000 zusätzliche Impfdosen vom Bund benötigt. Die Erstimpfung ist in den beiden letzten Wochen vor den Sommerferien vom 12. bis zum 23. Juli vorgesehen, die Zweitimpfung soll zum Ende der Ferien vom 23. August bis 3. September erfolgen.

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Zentren und mobile Teams sollen Schüler impfen

Die Impfungen sollen in Zusammenarbeit mit den Schulen in den Impfzentren durchgeführt werden. Zudem ist laut Behrens geplant, je nach Situation in den Landkreisen auch mobile Teams einzusetzen. "Das werden sehr anstrengende Wochen für die Zentren und die Teams, aber das ist machbar", sagte Behrens. Voraussetzung sei aber natürlich, dass der Bund ausreichend Impfstoff zur Verfügung stellt. Außerdem müsse noch die Zulassung beziehungsweise Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) abgewartet werden. "Hier erhoffen wir uns Anfang Juni das Go", so Behrens. Das sei eine fachliche, wissenschaftliche Frage und keine politische Entscheidung.

STIKO-Beratungen dauern an

Die STIKO berät aktuell über diese Frage. Deren Vorsitzender Thomas Mertens rechnet innerhalb der nächsten zehn bis 14 Tage mit einem Ergebnis. "Es kann sein, dass die STIKO den Vorstellungen der Politik nicht in allen Punkten nachkommen kann, da die Ergebnisse das unter Umständen nicht hergeben", sagte Mertens am Dienstag im Deutschlandfunk.

Impfung ist freiwillig

"Ich freue mich, dass wir damit einen weiteren Baustein haben, um mit möglichst viel Normalität ins kommende Schuljahr zu starten", sagte Kultusminister Tonne. Das Land habe mit dem vorgelegten Konzept seine Hausaufgaben gemacht, jetzt liege es am Bund, die benötigten Impfdosen bereitzustellen. Tonne betonte, dass die Impfung für alle Schülerinnen und Schüler selbstverständlich freiwillig und keine Verpflichtung sei. Er werbe aber ausdrücklich dafür, von dem Angebot Gebrauch zu machen. Bis zu einem Alter von 16 Jahren müssten die Eltern einer Impfung ihres Kindes zustimmen, zwischen 16 und 18 Jahren Eltern und Kind und ab dem 18. Lebensjahr ausschließlich die Schülerin beziehungsweise der Schüler, so Tonne.

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Falls der Impfstoff von der EMA oder der Stiko für unter 16-Jährige nicht empfohlen wird, sollen zumindest alle Jugendlichen ab 16 Jahren aufwärts ein Impfangebot bekommen. Für sie ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer bereits zugelassen worden. In diesem Fall könnten nur knapp die Hälfte der niedersächsischen Schülerinnen und Schüler geimpft werden. "Wir haben ein gutes Konzept und steuern bei Bedarf nach", sagte Behrens.

Auswirkungen auf Schulbetrieb noch unklar

Welche Folgen die Impfungen für den Schulalltag haben werden, ließ Tonne noch offen. Es müsse erst abgewartet werden, wie sich die Inzidenzwerte entwickeln und wie groß die Impfbereitschaft ist, betonte der Kultusminister. Es sei aber denkbar, dass künftig nur noch ungeimpfte Schülerinnen und Schüler anlasslose Schnelltests durchführen müssen. Wie mit der Maskenpflicht verfahren werde, könne er derzeit noch nicht sagen, so Tonne. Schule werde aber auch für Ungeimpfte nicht unsicher sein.

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Bund macht bei Impfungen Druck

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) hatten bereits vor einigen Tagen angekündigt, Jugendliche ab zwölf Jahren noch im Sommer impfen zu lassen, um eine Rückkehr zum regulären Unterricht zu ermöglichen. Karliczek forderte dafür einen Fahrplan von allen Bundesländern. Spahn stellte Corona-Impfungen für Schülerinnen und Schüler bis Ende August in Aussicht. Dazu müssten Impfdosen von Biontech reserviert werden, sagte er. Biontech und sein US-Partner Pfizer haben bislang als einzige eine Zulassung ihres Impfstoffes für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren beantragt. Die EMA will noch im Mai darüber entscheiden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.05.2021 | 13:00 Uhr

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