Stand: 15.07.2019 15:44 Uhr

Bewerbermangel verschärft den Pflegenotstand

Der Personalmangel im Pflegebereich in Niedersachsen hat drastisch zugenommen. Im Juni fehlten fast 1.000 geprüfte Pflegekräfte. Das zeigen Recherchen des NDR Regionalmagazins Hallo Niedersachsen. Die Auswirkungen der extremen Personalnot sind spürbar - und reichen von abgewiesenen Patienten bis hin zu ganzen Stationen in Krankenhäusern, die geschlossen werden. Sandra Mehmecke, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, spricht von einem dramatischen Personalmangel. Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren verschärft.

Mehmecke: Personaluntergrenze notwendig als "rote Linie"

Dass es nun so weit gekommen ist, dass Stationen schließen, überrascht Mehmecke nicht. Sie verteidigt die Maßnahme auch: Dies sei ein verantwortungsvolles Handeln, da es die Sicherheit für die Patienten erhöhe und die Pflegerinnen und Pfleger entlaste. Eine direkte Ursache der Schließungen, die seit Januar bundesweit geltenden gesetzlichen Vorgaben für die Anzahl an Fachkräften, bewertet Mehmecke differenziert. Die Maßnahme sei aus Sicht der Pflegekammer einerseits als "rote Linie" in allen Bereichen notwendig. Die derzeitige Umsetzung in Form der sogenannten Personaluntergrenzenverordnung sei dagegen falsch. Diese wirke nur wenig und müsse "grundsätzlich" verändert werden, sagte Mehmecke.

NKG sieht Nachbesserungsbedarf

Auch die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) sieht hier Nachbesserungsbedarf. Man benötige stattdessen ein "pragmatisches Instrument zur Ermittlung des Pflegepersonalbedarfs", sagte Marten Bielefeld, stellvertretender NKG-Geschäftsführer. Dies müsse möglichst ohne viel bürokratischen Aufwand funktionieren, betonte er. Auch Mehmecke unterstützt dies. Es brauche ein valides wissenschaftliches Instrument zur Pflegepersonalermittlung, so die Pflegekammer-Präsidentin.

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Reimann plant Pflegekonferenz

Einen "dringenden Handlungsbedarf" in der Gesamtsituation in der Pflege sieht auch Niedersachsens Sozialministerium. Dafür brauche es aber einen "gesamtgesellschaftlichen" Konsens, sagte Abteilungsleiterin Claudia Schröder am Montag. In erster Linie seien dazu Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Pflicht. Ein Schritt dazu sei die Anfang Juli von Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) für Oktober angekündigte Pflegefachkonferenz. Auf dieser sollen Maßnahmen vereinbart werden, die bessere Bedingungen sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für die Pflegenden schaffen. Neben dem Sozialministerium sind 13 Partner an der konzertierten Aktion beteiligt - darunter Krankenkassen, Pflegeanbieter und kommunale Spitzenverbände.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 15.07.2019 | 18:00 Uhr

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