Stand: 21.10.2019 16:55 Uhr

98 Prozent der Gewässer im Land zu stark belastet

Flüsse, Bäche und Seen in Niedersachsen sind massiv mit Schad- und Nährstoffen belastet. Nur zwei Prozent dieser Gewässer erfüllen die Qualitätsvorgaben der Europäischen Union. Das teilten das Umweltministerium und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Montag beim sogenannten Gewässerforum in Hannover mit. Bei den Nährstoffen handelt es sich demnach vor allem Stickstoff und Phosphor.

Weitere Informationen

Wie belastet sind die Gewässer in Ihrer Region?

Die Belastung von Niedersachsens Oberflächengewässern ist weit stärker verbreitet, als es die Vorgaben der EU erlauben. Wie steht es um die Flüsse, Bäche und Seen in Ihrer Region? mehr

Stickstoffeinträge um 37.000 Tonnen reduzieren

Bauliche Maßnahmen wie Begradigungen, Wanderungshindernisse und massive Ufereinfassungen aus Beton tragen laut Umweltstaatssekretär Frank Doods zum schlechten Zustand der Oberflächengewässer bei. Hinzu kämen Schadstoffe wie Pestizide und Industriechemikalien sowie eben die Nährstoffeinträge. Um die Vorgaben zu erfüllen, müsste Niedersachsen die Stickstoffeinträge um rund 37.000 Tonnen jährlich verringern, sagte NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer. Beim Phosphor wären es ihren Angaben zufolge etwa 1.400 Tonnen im Jahr.

Rückstände von Antibiotika in Fließgewässern

Beim Gewässerforum, organisiert vom NLWKN, ging es zudem um Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände, Industrie- und Haushaltschemikalien sowie Pflanzenschutzmittel in Oberflächengewässern. "Als Spurenstoffe werden künstliche Substanzen bezeichnet, die in nur sehr geringer Konzentration in den Gewässern nachgewiesen werden, die aber in Abhängigkeit ihrer Giftig- und Abbaubarkeit Einfluss auf die Gewässerqualität haben können", erklärte Mario Schaffer vom NLWKN. Viele dieser Stoffe seien in den vergangenen Jahren erstmals in niedersächsischen Gewässern ermittelt worden. Eine Sonderuntersuchung auf Arzneimittel in Fließgewässern wies an 66 Prozent der 25 beprobten Messstellen Rückstände von Antibiotika nach.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie

Am 22. Oktober 2000 ist die Wasserrahmenrichtline der Europäischen Union in Kraft getreten. Mithilfe der Richtlinie sollte verhindert werden, dass sich der Zustand von Europas Flüssen, Seen und dem Grundwasser verschlechtert. Bis 2015 - in Ausnahmefällen bis 2027 - sollten alle Gewässer einen "guten ökologischen" und "guten chemischen" Zustand erreichen. Und zwar durch folgende Maßnahmen:
- Schutz aller Arten von Gewässern
- Wiederherstellung der Ökosysteme rund um das jeweilige Gewässer
- Reduzierung der Wasserverschmutzung
- Gewährleistung eines nachhaltigen Wassergebrauchs durch Einzelpersonen und Unternehmen

Doods: "Erwarte, dass es bald neue Grenzwerte gibt"

Zu geplanten Maßnahmen des Landes, um die Gewässerqualität zu verbessern, äußerte sich Staatssekretär Doods eher vage. Zur Lösung der Probleme sei eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachbereiche und Akteure notwendig. "Einer alleine oder gar im Gegeneinander werden wir es nicht schaffen", sagte Doods. "Wir werden an allen Stellen genau hinsehen und analysieren müssen. Konkret: Noch viel mehr als bisher. Ich erwarte, dass es schon bald neue Grenzwerte gibt - und an dieser Diskussion wird sich Niedersachsen an vorderster Stelle beteiligen."

Stickstoff und Phosphor

Stickstoff wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt. Stickstoffüberschüsse landwirtschaftlich genutzter Böden entstehen, wenn mehr gedüngt als von den Pflanzen sufgenommen wird. Wird der ausgebrachte Stickstoffdünger nicht durch die Pflanzen aufgenommen, kann er in Grund- und Oberflächengewässer oder die Luft ausgetragen werden. Dort gefährdet er als Nitrat das Grundwasser und trägt zur Nährstoffüberversorgung von Oberflächengewässern und Landökosystemen bei. 
Quelle: Umweltbundesamt

Der am stärksten limitierende Faktor für das Pflanzenwachstum in Fließgewässern und Seen ist Phosphor, weil mehr Phosphor im Wasser vorhanden ist, als die Pflanzen benötigen. In unbeeinflussten Gewässern kommt Phosphor meist nur in niedrigen Konzentrationen vor, lediglich Moorgewässer weisen natürlicherweise höhere Phosphatgehalte auf. Phosphor wird in Düngern und Waschmitteln eingesetzt.
Quelle: NLWKN

Weitere Informationen

Gewässerschutz: Kreis Osnabrück behält Regelung bei

01.10.2019 06:30 Uhr

Im Osnabrücker Land dürfen Pestizide weiter bis zu einen Meter an Else und obere Hase aufgebracht werden - trotz Schutzstatus. Der Kreistag plane jedoch ein Randstreifen-Konzept. mehr

Antibiotika in vielen niedersächsischen Gewässern

05.04.2019 06:00 Uhr

Das Umweltministerium hat die Ergebnisse einer Gewässer-Studie veröffentlicht: In zwei Drittel der Proben waren Antibiotika-Rückstände. Auslöser für die Studie waren Recherchen des NDR. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.10.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

08:02
Hallo Niedersachsen
00:53
Hallo Niedersachsen
05:12
Hallo Niedersachsen