Stand: 22.09.2019 13:29 Uhr

Usedom: Entscheidung über "Tallboy"-Bombe steht aus

Nach dem Fund einer tonnenschweren Weltkriegsbombe im der Fahrrinne der polnischen Stadt Swinemünde (Świnoujście) auf Usedom dauern die Untersuchungen für eine mögliche Entschärfung weiter an. Nach Angaben des Landkreises Vorpommern-Greifswald benötigen die polnischen Behörden noch etwa zehn bis vierzehn Tage für notwendige Berechnungen. Erst dann sei ersichtlich, wie die Bombe geborgen werden kann und ob auch Sicherheitsvorkehrungen auf deutscher Seite notwendig seien, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von NDR 1 Radio MV.

Swinemünde: Explosives Weltkriegserbe in Fahrrinne

Bei Vertiefungsarbeiten in der Fahrrinne entdeckt

Am Freitag war nach Angaben der Woiwodschaft Westpommern ein Krisenstab zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten - zunächst ohne Ergebnisse. Arbeiter waren beim Vertiefen der Fahrrinne auf die britische Fliegerbombe gestoßen. Es habe zwar schon mehrfach Bergungen von Blindgängern aus der Fahrrinne zwischen Swinemünde und Stettin (Szczecin) gegeben, aber mit einem so schweren Objekt habe man es noch nicht zu tun gehabt, so eine Sprecherin.

Nachrichtensender: 60 Anwohner mussten Häuser verlassen

Eine direkte Gefahr für die 41.000 Einwohner der Hafenstadt bestehe derzeit jedoch nicht, hieß es weiter. Allerdings berichtete der polnische Nachrichtensender "TV24N" am Sonnabend, dass bereits 60 Einwohner, die im näheren Umkreis des Bombenfundorts wohnen, ihre Wohnungen verlassen mussten. Laut dem Sender kämen im Zuge der Bergung auch weit umfassendere Evakuierungen in Betracht.

"Tallboy" - eine der schwersten im Weltkrieg eingesetzten Bomben

Bei dem entdeckten Blindgänger handelt es sich um eine besonders schwere Bombe vom Typ "Tallboy" (deutsch: großer Junge). Dieser Bomben-Typ ist länger als sechs Meter und hat ein Gewicht von 5,4 Tonnen, davon sind allein 2,4 Tonnen Sprengstoff. "Tallboy"-Bomben wurden im Zweiten Weltkrieg von der britischen Royal Air Force eingesetzt - insbesondere um schwere Befestigungsanlagen, U-Boot-Bunker und Schlachtschiffe wie etwa die "Tirpitz" anzugreifen.

Karte: Ungefährer Fundort des "Tallboys" in Swinemünde

Galt die "Tallboy" dem Panzerschiff "Lützow"?

Die Attacke auf ein Kriegsschiff ist möglicherweise auch der Grund für den Einsatz der Bombe in Swinemünde. Im April 1945 war das deutsche Panzerschiff "Lützow", das sich zuvor von See an den Abwehrkämpfen um Ostpreußen beteiligt hatte, in Swinemünde eingelaufen. Am 16. April wurde das 186 Meter lange Schiff der "Deutschland"-Klasse in der sogenannten Kaiserfahrt vor Swinemünde von britischen Bombern attackiert - ganz in der Nähe des jetzigen Blindgänger-Fundortes. Laut historischen Quellen kamen seinerzeit auch "Tallboy"-Bomben zum Einsatz. Eine soll durch einen Nahtreffer den Rumpf der "Lützow" 20 Meter weit aufgerissen haben. Das Schiff sank und kippte gegen die Uferböschung, entging aber zunächst noch seiner vollständigen Zerstörung, die am 4. Mai durch Selbstsprengung erfolgte.

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Bergung als "große Herausforderung"

Die Bombe wurde den polnischen Angaben zufolge im Piastkanal entdeckt - in der Nähe einer Fährlinie im Stadtteil Karsibór. Ein Bereich der Fahrrinne wurde gesperrt, die Stelle markiert. Der Sprengkörper liege unter Wasser tief im Schlamm, zitiert "TV24N" den Sprecher der 8. Flottille der Küstenverteidigung, Grzegorz Lewandowski, der mit Blick auf die Bergung von einer großen Herausforderung sprach.

Swinemünde war Ziel verheerender Bombenangriffe

Swinemünde war im Zweiten Weltkrieg mehrfach das Ziel alliierter Bombenangriffe. Bei einem der verheerendsten am 12. März 1945 wurde die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt zu großen Teilen zerstört. Bei dem US-Luftangriff kamen nach jüngsten Forschungserkenntnissen zwischen 6.000 bis 14.000 Menschen ums Leben. Viele haben auf der Kriegsgräberstätte Golm ihre letzte Ruhe gefunden.

Nachbarstadt von Ahlbeck

Swinemünde ist die Nachbarstadt des Seebads Ahlbeck auf der deutschen Seite der Insel. Die Stadt wird von der Swine geteilt, einem Meeresarm der Ostsee, der zwischen den Inseln Usedom und Wollin verläuft und das Stettiner Haff mit dem Meer verbindet. Dort waren zuletzt mehrfach Blindgänger geborgen worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.09.2019 | 12:30 Uhr

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