Stand: 21.08.2019 11:04 Uhr

Urteil zu Krakower Pflegeheimen verschoben

Bild vergrößern
In den beiden Pflegeheimen der Angeklagten sollen Bewohner misshandelt worden sein. (Archivbild)

Im Prozess gegen eine ehemalige Pflegeheimleiterin am Amtsgericht Güstrow fällt heute kein Urteil. Der Angeklagten werden Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und Betrug zur Last gelegt. Am Mittwoch äußerte sich die Angeklagte erstmals und wies alle Vorwürfe der Freiheitsberaubung zurück.

Anhörung früherer Beschäftigter beantragt

Vertagt wurde das Urteil wegen eines Antrags auf Anhörung weiterer Zeugen. Laut Verteidiger können zwei ehemalige Beschäftigte das Vorhandensein von Gegensprechanlagen bezeugen. Dies würde die Aussagen der ehemaligen Betreiberin stützen, jedoch, wie die Staatsanwaltschaft betonte, allen bisherigen Aussagen widersprechen. Die Angeklagte, die bislang im seit März laufenden Verfahren geschwiegen hatte, sagte am Mittwoch, die Bewohner hätten die Einrichtung jederzeit verlassen können.

Die ehemalige Pflegeheim-Betreiberin Ani S. steht vor Gericht.

Elisa-Pflegeheim-Prozess: Urteil verschoben

Nordmagazin -

Im Prozess gegen die ehemalige Elisa-Pflegeheim-Betreiberin hat sich die Angeklagte erstmals geäußert und die Vorwürfe der Freiheitsberaubung zurückgewiesen. Das Urteil wurde verschoben.

3,5 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Zwei Heime durch Landkreis geschlossen

Die Angeklagte hatte in Krakow am See zwei Seniorenheime betrieben. Die Einrichtungen wurden wegen Gefährdung der Bewohner vom Landkreis Rostock 2016 geschlossen. Sie hat sich laut Anklage gegenüber Angehörigen von Pflegebedürftigen unter anderem als Pflegefachkraft mit Qualifizierungen für Palliativpflege und Beatmung präsentiert. Nichts davon stimmte laut Staatsanwaltschaft, die Frau hatte demnach früher als Versicherungsmaklerin gearbeitet.

Angehörigen wurde Zugang verweigert

Im Prozess berichteten sowohl Angehörige als auch ehemalige Mitarbeiter, dass manche Bewohner eingeschlossen wurden - und dass die Heimleiterin das angeordnet habe. Einige Angehörige durften nach Zeugenaussagen gar nicht erst in die Heime hinein, ebenfalls auf Anweisung der Chefin. Dem widersprach die Angeklagte vor Gericht.

Zeugen schildern dramatische Szenen

Eine Mitarbeiterin der Heimaufsicht sagte, sie habe eine Bewohnerin abgemagert im Dachgeschoss gefunden, die hilflos in einem vergitterten Bett gelegen habe und schwer dehydriert gewesen sei. Ein Kriminalpolizist berichtete, er habe die Frau für tot gehalten, bis sie "Durst, Durst" gesagt habe. "Wir waren schon sehr schockiert von dem Gesamtbild dort", erklärte ein anderer Polizist. Die Tochter der Frau, die als Nebenklägerin auftritt, verließ bei den Schilderungen weinend den Saal. Der Angeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Weitere Informationen

Prozess um drastische Zustände in Pflegeheim

27.03.2019 19:30 Uhr

Zeugen berichten von abgemagerten und dehydrierten Bewohnern: Wegen der Zustände in einem Pflegeheim in Krakow steht deren ehemalige Betreiberin seit heute in Güstrow vor Gericht. mehr

Pflegeeinrichtungen endgültig geschlossen

16.08.2016 18:30 Uhr

Monatelang wurde um die Schließung von zwei Pflegeeinrichtungen in Krakow am See gestritten. Nun stellte die Heimaufsicht bei einer Kontrolle fest, dass der Betrieb eingestellt ist. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.08.2019 | 11:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:48
Nordmagazin