Stand: 11.04.2018 13:43 Uhr

Unliebsame Kritik: AfD gegen Schulausstellung

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Die Ausstellung in der Freien Schule Güstrow soll von Mittwoch an auch über die Verbindungen der AfD zu Rechtsextremen informieren. (Archivbild)

Die Landtags-AfD geht massiv gegen eine geplante Ausstellung an der Freien Schule in Güstrow (Landkreis Rostock) vor. Die Schau soll von Mittwoch an über die AfD und beispielsweise ihre Verbindungen zu Rechtsextremen informieren. Nach Ansicht der AfD-Fraktion ist die Ausstellung ein "Skandal" und "rechtlich höchst fragwürdig". AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer sagte, zusammengestellt worden sei sie von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregime - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA).

Schülerinnen und Schüler vor Ausstellungswänden

Schüler organisieren Ausstellung über die AfD

Nordmagazin -

In der Freien Schule in Güstrow startet eine Ausstellung über die AfD und ihre Verbindungen zu Rechtsextremen. Die AfD fordert mehr Neutralität.

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Vom Verfassungsschutz beobachtet

Die Organisation sei linksextremistisch, demokratiefeindlich und stehe der KPD nahe. Deshalb werde sie in Bayern auch vom Verfassungsschutz beobachtet, so die AfD. Solch eine Ausstellung habe nirgends in der Gesellschaft etwas zu suchen, meint Kramer. Sie verstoße gegen das Gebot der politischen Neutralität an Schulen. Sollte die Schule sie wie geplant zeigen, müsse das Bildungsministerium ihr die Förderung streichen.

VVN-BdA: Diffamierungsversuch der AfD

Der Landesvorsitzende der VVN-BdA, der Linksabgeordnete Peter Ritter, wies die Kritik zurück. Sein Verband lehne Gewalt ab, und deshalb werde er in Mecklenburg-Vorpommern nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Die AfD versuche nur, die VVN-BdA als demokratiegefährend zu diffamieren. Ritter sieht stattdessen die AfD in Erklärungsnot: Sie paktiere mit Kräften am rechtsextremen Rand. Allein deshalb sollte sie, so Ritter, besser vor der eigenen Haustür kehren und ihr Verhältnis zur Demokratie klären.

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Schule: Kritische Auseinandersetzung mit AfD

Der Leiter der Freien Schule Güstrow, Ralf Boldt, zeigte sich auf Anfrage von NDR 1 Radio MV überrascht über die Massivität der AfD-Attacke. Es gehe in der Ausstellung um eine kritische Auseinandersetzung mit der AfD - zum Beispiel um ihre Haltung zum Klimawandel oder ihren Rassismus, so der Biologie-Lehrer. Auch über andere Parteien sei informiert worden. Das gehöre zum Unterricht und zur Meinungsfreiheit dazu und sei kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.

Linke Punkband als Schulpatin

Boldt meinte, die Schüler und Schülerinnen müssten sich ein Bild machen können. Würden grobe Fehler in der Ausstellung entdeckt, würde diese selbstverständlich korrigiert. Boldts Schule hat seit Jahren ein klares antirassistisches Profil - unter anderen nahmen die Schüler in der Vergangenheit an einer Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit teil. Einer ihrer Schulpaten ist die linke Punkband "Feine Sahne Fischfilet". Das Motto der Schule lautet: "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

"Ausstellung deutschlandweit nachgefragt"

Der Geschäftsführer der VVN-BdA, Thomas Willms, sagte NDR 1 Radio MV, die Ausstellung sei deutschlandweit nachgefragt. Sie sei bereits in Kirchgemeinden und in Gewerkschaftshäusern gezeigt worden. Nach der Bundestagswahl sei die Schau noch einmal aktualisiert worden. Seine Organisation wehrt sich seit einiger Zeit auch gerichtlich gegen die Erwähnung im bayerischen Landesverfassungsschutzbericht.

Podiumsdiskussion am Mittwoch

Das Bildungsministerium hat bisher nicht auf die Angriffe der AfD reagiert. An der schulinternen Podiumsdiskussion zur Ausstellungseröffnung am Mittwochnachmittag nehmen neben Schulleiter Boldt auch die Linksabgeordnete Karen Larisch und ein Vertreter des Internet-Portals "Endstation-rechts" teil. Außerdem werden voraussichtlich ein Vertreter des Bildungsministeriums sowie der AfD-Landtagsabgeordnete Christoph Grimm im Publikum dabei sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.04.2018 | 13:00 Uhr

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