Uber gegen Uver: Streit um Unverpacktladen in Greifswald

Stand: 18.10.2022 16:16 Uhr

Ein weltweiter Großkonzern gegen einen kleinen Lebensmittelladen aus Mecklenburg-Vorpommern. Klingt nach einem waschechten Krimi, ist in Greifswald aber Realität. Und das alles wegen eines Namens: "Uver"!

"Unverpackt" ist das Konzept von Uver in Greifswald. Dort werden Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs ohne Verpackung verkauft. Die Behälter zum Abfüllen bringt einfach jeder Kunde selber mit. Das ist mittlerweile schon eine weitverbreitete Praxis, um weniger Müll zu produzieren. Gesprochen wird der Name wie "Ufer". Ein Clou, da sich der Unverpacktladen direkt am Meer befindet. das Philippe Schäfer und Esther Strohmer sind die Geschäftspartner des Ladens. "Wir setzen uns für einen guten Zweck ein", so Schäfer. "Wir versuchen, die Welt nachhaltiger zu machen."

Eigentlich ein vorbildliches Ziel, umso größer der Schock, als im August plötzlich ein Schreiben einer Anwaltskanzlei aus München einflattert. "Im Rahmen der Markenkollisionsüberwachung ist unsere Mandantin auf Ihre deutsche Marke gestoßen [...]", heißt es darin. Die "Mandantin" ist das US-amerikanische Unternehmen "Uber". Die Anwaltskanzlei hat im Namen von Uber also Widerspruch beim Marken- und Patentamt eingelegt. Demnach sehe Uber eine sehr große wortbildliche und klangliche Verwechslungsgefahr.

Uber fordert: Marke soll gelöscht werden

Die Forderung ist klar: Uver soll seinen Namen ändern und die Marke löschen, da Konkurrenz entstehen könnte. Ein bitterer Schlag für die Geschäftspartner aus Greifswald. Denn sie haben viel Zeit und Geld in ihr Projekt gesteckt. Neben Design und Logo, wurde auch enorm in Werbung investiert. Anderthalb Jahre hätten sie in die Markenbildung gesteckt. "Wir haben uns viel Mühe gegeben, dass es jetzt soweit ist, dass man Uver schon mal gehört hat", sagt Schäfer. "Das wäre für uns ein Riesending, wenn wir den Namen ändern müssten. Dann wäre das alles nichtig. Das könnten wir uns nicht leisten." Demnach wäre ein Brankrott für Uver also durchaus denkbar.

Spenden haben geholfen

Philippe Schäfer hofft den Namen "Uver" behalten zu können. © NDR Foto: Konrad Buchwald
Philippe Schäfer hofft den Namen "Uver" behalten zu können.

Denn abgesehen von den Kosten für eine Umgestaltung und neue Werbung, sind da ja auch noch die Anwaltskosten. Durch Crowdfunding und Spenden konnte bisher alles abgedeckt werden. "In dieser ganzen Geschichte haben wir schon ganz viel Zuspruch und Hilfe bekommen, aus allen möglichen Ecken, und da sind wir auch richtig dankbar für", betonen die beiden Uver-Chefs. Trotzdem wollen sie weiter Aufmerksamkeit erzeugen. Ihrer Meinung nach sei das eine gängige Praxis geworden, dass große Unternehmen kleine Startups mit Klagen solcher Art niedermachen. "Es ist umso wichtiger, dass die Leute Bescheid wissen, was da manchmal so für Taktiken gefahren werden."

Anklage wegen Markenrechtsverletzung als gängige Praxis?

Esther Strohmer ärgert am meisten, dass es keine Vorankündigung gegeben hätte. Das Anwaltsschreiben sei einfach eingetroffen und so gab es keine Gelegenheit seine Fehler zu berichtigen: "Es macht kleinere Unternehmen einfach fertig, wenn sie super viel Geld für einen Anwalt bezahlen müssen, oder auch eine Strafe."

Uver-Anwalt: "Nicht ganz chancenlos"

Esther Strohmer und Philippe Schäfer geben trotzdem nicht so schnell auf. Den rechtlichen Beistand haben sie sich geholt, weil ihnen die Nummer zu groß sei. Schließlich geht es hierbei um einen weltweiten Konzern. "Wir sind ein kleines Unternehmen, haben drei Angestellte", erklärt Schäfer. "Wenn es zum Gerichtsverfahren kommt, sitzt Uber am längeren Hebel." Doch der eigene Anwalt macht Hoffnung. Wichtig sei es jetzt, an Uber heranzukommen. Dann könnten sie Uber davon überzeugen, dass es keine Überschneidungen gibt. "Wir verkaufen unverpackte Lebensmittel, Uber ist ein Taxiunternehmen. Man schreibt es anders, es klingt anders", erklären sich die beiden. "Es wäre cool, wenn die Firma das mitbekommt." Esther Stromer wird sogar noch deutlicher: "Es wäre ein Traum, wenn Uber die Anklage einfach zurückzieht."

Reaktion von Uber über Social Media

Und tatsächlich gibt es bereits erste Reaktionen. Die Kanzlei aus München hat sich gesprächsbereit erklärt, wenn bestimmte Bereiche beim Patentamt gelöscht werden. Und auch Uber-Deutschland hat sich mittlerweile über die Sozialen Netzwerke gemeldet und angekündigt, sich mit einem Vorschlag bei Uver zu melden. Sollte das Unternehmen jedoch weiterhin auf die Klage bestehen, muss sich Uver umfirmieren. Das wäre mit viel Aufwand, Zeit und Kosten verbunden. "Wir sind ein kleines Unternehmen, das könnten wir nicht stemmen", heißt es dazu abschließend von Philippe Schäfer.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nordmagazin | 18.10.2022 | 19:30 Uhr

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