Stand: 30.05.2020 07:26 Uhr

Tierschutz: Schwere Vorwürfe gegen Milchviehbetrieb

Eine stark verschmutzte Kuh liegt in einem Stall. © Animal Rights Watch Foto: screenshot
Eine stark verschmutzte Kuh liegt im Stall der Niendorfer Landerzeuger GmbH. Tierschützer erheben schwere Vorwürfe gegen den Milchviehbetrieb.

Die Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Milchviehbetrieb im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Bei der Niendorfer Landerzeuger GmbH in Grebs-Niendorf bei Malliß sollen Rinder so gehalten worden sein, dass sie Verletzungen und Entzündungen aufweisen. Die heimlich gefilmten Videoaufnahmen wurden den Tierschützern zugespielt. Diese haben das Material an den NDR in Mecklenburg-Vorpommern weitergeleitet. Zu sehen sind stark verdreckte Kühe, Rinder mit offenen Wunden und viele tote Kälber.

Betrieb rechtfertigt Zustände mit Personalmangel

Der Betrieb hält nach eigener Aussage etwas mehr als eintausend Rinder. Die Aufzeichnungen wurden laut "Animal Rights Watch" vor cirka drei Monaten gemacht. Im Gespräch mit NDR 1 Radio MV bestätigte einer der beiden Geschäftsführer, Daniel Luther, dass die Aufnahmen aus seinem Betrieb stammen und rechtfertigt die stark verschmutzten Tiere mit einem Personalengpass von Anfang Februar bis Mitte März 2020: "In diesem Zeitraum war es uns nicht möglich, die Liegeboxen zweimal die Woche, so wie wir es jetzt machen, mit Einstreumaterial zu pflegen." Inzwischen seien die personellen Probleme behoben, allen Tieren gehe es gut, so Luther weiter.

Tierarzt besorgt: "Große Schwellungen an Gelenken"

Der Tierarzt Bernd Linke betreut seit Jahrzehnten große Milchviehbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Linke betonte, er könne sich anhand der Filmaufnahmen kein Urteil über die Gesamtsituation des betroffenen Unternehmens erlauben. Dennoch sehe er Besorgniserregendes. Einige Kühe weisen große Schwellungen an den Gelenken auf: "Man nennt das Technopathien. Diese passieren nicht über Nacht. Das ist wie ein Schleimbeutel, der immer und immer wieder gereizt wird und sich immer weiter entzündet." Irgendwann komme es zu einer Gesamtinfektion, so der Tierarzt. "Das sind ganz alte Traumata, die auf die Tiere gewirkt haben, die ich hier gesehen habe."

Chefin des Unternehmens ist Stallbauexpertin

Der Betrieb wurde im vergangenen Jahr von Daniel Luther und Christiane Brandes übernommen. Die Technopathien führt Brandes auf die Bauweise des Stalles zurück: "Der Stall ist 2013 gebaut und finanziell gefördert worden. Durch jede Förderung hat man eine 12-jährige Zweckbindungsfrist einzuhalten - das heißt, zwölf Jahre lang darf ich an dem Objekt nichts ändern." Christiane Brandes ist zudem Chefin und Stallbauexpertin eines weiteren Unternehmens in Mecklenburg-Vorpommern, dem sogenannten "InnovationsTeam". Diese Firma berät Milchviehhalter bundesweit, wenn sie neue Ställe planen - auch wenn es um mehr Komfort für die Tiere gehen soll. "Im letzten oder vorletzten Jahr ist dieser Betrieb in Niendorf an mich herangetreten, ob ich fachlich und dann letztendlich auch in der Geschäftsführung helfen könnte." Deswegen sei Brandes dort eingestiegen.

"Berg toter Kälber" - Tierarzt zeigt sich schockiert

Die heimlichen Videoaufnahmen von "Animal Rights Watch" zeigen mehrere tote Kälber, die auf dem Gelände der Niendorfer Landerzeuger GmbH in einem Kadaverhaus liegen. Tierarzt Bernd Linke sagt, eine Totgeburt könne passieren. "Jeder kämpft um jedes Kalb. Wenn ich dann diesen Berg toter Kälber sehe, das schüttelt mich innerlich." Die Geschäftsführung des Milchviehbetriebes verweist auf technische Schwierigkeiten - diese hätten dazu geführt, dass die toten Tiere über einen bestimmten Zeitraum weder gemeldet, noch abgeholt werden konnten.

Kreistierarzt: Betrieb bisher nicht negativ aufgefallen

Der verantwortliche Kreistierarzt Olav Henschel sagte, man werde überprüfen, inwiefern die betroffenen Tiere in dem Betrieb behandelt wurden oder nicht. Die letzte Kontrolle fand demnach regulär 2018 statt. Der Betrieb sei bisher nicht negativ aufgefallen. Der Kreistierarzt will das Unternehmen in den nächsten Tagen aufsuchen und erneut kontrollieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.05.2020 | 14:00 Uhr

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