Student erforscht "Entenflott" als Futter- und Nahrungsmittel

Stand: 28.07.2021 17:25 Uhr

Ein Student in Greifswald erforscht Entenflott. Er will auch wissen, wie gut es sich zum Futter- und Lebensmittel verarbeiten lässt.

Sie ist grün und schwimmt auf Teichen und Tümpeln: die Wasserlinse. Im Volksmund ist sie auch als Entengrütze oder Entenflott bekannt. Und das, weil Enten, Gänse und Schwäne sie lieben. An diesem Punkt möchte Alexej Sonnenfeld ansetzen. Er studiert in Greifswald Biologie. Seit neun Monaten untersucht er die Wasserlinse - mit dem Ziel, die Pflanze als Futtermittel zu etablieren.


Futter für Schweine und Schafe

Wie ein dichter grüner Teppich breitet sich die Wasserlinse auf dem Wasser aus. Nicht nur auf Teichen, sondern auch in den kleinen schwarzen Tonnen von Alexej Sonnenfeld. Im Botanischen Garten der Universität Greifswald hat er sich eine Versuchsanlage aufgebaut. "Ich untersuche hier das Verhalten von unterschiedlichen Wasserlinsengattungen, einfach um mir selber ein Bild davon zu machen", erläutert er. Entenflott als Futter für Hühner, Enten, Schweine oder auch Schafe: auf das Potenzial der Wasserlinse ist er während seiner Abschlussarbeit gestoßen. "Wasserlinsen haben vergleichbare Nährstoffwerte - also Proteine, Stärke, Vitamine, essenzielle Amino- und Fettsäuren - wie Soja- und Rapsprodukte. Wir haben hier aber den Vorteil, dass wir ein viel größeres Wachstum haben." Dadurch gebe es bei Wasserlinsen bei optimalen Bedingungen einen deutlich größeren Ertrag auf weniger Fläche. "Und das ist der große Vorteil bei Wasserlinsen."

Aufwand geringer als beim Raps

Davon könne die Landwirtschaft profitieren, ist der 22-Jährige überzeugt: "Wasserlinsen als Futtermittel hätte den Vorteil, dass wir weniger Soja importieren müssten und dass wir weniger Fläche für unsere eigenen Pflanzen nutzen müssten zum Beispiel für Raps, Mais und Soja - auch hier bei uns in Deutschland. Auch der Aufwand, den es braucht, die Wasserlinse "anzubauen", ist geringer als bei vergleichbaren Pflanzen. Das bestätigt Manuela Bog. Sie ist Botanikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Greifswald. Sie beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Wasserlinse.

Wasserlinse vor 50 Jahren bereits Futtermittel

Wasserlinsen wurden bereits vor 50 Jahren als Futtermittelzusatz verwendet. "Auf jeden Fall denke ich, dass wir Wasserlinsen auch bei uns zur Humanernährung auf dem Tisch finden werden. In Amerika gibt es entsprechende Produkte schon am Markt. Unter anderem als Nahrungsergänzungsmittel." Solche Produkte sind in Deutschland bislang nicht zugelassen. Deswegen konzentriert Alexej Sonnenfeld sich zunächst auf die Produktion von Tierfutter. Momentan ist er auf der Suche nach einer Halle, um Wasserlinsen im größeren Stil zu produzieren. Er sucht auch Landwirte, die das Futter ausprobieren möchten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.07.2021 | 12:00 Uhr

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