Schwesigs Solar-Förderung hilft nur ganz wenigen

Stand: 24.08.2022 04:25 Uhr

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) taufte die ganze Sache nach dem Energiegipfel am Montag auf einen wohlklingenden Namen aus der Abteilung "Politik-Verkaufe": Die Regierungschefin nannte die angekündigte landeseigene Förderung beim Kauf von mobilen Solarpanels für Balkons oder Terrassen "Bürgerprogramm". Doch ein Programm für alle Bürger ist es längst nicht.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Denn schon jetzt ist klar: Nur ein Bruchteil der Haushalte wird von dem Förderprogramm profitierten. Das ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: Das Land will die Anschaffung der kleinen Anlagen mit maximal 500 Euro pro Haushalt fördern. Weil der Fördertopf auf 10 Millionen Euro begrenzt ist, würde das nur für etwa 20.000 Haushalte reichen. Das aber entspricht nur etwa 2,5 Prozent aller rund 830.000 Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Informationen
Ministerpräsidentin Schwesig auf der PK nach dem Energiegipfel am 22. August 2022. © NDR Foto: NDR
26 Min

Energiegipfel in Rostock: Die Ergebnisse

Auf einer Pressekonferenz hat Ministerpräsidentin Schwesig erläutert, welche Ergebnisse der Energiegipfel der Landesregierung gebracht hat. 26 Min

Richtlinie noch nicht fertig

Allerdings: Es ist eine soziale Verteilung geplant: Profitieren sollen nur Mieter oder Wohnungseigentümer, aber nicht Menschen, die im eigenen Haus wohnen - die Zahl der Haushalte, die die Förderung in Anspruch nehmen kann, liegt also deutlich niedriger. In trockenen Tüchern ist aber noch nichts. Klimaschutzminister Till Backhaus (SPD) räumte ein, dass die Förderrichtlinie noch nicht fertig ist - sie befinde sich "in Abstimmung" zwischen seinem Ressort und dem Finanzministerium.

Weitere Informationen
Eine Frau reinigt ein Solar-Panel an einem Balkon. © NDR

Eigener Solarstrom vom Balkon: Das müssen Sie wissen

Die Landesregierung hat angekündigt, Photovoltaik zu fördern. Was das für Mieter in MV bedeutet, erklärt ein Energieberater. mehr

Richtlinie im Oktober

Im Oktober erst soll die Richtlinie veröffentlicht werden - dann soll feststehen, wer Anträge stellen kann. Der Chef der Landesverbandes Erneuerbare Energien, der ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete Johann-Georg Jaeger, befürchtet einen regelrechten Run auf die Anträge, der zu viel Frust führen werde. Denn offenbar wird das Geld nach dem Windhund-Rennen verteilt, wer zuerst beantragt, bekommt zuerst. "Das Geld wird schnell weg sein", prophezeit Jaeger.

Warnung vor Verwaltunsgaufwand

Er warnt außerdem vor einem massiven Verwaltungsaufwand im zuständigen Landesförderinstitut. Hier gehe es um ein aufwändiges Verfahren für vergleichsweise kleine "Klecker-Beträge". Der Gewinn bei Solarstrom sei durch die Balkonanlagen mit höchstens zwölf Megawatt gering. "Das macht den Kohl nicht fett", sagte Jaeger, zumal die mobilen Geräte schon jetzt knappes Gut seien. Wenn es der Landesregierung tatsächlich um den Ausbau von erneuerbaren Energien gehen würde, dann müsse sie endlich die Blockade bei neuen Solarparks lösen.

Weitere Informationen
Ein Windrad und eine Solaranlage stehen in eine Rapsfeld bei blauem Himmel und die Sonne scheint. © Fotolia.com Foto: VRD

Mecklenburg-Vorpommern bremst eigene Solar-Offensive aus

Mehr als ein Jahr nach der Ankündigung ist von 61 beantragten Solarparks kein einziger genehmigt. mehr

Balkon-Anlage eine "Placebo-Aktion"?

Aber bei dem angekündigten Programm für Sonnenstrom auf Agrarflächen sei von den versprochen 5.000 Megawatt noch nichts erreicht, erklärte der Verbandschef. Grund sei der Streit zwischen Wirtschafts- und Klimaministerium. Ministerpräsidentin Schwesig müsse diesen Konflikt endlich beenden. Das angekündigte "Bürgerprogramm" für die Balkon-Anlagen sei nur eine "Placebo-Aktion". Minister Backhaus sieht es ganz anders. Der Sozialdemokrat erweckt den Eindruck, als könnten alle profitieren: "Ich freue mich, dass wir den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ab Oktober mit einem 10 Millionen Euro-Programm ermöglichen können, selbst Strom aus Sonnenkraft zu produzieren und diesen auch selbst zu nutzen."

Ministerium denkt schon an Aufstockung

Die "Kleinkraftwerke", meinte der Minister, seien mit einer Leistung bis zu 600 Watt nicht genehmigungspflichtig, sie müssten nur beim Energieversorger angezeigt werden. Je nach Wohnsituation sei eine Zustimmung des Vermieters nötig. "Das ist unbürokratisch und kann bei steigenden Strompreisen schnell eine Ersparnis bringen", meinte Backhaus.

Allerdings scheint auch der Minister zu ahnen, welcher Run da auf das Land zukommen kann: "Ich denke, auf diese Klimaschutz-Förderung warten schon viele Menschen im Land", meinte Backhaus. Im Ministerium heißt es, zur Not werde das Programm noch mal aufgestockt. Geld scheint nicht das Problem: Auch Finanzminister Heiko Geue (SPD) bescheren die inflationsbedingten Extra-Einnahmen über die Mehrwertsteuer neue Geldquellen.

Weitere Informationen
Zwei Solar-Panels an einem Balkon. © Solarheld /Infinitum Energie

Mit einem Balkonkraftwerk Solarstrom erzeugen

Auch Mieter können ihren eigenen Strom erzeugen - mit Solarpanels für den Balkon. Wie funktionieren die Mini-PV-Anlagen? mehr

Weitere Informationen
Das Rathaus in Rostock im Abendlicht © picture alliance/HB Verlag

Energiekrise: So sparen die Kommunen in MV

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine soll der Gasverbrauch im Nordosten gedrosselt werden. mehr

Gasspeicherfüllstände in und Pipeline-Flüsse nach Deutschland © NDR

Gasspeicher in Deutschland: So hoch ist der Füllstand

Der Krieg hat den Gasfluss ins Stocken gebracht. Aktuelle Daten zeigen, woher das Gas kommt und wie voll die Gasspeicher sind. mehr

Gaspreis aktuell © NDR

Gaspreis aktuell: So viel kostet die Kilowattstunde

Aktuelle Daten zeigen, was Neukunden derzeit für Gas zahlen und wie sich der Preis im historischen Vergleich entwickelt. mehr

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, schaut während seiner Besichtigung des Astora Gasspeichers für ein Porträt in die Kamera. © picture alliance/dpa | Mohssen Assanimoghaddam Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Bundesnetzagentur-Chef Müller: "MV muss 20 Prozent Gas sparen"

Das Kabinett von Ministerpräsidentin Schwesig hat sich mit Klaus Müller von der Bundesnetzagentur beraten. mehr

Pinguine in ihrer Anlage auf der Dachterrasse des Ozeaneums in Stralsund. © NDR Foto: Kathrin Weber

Drohende Energiekrise: Im Ozeaneum könnte es kalt werden

Trotz der drohenden Energiekrise im Winter will das Stralsunder Ozeaneum offen bleiben - allerdings bei gesenkten Raumtemperaturen. mehr

Pipeline Nord Stream 1

LNG-Projekt vor Lubmin: Plant Bund neue Pipeline?

RWE und Stena Power sollen das staatliche LNG-Terminal vor Lubmin betreiben. Wahrscheinlich müssen neue Leitungen verlegt werden. mehr

Ein schwimmendes LNG-Terminal aus der Vogelperspektive © picture alliance / ZUMAPRESS.com Foto: Excelerate Energy, Inc.

LNG-Terminal in Lubmin: Backhaus wird ungeduldig

Neue Fragezeichen über dem LNG-Projekt in Lubmin: Umweltbehörden warten noch immer auf Genehmigungsanträge. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 24.08.2022 | 06:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Energiewende

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Das Bild zeigt ein kleines Gasleck bei Nord Stream 2 in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache. An den Nord-Stream-Gasleitungen in der Ostsee gibt es insgesamt vier statt wie bisher bekannt drei Lecks. © Swedish Coast Guard/dpa Foto: Swedish Coast Guard/dpa

Schweden: Wieder Gasaustritt aus kleinem Leck an Nord Stream 2

Laut Betreiber-Mutterkonzern Gazprom könnte die Gasversorgung über einen unbeschädigten Pipeline-Strang wieder aufgenommen werden. mehr

30 Jahre NDR in Mecklenburg-Vorpommern

Stefan Kuna und Theresa Hebert mit der Funkhausband. © NDR Foto: Svenja Pohlmann

Geburtstagsfest am Funkhaus: 10.000 feiern 30 Jahre NDR in MV

Mit insgesamt rund 10.000 Besuchern hat der NDR in und am Landesfunkhaus Schwerin seinen 30. Geburtstag in Mecklenburg-Vorpommern gefeiert. mehr

NDR MV Highlights

Lottokugeln liegen im Herbstlaub. © picture-alliance/ dpa/dpaweb, Uwe Wittbrock/Fotolia.com Foto: Erwin Elsner,Uwe Wittbrock

Höher oder niedriger? Tippen und bei Kunas Herbstlotto gewinnen

Bis zu 1.600 Euro können Sie erspielen. Wer sich verzockt bekommt von uns eine Stefan Kuna Tasse als Trostpreis. mehr

Jan-Philipp Baumgart lehnt an einer Betonwand. © NDR Foto: Katharina Kleinke

Jan kommt kochen - Jetzt für die Weihnachtsfolgen bewerben

Für die Weihnachtsedition von Jan kommt kochen suchen wir Sie mit Ihrem liebsten Weihnachts-Rezept. mehr

Jugendliche sitzen an einem Laptop - auf dem Bild steht "ARD Jugendmedientag 2022" © ARD

Jetzt bewerben: Spannende Workshops in Schwerin beim Jugendmedientag

Die ARD lädt am 15. November wieder zum Jugendmedientag ein - mit deutschlandweit mehr als 155 Workshops und Talks. mehr