Schwer kranker Tristan verfolgt Hansa-Aufstieg im "Kogge"-Bett

Stand: 24.05.2021 09:29 Uhr

Gut 7.500 Fans haben am Sonnabend den Aufstieg von Hansa Rostock live im Ostseestadion mitverfolgt. Unter ihnen war auch der 15-jährige Tristan, der wegen eines Gendefekts geistig behindert ist. Dank des Engagements seiner Pfleger konnte er das Spiel aus einem eigens gebauten Spezialbett sehen.

Als Tristan auf die Tribüne des Ostseestadions geschoben wird, stehen plötzlich Hunderte Zuschauer auf, applaudieren und rufen seinen Namen. Stehende Ovationen für einen ganz besonderen Fan: einen Jungen, der schwer krank ist und der trotzdem im entscheidenden Spiel gegen den VfB Lübeck um den Aufstieg in die Zweite Liga mit ihnen ihren FC Hansa unterstützen will.

Ein Kämpfer mit Gendefekt

Tristan ist 15 Jahre alt und hat einen Gendefekt. Deshalb ist er seit seiner Geburt geistig behindert, muss künstlich ernährt werden. Seine Ärzte sagen, es sei ein kleines Wunder, dass Tristan überhaupt noch am Leben ist. Doch der Jugendliche lässt sich nicht unterkriegen und ist ein Kämpfer. Einen gehörigen Anteil daran haben auch seine engagierten Pfleger von der Ostsee Intensivpflege, die ihn immer wieder durch liebevolle Betreuung motivieren, an seinem Leben festzuhalten.

Pfleger merkt, dass Tristan mit Hansa mitfiebert

Der schwer kranke Tristan in seinem Bett im Ostseestadion.
Unvergesslicher Nachmittag; Der 15-jährige Tristan verfolgt das entscheidende Spiel um den Aufstieg im Ostseestadion.

Einer davon ist Julian Sturm-Schneider. Er begleitet Tristan seit drei Jahren und hat mit ihm schon einige Spiele von Hansa Rostock am Radio oder vor dem Fernseher verfolgt. Durch Tristans Laute und Mimik wurde Sturm-Schneider schnell klar: Tristan ist ein Hansa-Fan und fiebert mit der Mannschaft mit. Um den 15-Jährigen einmal spüren zu lassen, wie es sich anfühlt, in einem richtigen Fußballstadion zu sein und ein Spiel live zu erleben, so wie viele andere Jungs in seinem Alter, nahm der Pfleger schließlich Kontakt mit dem Verein auf. Und tatsächlich: Zum Saisonfinale gegen den VfB Lübeck durfte Tristan ins Ostseestadion.

Spezialbett wird "Hansa-Kogge" - und dann ab ins Stadion

Damit er das Spiel auch entspannt genießen konnte, baute Sturm-Schneider ihm ein einzigartiges Bett. Eine Hansa-Kogge mit Schiffsbug, einem Tau und einem kleinen Mast. Drei Wochen arbeitete er daran und borgte sich sogar ein paar Utensilien aus dem Kinderzimmer seines Sohnes aus. Mit diesem Hingucker konnte Tristan nun zusammen mit seiner Mutter und seinen Pflegern ins Ostseestadion. Tristans Mutter ist begeistert: "Ich muss mich ganz schön zusammenreißen, dass ich nicht anfange zu heulen. Die Fan-Gemeinschaft ist einfach sooo klasse." Und Tristan? "Ich glaube, er findet es auch ziemlich geil", sagt sie. "Er checkt jetzt erstmal ab, wie das alles so läuft hier. Das ist natürlich viel Aufregung, weil, es sehr laut ist. Aber ich glaube, das wird ein geiles Erlebnis."

Spendenaktion für Tristan

Derzeit läuft eine Spendenaktion, damit Tristans Mutter ein neues, behindertengerechtes Auto bekommen kann:

Verein des Rotary-Club Warnemünde zur Förderung gemeinnütziger Zwecke e.V.
IBAN: DE91 1305 0000 0201 0187 99
Verwendungszweck: Ein Auto für Tristan 

Tristan aufgeregt - Mutter steigt zu ihm ins Bett

Von seinem Bett aus verfolgt er die Vorfreude im Stadion. Er bewegt die Arme rhythmisch zu Musik, die durch das weite Rund wummert. Nach einer Weile steigt seine Mutter zu ihm in sein "Koggen-Bett" und hält seine Hand. "Weil ich gemerkt habe, dass Tristan ein bisschen unruhig wird und sich sehr überstreckt. Dann braucht er wieder etwas Körperkontakt. Jetzt fühlt er sich wieder sicherer." Hin und wieder verabreicht sie ihm mit einer Spritze, die sie in seinen Mund hält, etwas Tee - "damit er das Schlucken nicht verlernt." So vergeht für Mutter und Sohn und Tristans Pfleger ein unvergesslicher Nachmittag.

"Wir haben es geschafft"

Kurz vor dem Abpfiff wird Tristan in seinen Spezial-Rollstuhl umgesetzt. Eine Vorsichtsmaßnahme, weil niemand weiß, wie wild die Party im Stadion nach dem Abpfiff wird und ob es dann möglicherweise gar kein Herauskommen mehr gibt. "Tristan ist fertig", sagt seinen Mutter, "man sieht es. Aber im Großen und Ganzen hat er es genossen. Ich bin ganz stolz auf ihn. Schön, dass es umzusetzen war und dass alle mitgespielt haben." Als Tristan wenig später auf dem Parkplatz vom Rollstuhl ins Auto verladen wird, brandet auf einmal lauter Jubel aus dem Stadion auf. Das Spiel ist aus. Hansa ist aufgestiegen. Tristans Mutter ergreift noch einmal seine Arme und reißt sie hoch: "Das war's, Tristan. Wir haben es geschafft." Und Tristan bewegt einmal kurz seine Augen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.05.2020 | 19:30 Uhr

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