Stand: 22.01.2020 06:39 Uhr

Rostocker Mediziner: Corona-Pandemie wird kommen

Prof. Emil Reisinger, Dekan der Medizinischen Falkutät der Universität Rostock © picture alliance Foto: Bernd Wüstneck/dpa/picture alliance
"Wir werden es mit einer Pandemie zu tun haben", sagt der Rostocker Mediziner Prof. Emil Reisinger.

Das derzeit in China auftretende neuartige Coronavirus könnte sich nach Meinung des Dekans der Rostocker Universitätsmedizin, Professor Emil Reisinger, in den nächsten Tagen weltweit ausbreiten. "Definitionsgemäß wird es wahrscheinlich eine Pandemie werden, weil der Erreger sich momentan schnell ausbreitet und in vielen Ländern und auf vielen Kontinenten auftreten wird", sagte Reisinger NDR 1 Radio MV. Das Virus sei bereits in den internationalen Reiseverkehr gelangt. Bisher ist es in China, Thailand, Japan, Südkorea und den USA nachgewiesen worden. In China sind mit Stand von Mittwochmorgen rund 400 Menschen mit der neuen Lungenkrankheit infiziert, neun starben.

Symptome wie bei einer schweren Erkältung

Das sogenannte Wuhan-Coronavirus löst ähnliche Symptome wie eine heftige Erkältung aus. Dazu gehören Husten, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Es kann sich aber auch eine Lungenentzündung entwickeln. Laut Reisinger gibt es bisher auch noch keine spezifische Behandlungsmethode. Der Verlauf dieser neuartigen Erkrankung scheine aber milder zu sein als bei anderen Coronaviren. So sei die Sterblichkeit nicht so hoch wie bei dem SARS-Virus, mit dem sich im Jahr 2002 weltweit rund 8.000 Menschen infiziert hatten. Etwa 800 waren daran gestorben.

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Der Mundschutz könnte zur Modeerscheinung werden

Das Virus wird laut Reisinger von Mensch zu Mensch übertragen: wahrscheinlich durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Zum Schutz vor einer Infektion empfehle es sich deshalb, Menschenaufläufe zu meiden und die Hände regelmäßig zu waschen. "Einen Mundschutz zu tragen wird gegebenenfalls auch hierzulande Modeerscheinung werden - insbesondere wenn die Weltgesundheitsorganisation in den nächsten Tagen weitere Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung empfehlen wird", so der Mediziner.

Mecklenburg-Vorpommern für Einzelfälle gut gewappnet

Sollten Krankheitsfälle tatsächlich auch in Deutschland auftreten, sieht Reisinger Deutschland gut aufgestellt. "Wenn ein Gesundheitssystem mit so einer Situation fertig wird, dann ist es das deutsche." Auch Mecklenburg-Vorpommern sei gut vorbereitet: Es gebe eine gute Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt und vielen anderen Krankenhäusern. Zudem seien Notfallpläne für Pandemien in den vergangenen Jahren vorbereitet worden. "Es ist aber alles eine Frage der Menge: Wenn besonders viele Fälle auftreten, könnte es Probleme geben. Bei Einzelfällen sind wir gewappnet, diese adäquat zu versorgen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.01.2020 | 16:10 Uhr

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