Stand: 19.11.2019 15:05 Uhr

Problemwolf: Kritik an Backhaus' Informationspolitik

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) gerät wegen seiner Informationspolitik zu Wolfsrissen in die Kritik. Der Schafzuchtverband des Landes wirft ihm fehlende Aufklärung vor. Anlass sind jetzt bekannt gewordene Rissvorfälle mit einem Problemwolf bei Grambow (Landkreis Nordwestmecklenburg) in der Nähe von Schwerin.

Problemwolf stammt aus Schleswig-Holstein

Dort hatte ein Wolf Ende Oktober Schafe gerissen. Eine DNA-Probe hat jetzt ergeben, dass es sich bei dem Raubtier um den sogenannten Problemwolf "GW924m" aus Schleswig-Holstein handelt. Das Tier war dort wegen mehrerer Attacken auf geschützte Herden zum Abschuss freigegeben - trotz seines eigentlich bestehenden Schutzstatus. "GW924m" hatte immer wieder spezielle Herdenschutzzäune überwunden.

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Keine Information aus Schweriner Ministerium

Pikant für Backhaus: Über die Aktivitäten des Wolfs in Mecklenburg-Vorpommern informierte das Umweltministerium in Kiel mit einer eigenen Pressemitteilung. Aus Schwerin gab es keine öffentlichen Hinweise - offenbar auch nicht an Weidetierhalter. Der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes, Jürgen Lückhoff, reagierte empört. Eine frühzeitige Information sei dringend erforderlich gewesen. Die aber hätte aus Schwerin und nicht aus Kiel kommen müssen. Tierhalter hätten so die Gelegenheit bekommen, ihre Schutzmaßnahmen noch einmal zu verstärken.

Schafzuchtverband fordert Abschuss des Wolfes

Hier liege der Verdacht nahe, dass etwas verschleiert werden sollte, so Lückhoff. "Das ist typisch für die zurückhaltende Informationspolitik". Mit dem Problemwolf aus Schleswig-Holstein ergebe sich eine neue Lage, so der Verbandsvorsitzende: "Jetzt zeigt sich, wie gut wir auf solche Situationen vorbereitet sind." Der Verbandschef fordert jetzt den Abschuss des Wolfes. Die Ausnahmegenehmigung aus Kiel müsse auch in Mecklenburg-Vorpommern gelten: "Der Rüde hat das Töten von Nutztieren ja nicht verlernt, nur weil er über die grüne Grenze gelaufen ist." Kritik kommt auch von der Agrarexpertin der CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp: Sie finde die Informationspolitik aus dem Hause Backhaus "sehr befremdlich". Transparenz sei das Gebot der Stunde und da sei beim Ministerium in Schwerin noch viel Luft nach oben.

Backhaus weist Kritik zurück

Backhaus wies die Vorwürfe der fehlenden Informationspolitik "aufs Schärfste" zurück. Sein Haus informiere zu allen Themen umfassend. Von dem Vorfall in Grambow habe sein Ministerium am vergangenen Freitag erfahren. Warum an diesem Tag keine Information erfolgte, blieb allerdings in der Stellungnahme offen. Backhaus will die Dinge jetzt prüfen und sehen "ob die Lage mit der in Schleswig-Holstein vergleichbar ist "- also ob es auch hierzulande eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss geben kann.

Schlupp: Wolf hinter Lübeck nicht "spontan Veganer geworden"

Der Minister sagte, er befürworte den Abschuss des Wolfes "prinzipiell", das aber müsse rechtssicher geschehen. Außerdem seien in dem Fall in Grambow keine ausreichenden Schutzmaßnahmen gegen Wolfsattacken aufgebaut gewesen. Beate Schlupp findet diese Erklärung "einigermaßen drollig". Der Wolf werde doch nicht kurz hinter Lübeck "spontan zum Veganer" geworden sein. An der Expertise des Ministeriums in Kiel bestünden außerdem keine Zweifel. Sie frage sich, was Backhaus da noch prüfen lassen wolle.

Land übernimmt höhere Kosten für Maßnahmen zum Wolfsschutz

Eine Nachricht hatte Backhaus für die Tierhalter noch: Das Land werde von Dezember an höhere Kosten für den Schutz vor Wölfen übernehmen - bis zu 100 Prozent. Das gelte beispielsweise für Elektrozäune, Untergrabschutz und Herdenschutzhunde. Weidetierhalter und Bauernverband hatten erst am Montag erneut kritisiert, dass Mecklenburg-Vorpommern das letzte Bundesland sei, in dem nicht die vollen Kosten für den Wolfsschutz übernommen werden.

Mehr Wolfsrisse als im Vorjahr

Bis November 2019 gab es im Land nach einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Statistik des Ministeriums 37 Wolfsangriffe auf Nutztiere, das sind mehr als 2018. Dabei wurden knapp 190 Schafe und andere Nutztiere getötet oder verletzt. In Mecklenburg-Vorpommern sind nach Behördenangaben mittlerweile acht Wolfsrudel heimisch, sie haben in diesem Jahr mindestens 19 Welpen aufgezogen. Die jüngste Wolfsfamilie ist bei Grabow in der Nähe von Ludwigslust aktiv.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.11.2019 | 06:00 Uhr

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