Stand: 24.10.2017 07:00 Uhr

Philipp Amthor: Mit "Muttis" Tipps im Bundestag

Angela Merkel gab dem vorpommerschen Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor einen wichtigen Tipp für seine Laufbahn.

Er sieht ein bisschen so aus, als sei er einem Heinz-Rühmann-Film entsprungen - wie ein Anachronist. Philipp Amthor trägt eine Hornbrille, einen blonden Kurzhaarschnitt und dazu einen klassischen Anzug. Er ist zwar erst 24 Jahre alt, aber das, was er sagt, klingt deutlich reifer. Seine Mission in der Politik: "Es ist mir einfach wichtig, dass das Image von Politikern besser wird." Politiker seien nicht faul, sondern wollen das Land voranbringen, so wie er. Das wusste er schon ganz früh: "Als ich mit 16 in den CDU eingetreten bin, war ich Landesschülersprecher und ich habe immer gesagt: Politik ändert man nicht durch Meckern auf der Couch, sondern nur durch selbst Mitmachen." In der CDU habe er sehr schnell seine politische Heimat gefunden, als er über die Bildungspolitik in Kontakt mit der Partei in Mecklenburg-Vorpommern geraten sei: "Und da habe ich mich sehr schnell zu Hause gefühlt."

Ein Ratschlag von der Kanzlerin

Nach dem Abitur wollte der in Vorpommern aufgewachsene Amthor eigentlich nach Hamburg ziehen, um Jura zu studieren. Stattdessen blieb er in der Heimat, wegen Angela Merkel. Die Kanzlerin, die er von einer Parteiveranstaltung kennt, riet ihm höchstpersönlich von dem Umzug ab. "Da war das auch eine Stimme von vielen, auch von vielen Politikern vor Ort, die dann gesagt haben 'Mensch, bleib doch hier bei uns in der Region.'" Das sei eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereue, sagt Amthor. "Greifswald ist eine tolle Universität und natürlich ging es auch gut mit der Politik vor Ort weiter und da hat Angela Merkel sehr Recht gehabt: Politik macht man am besten zu Hause."

Schnitzel und pommerscher Spargel

Zuhause, das ist für Amthor unter anderem da, wo das gute Essen ist. "Das gute Schnitzel und der pommersche Spargel - da macht man mir eine große Freude mit. Unsere Region ist kleinteilig und sehr liebenswert und da gibt es viele einzelne Dinge, die mir sehr am Herzen liegen: die Windmühlen, also nicht die Windräder, die Windmühlen." Ein Seitenhieb gegen die Grünen. Mit denen soll seine Partei nun in den Koalitionsgesprächen auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

"Ob so ein junger Kerl das reißen kann?"

Amthor ist als jüngster Abgeordneter direkt ins Parlament gewählt worden. Im Wahlkreis 16 (Vorpommern-Greifswald II, Mecklenburgische Seenplatte I) setzte sich der gebürtige Ueckermünder mit acht Prozentpunkten Vorsprung gegen den AfD-Kandidaten Enrico Komning durch. Das Wahlergebnis nötigte selbst einem alten Hasen wie Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier Respekt ab: "Im Vorfeld gab es viele Bedenken, ob so ein junger Kerl das reißen kann. Um so mehr freue ich mich, dass es geklappt hat. Wir brauchen doch auch Junge im Bundestag, damit wir einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden können."

"Sie kochen den Kaffee. Ich bringe den Kuchen"

Offenbar zahlte es sich für Amthor aus, im Wahlkampf die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern gesucht zu haben. Der Youngster setzte wiederum auf einen Ratschlag der Regierungschefin: "Sie hat mir erzählt, wie sie 1990 mit einem zusammenklappbaren Tapeziertisch von Gemeinde zu Gemeinde gezogen ist, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen." Amthor interpretierte den Merkel-Ratschlag auf seine Weise und rief die Wähler dazu auf: "Sie kochen den Kaffee. Ich bringe den Kuchen."

"Jamaika kein Wunschtraum"

Dennoch hätte das Wahlergebnis besser ausgehen können, findet Amthor: "Jamaika ist für mich ehrlicherweise kein Wunschtraum. Ich glaube für die wenigsten in der Fraktion." Die FDP, sie dürfte kein großes Problem werden, aber die Grünen - da sieht Amthor bei so manchen Themen schwarz: "Ich habe auch einen sehr ländlichen Wahlkreis im östlichen Mecklenburg-Vorpommern und ich kann Ihnen sagen, die Leute tanzen da nicht vor Freude auf der Straße, wenn ich in Aussicht stelle, dass es vielleicht einen grünen Landwirtschaftsminister gibt." Auch ein Anton Hofreiter, der als Verkehrsminister lieber Krötentunnel statt Autobahnen bauen würde, entspreche nicht seiner Wunschvorstellung, meint Amthor.

"Bin nicht so ein WG-Typ"

Die Politik - manchmal ist sie eben kein Wunschkonzert. Genauso wie die Wohnungssuche, die für Amthor nun in Berlin ansteht. Und wie wird die aussehen? In eine WG, wie andere 24-Jährige auch? "Ich bin eher nicht so ein WG-Typ, glaube ich, also habe ich im Studium auch nicht so gemacht. Ich glaube eine Wohnung ist da schon besser." Beim Thema Freizeit antwortet Amthor dann doch etwas altersgemäßer. Sein Lieblingsfilm: "Also ich bin ehrlicherweise gar kein wirklicher Science-Fiction-Fan, aber 'Star Wars' schon seit der Kindheit. Da bin ich ein Riesen-Fan und auch 'Harry Potter' fand ich auch immer gut."

Nach der Bundestagssitzung an die Doktorarbeit

Für "Star Wars" ist bisher immer noch Zeit geblieben, neben dem Studium und der Politik. Mit seinen 24 Jahren ist Amthor bereits Jurist und der zweitjüngste Abgeordnete im neugewählten Parlament. Zwei Meilensteine im jungen Alter, aber darauf will sich Amthor nicht ausruhen: "Ich schreibe jetzt noch an meiner Doktorarbeit. Ich weiß, damit haben Bundestagsabgeordnete nicht immer gute Erfahrungen gemacht, aber die will ich natürlich auch fertig schaffen - jetzt auch neben dem Parlament."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.10.2017 | 07:00 Uhr

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