Stand: 02.03.2015 18:00 Uhr

Nordic will sich um öffentliche Aufträge bewerben

Die Schiffbauhalle von Nordic Yards in Wismar.  Foto: Norbert Fellechner
Die Werftengruppe Nordic steht offenbar vor einem Kurswechsel.

Die Nordic-Werften planen offenbar eine Erweiterung ihres Geschäftsmodells: In diesem Jahr will sich die Gruppe um öffentliche Aufträge im zivilen und Marinebereich bewerben. Bislang hatte das Unternehmen vor allem auf den Bau von russischen Fischereischiffen und Offshore-Projekten gesetzt.

Zudem will sich Nordic in diesem Jahr weiter auf den Bau von Öl- und Gasschiffen sowie Konverter- und Umspannplattformen konzentrieren. Gerade die kleineren Offshore-Plattformen, sogenannte AC-Plattformen, würden perfekt ins Stralsunder Portfolio passen, sagte Werften-Eigentümer Witali Jussufow gegenüber NDR 1 Radio MV.

Mögliche Abkehr vom Kerngeschäft Offshore

Nachdem das spanische Offshore-Projekt "Wikinger" nicht an Nordic vergeben wurde, sondern in Spanien geblieben war, setzt er nun auch auf öffentliche Aufträge: "Ich hoffe, dass wir innerhalb von 2015 unbedingt Projekte gewinnen werden, die auch für Stralsund beschäftigungsrelevant und auslastungsrelevant sein werden", so Jussufow. Konkret wurde der Eigner zu diesem Thema allerdings nicht. Aktuell verfügt das Unternehmen noch über zwei Aufträge: die Konverterplattform Dolwin 3 und zwei Rettungsschiffe für Russland. Neue Aufträge gibt es bislang noch nicht.

IG-Metall sieht Bundesregierung in der Pflicht

Zusätzlich erschweren die Russland-Sanktionen das Geschäft. Nach Einschätzung der IG-Metall belasten sie vor allem die ostdeutschen Werften. Daher fordert die Gewerkschaft die Bundesregierung auf, öffentliche Aufträge an die Werften zu vergeben. Die Sanktionen würden sich direkt bei den Stralsunder Werftarbeitern durch weniger Aufträge bemerkbar machen, so Guido Fröschke von der IG-Metall Vorpommern.

Auch Werfteneigner Jussufow bedauert die negativen Einflüsse der politischen Ereignisse. Dennoch unterstreicht er, dass die Werftengruppe nicht vom russischen Markt abhängig sei: "Der Anteil der russischen Projekte war bei uns in der Geschichte der Nordic Yards nie höher als bei einem einem Viertel bis 30 Prozent. Deswegen setzen wir bei weitem nicht nur auf die Quelle von einem einzigen Markt. Wir konzentrieren uns zu drei Viertel auf den europäischen und auf den Weltmarkt." Die Werftengruppe rechnet in den kommenden Jahren mit weiteren Aufträgen sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien, Dänemark und Belgien.

Hoffnung auf Bau russischer Fischereischiffe

An den drei Nordic-Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund arbeiten zur Zeit rund 1.400 Mitarbeiter. Erst vor neun Monaten hatte Nordic die insolvente P+S-Werft in Stralsund übernommen - und Hoffnungen in den Bau neuer Fischereischiffe für Russland gesetzt. Derzeit sei das allerdings nur über Kooperationen mit russischen Werften möglich, so der Eigner: "Der Bedarf nach der Erneuerung der Fischereiflotte hängt nicht davon ab, wie die politische Großwetterlage ist, sondern von den Bedürfnissen der Fischereiunternehmen in Russland". Die Volkswerft Stralsund hatte bis 1989 mehr als 1000 Fischereischiffe für die Sowjetunion gebaut.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.03.2015 | 18:00 Uhr

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