Stand: 04.10.2017 17:52 Uhr

Neue Ideen für strukturschwache Regionen

Kinder fahren mit Fahrrädern ein einem leerstehenden Haus im Zentrum von Loitz vorbei. © dpa-Zentralbild Foto: Stefan Sauer
Das vorpommersche Loitz ist eine von vier Modellregionen, für die Experten Konzepte entwickeln. (Archivbild)

Kein Laden, kein Arzt, kein Bus, kein Treffpunkt - dies sind für viele Menschen Gründe, aus strukturschwachen ländlichen Gegenden wegzuziehen. In Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) haben am Mittwoch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) und Kommunalvertreter Strategien diskutiert, wie der ländliche Raum besser gestärkt werden könne. So wurde auf der Jahreskonferenz des im vergangenen Dezember gegründeten Forums Ländliche Räume und Demografie MV das Konzept der "Ankerdörfer" vorgestellt.

"Ankerdörfer" sollen Grundversorgung bereitstellen

Dort soll es alle wichtigen Leistungen vom Arzt bis zur Einkaufsmöglichkeit im Umkreis von zehn Kilometern geben. Denn im Schnitt könne nur etwa jeder zweite Bewohner strukturschwacher Regionen Busverbindung, Hausarzt oder Apotheke, Supermarkt oder Grundschule binnen 30 Minuten erreichen, so Backhaus. Eine Arbeitsgruppe der Landesregierung ermittelt seit dem Sommer in vier Modellregionen den genauen Förderbedarf und entwickelt Instrumente zu deren Stärkung, hieß es auf dem Forum. Bei den Regionen handelt es sich um Goldberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim, Tribsees (Vorpommern-Rügen) sowie Loitz und die Region Stettiner Haff mit Eggesin, Ferdinandshof, Torgelow und Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald).

Knapp drei Millionen Euro Fördermittel vom Land

Fehlende Einkaufsmöglichkeiten, Ärztemangel und schwierige Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum seien Gründe, warum auch ältere Menschen ihre Dörfer verlassen. Der regelmäßige Austausch des Forums soll den Kommunen helfen, diese Entwicklung zu bremsen. Wichtig sei es, die "Ankerdörfer" weiterzuentwickeln, sagte Backhaus. Auch das Direktmarketing von Lebensmitteln in den Regionen soll gefördert werden. Insgesamt will die Landesregierung für geeignete Maßnahmen mehr als 2,7 Millionen Euro bereitstellen.

Mit dem gemeindeeigenen E-Bike zur Bushaltestelle

Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus (SPD) © dpa-Bildfunk Foto: Holger Hollemann/dpa
Landwirtschaftsminister Till Backhaus: "Dort, wo es enorme Schrumpfung gibt, muss der Staat eingreifen."

Ein gelungenes Beispiel für die Wiederbelebung von Dörfern stellte der Bürgermeister der 1.000-Einwohner-Gemeinde Rosenow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), Norbert Stettin, vor: Rosenow hat etliche Ortsteile, der Bus nach Stavenhagen oder Neubrandenburg fährt aber nur vom Hauptdorf Rosenow ab. Die Gemeinde hat nun E-Bikes angeschafft, mit denen die Bewohner von den Ortsteilen nach Rosenow zur Bushaltestelle fahren können, um dort in den Bus umzusteigen.

Lebensmittel online bestellen

Außerdem sollen die Bewohner schon bald ihre Lebensmittel online bestellen können. Diese sollen dann von einem Lebensmittelhändler in einem gemeindeeigenen Kühlraum zwischengelagert und später abgeholt werden, so Stettin. Wer mit dem Internet nicht zurechtkomme, könne seine Einkäufe auch telefonisch bestellen. Dies sei ein großer Vorteil für etliche Dorfbewohner, die im Schichtbetrieb bei einem der beiden großen Landwirtschaftsbetriebe in Rosenow arbeiten.

Mit dem Pflegedienst zum Einkaufen

Der Bürgermeister der Gemeinde Wittenhagen bei Grimmen (Landkreis Vorpommern-Rügen), Frederik Beeskow, berichtete von einer anderen erfolgreichen Maßnahme. Ein dort angesiedelter Pflegedienst bietet mit seinen Fahrzeugen, die am Tage nicht genutzt werden, einen Fahrdienst nach Grimmen und Stralsund an. Denn Busse dorthin führen kaum noch. Mit dem Fahrdienst hätten viele Einwohner die Möglichkeit, in den größeren Städten Arzttermine wahrzunehmen oder einzukaufen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.10.2017 | 17:00 Uhr

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