Neubrandenburg: Mehr als 2.500 bei Demo von Unternehmern und Handwerkern

Stand: 16.09.2022 06:08 Uhr

In Neubrandenburg haben mehr als 2.500 Handwerker, Unternehmer und Unterstützer demonstriert - unter anderem gegen hohe Energiepreise. Ministerpräsidentin Schwesig erneuerte ihre Forderung nach einem Energiepreisdeckel.

Steigende Energiepreise, Lieferschwierigkeiten und schlechte Prognosen: Das führt auch bei Handwerkern und Unternehmern in Mecklenburg-Vorpommern zu großer Verunsicherung. Viele blicken mit Sorge in die Zukunft. In Neubrandenburg kamen am Donnerstagnachmittag nach Polizeiangaben mehr als 2.500 Menschen zusammen. Unter dem Motto "Unser Veto für eine gerechte Politik - Alle Unternehmer der Region zeigen Gesicht" machten die Teilnehmer auf ihre Sorgen aufmerksam. Organisiert hatte die Demonstration die "Initiative Unternehmeraufstand". Unterstützt wurden die Demonstrations-Teilnehmer von einem Autokorso. Rund 300 Fahrzeuge nahmen daran teil. Sie fuhren vom Kulturpark zweimal um den Ring von Neubrandenburg zum Marktplatz.

Von anderer Energiepolitik bis Ende der Russland-Sanktionen

Die Demonstranten stellten ein breit gefächertes Bündel an Forderungen auf. Ein Ende der Sanktionen gegen Russland war eine Forderung. Die Demo-Teilnehmer erhoffen sich davon ein Absinken der Energiepreise. Außerdem wollen sie, dass keine Waffen mehr an die Ukraine geliefert werden. Auch eine freie und ehrliche Medienlandschaft sowie sofortige Neuwahlen gehörten zum Forderungskatalog. Auf Plakaten stand geschrieben: "Stoppt die Energiepolitik", "Schluss mit Sanktionen", "Insolvenzen verhindern", "Weg mit grüner Kriegspartei" und "Frieden mit Russland". Die Demo begann verspätet, weil die Veranstalter zunächst nicht genügend Ordner stellen konnten.

"Wissen nicht, was die Zukunft bringt"

Teilnehmer einer Demonstration von Unternehmern und Handwerkern gegen die Energiepolitik stehen auf dem Marktplatz in Neubrandenburg. © NDR Foto: NDR
"Schluss mit Sanktionen", "Weg mit grüner Kriegspartei" stand auf einigen Plakaten.

Ein Neubrandenburger Bootsbauer sagte einem NDR Reporter: "Wir sind momentan noch nicht mittelbar betroffen, aber wir wissen nicht, was die Zukunft bringt und wo die Strompreisentwicklung hingeht." Sein Betrieb habe eine sehr hohe Inflationsrate beim Material und bei der Materialversorgung. "Unser Problem ist einfach, dass wir nicht wissen, ob wir mit unseren Preisen, unseren Erlösen unser Unternehmen noch halten können und unsere Mitarbeiter ordentlich bezahlen." Ein Bäckermeister aus Wildberg schilderte seine Probleme damit, Fachkräfte für seine Bäckerei zu finden.

"Gegen die Russen haben wir sowieso noch nie was gehabt"

"Wir sind hier, weil uns die ganze Energiepolitik stresst. Wir haben höhere Kosten, wir wissen nicht mehr ein noch aus", sagte ein anderer Heizungsmontage-Unternehmer aus Burg Stargard. Die Kosten fürs Tanken hätten sich verdoppelt. "Noch haben wir zu tun, aber wer weiß, wo die Reise nächstes Jahr hingeht." Die Materialpreise seien extrem hoch, die Kunden könnten das alles nicht mehr bezahlen. "Und dann sollen wir alle die Füße stillhalten? Das funktioniert hier nicht mehr." Von der Politik fühle er sich verschaukelt. Die Russland-Sanktionen seien nach hinten losgegangen. "Was soll das? Gegen die Russen haben wir sowieso noch nie was gehabt. Wir haben 40 Jahre mit denen gelebt. Und jetzt ist Putin der schlechte Mensch? Das kann ich nicht nachvollziehen."

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Eine Menge aus Demonstranten steht auf dem Wismarer Marktplatz. © Christoph Woest Foto: Christoph Woest

Rund 6.000 Menschen bei Demonstrationen gegen Regierungspolitik

Proteste gab es in allen Teilen des Landes - an insgesamt 18 verschiedenen Orten. mehr

Schwesig: Keine Nord-Stream-2-Öffnung, Forderung nach Energiepreisdeckel

Unmittelbar neben dem Marktplatz richtete die Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg zeitgleich ihren Wirtschaftsempfang aus. Mit dabei war auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Schwesig erteilte Forderungen nach einer Öffnung der Ostseepipeline Nord Stream 2 eine klare Absage. Russland habe einen aggressiven Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen und sich als nicht verlässlicher Handelspartner erwiesen. Dies quittierten einige Teilnehmer mit Pfiffen und lauten Buh-Rufen. Als einer der Organisatoren daraufhin um Ruhe bat, konnte Schwesig weiterreden. Sie erneuerte ihre Forderung nach Einführung eines Energiepreisdeckels. Zudem appellierte sie an die Bevölkerung, zukünftig Energie zu sparen. Sie werde sich dafür einsetzen, dass es nicht zu einer Gasmangellage komme, sagte die SPD-Politikerin.


15.09.2022 18:06 Uhr

Hinweis der Redaktion: Nach mehrfach widersprüchlichen Angaben zur Teilnehmerzahl hat sich die Redaktion dazu entschlossen, die offizielle Angabe der Polizei anzugeben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 16.09.2022 | 05:00 Uhr

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