Nach Bootsschuppenbränden: Angst und Verunsicherung in Neubrandenburg

Stand: 21.05.2022 13:51 Uhr

Am Mittwoch brannten am Neubrandenburger Oberbach beim Tollensesee wieder Bootsschuppen - zum dritten Mal. Mehr als 70 Bootshäuschen sind innerhalb von fünf Wochen verbrannt. Die Menschen sind verunsichert, haben Angst und sind frustriert.

Alle Bootsschuppenbrände wurden vorsätzlich gelegt, das steht für die Ermittler fest. Wegen der Brände buddeln seit zwei Tagen viele Mitglieder des Drachenbootteams vom Sportclub Neubrandenburg in ihrem Bereich der Bootsschuppenanlage fleißig Gräben. Darin sollen neue Kabel für Beleuchtung und Kameras verlegt werden. Denn das Areal liegt nur wenige Meter von den Brandstellen entfernt. Auch heute wird gearbeitet - trotz Wind und Regen.

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Abgebrannte Bootsschuppen in Neubrandenburg. © Anette Ewen Foto: Anette Ewen

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Viel Solidarität auf der Anlage

"Wir werden hier für unser Objekt eine Kameraüberwachung installieren, Bewegungsmelder und auch die Beleuchtung etwas verbessern und damit auch unsere Nachbarn ein bisschen mehr absichern, um zumindest vorbeugend wirken zu können", sagt Drachenboot-Teamchef Jens Utthoff. Er freut sich besonders, dass auch benachbarte Bootsschuppenbesitzer mithelfen. Die Solidarität unter den Menschen in der Bootsschuppenanlage sei jetzt besonders groß: "Auch die benachbarten Bootsschuppenbesitzer haben hohes Engagement gezeigt und waren gestern und vorgestern dabei uns zu helfen. Teilweise auch mit Geld, sodass wir die ganzen Anlagen hier zügig installieren können", so Utthoff.

"Wir haben Angst"

"Ganz ehrlich, ich schlafe nachts nicht mehr", sagt eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte. "Mein Mann ist Feuerwehrmann. Er war bei allen drei Bränden dabei. Wir haben Angst, diesen Feuerwehr-Pieper nicht zu hören, oder dass wieder ein Anruf kommt: Die Bootsschuppen brennen", sagt sie. "Wir selber haben auch einen hier in dieser Reihe - und wir haben natürlich Angst."

"So kann es doch nicht weiter gehen"

Susann Ossenschmidt von der Polizei © Screenshot
Susann Ossenschmidt von der Polizei sagt: "Hier wird regelmäßig gestreift."

Der Rentner Rybi Jeske hat heute in seinem Bootsschuppen nach dem Rechten gesehen. Trotz Gehbehinderung machte er sich mit seinem Rollator auf den Weg dorthin: "Furchtbar", sagt er. "Ich bin jetzt über 50 Jahre hier - so etwas ist nie passiert. Wirklich grausam." Jeske meint, dass die Anlage besser bewacht und mit Kameras ausgestattet werden sollte. "Das geht ja immer weiter. Drei Brände in kurzer Zeit - so kann es doch nicht weiter gehen."

Polizei rund um die Uhr im Einsatz

Der Gesamtschaden wird mit 1,4 Millionen Euro beziffert. Um die Bootsschuppenanlage zu schützen, ist die Polizei hier dauerpräsent. "Natürlich ist auch die Schutzpolizei sensibilisiert und streift hier regelmäßig - sowohl in zivil als auch uniformiert und natürlich rund um die Uhr", sagt Polizeisprecherin Susann Ossenschmidt. Eine heiße Spur nach dem Brandstifter oder den Brandstiftern gibt es aber immer noch nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 21.05.2022 | 13:00 Uhr

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