NDR MV Live: Verunreinigter Sand soll schnell ausgetauscht werden

Stand: 05.07.2021 15:56 Uhr

Um den Strand in Devin zu erneuern, hat die Stadt Stralsund ein günstiges Angebot angenommen. Nun ist der Strand mit Bauschutt verunreinigt. Mehrere Anwohner haben Anzeige erstattet. Bei NDR MV Live bezogen die Beteiligten Stellung und versprachen Abhilfe. Auch ein Strand weiter nördlich in Parow ist betroffen.

Im Stralsunder Stadtteil Devin ist der Strand im Zuge einer Stranderneuerung mit Bauschutt verunreinigt worden. Mehr als 50 Anwohner haben den Stralsunder Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und die Baufirma wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung angezeigt. Die Stadt Stralsund hatte nach Aussage von Badrow ein günstiges Angebot angenommen, um nach 15 Jahren den Strand in Devin zu erneuern und zu verbreitern. Eine Baufirma hatte daraufhin vor zwei Wochen damit begonnen, den neuen Sand von einer Selliner Baustelle zu transportieren. Anwohner fanden darin Bauschutt - darunter Styropor, Eisenbewehrungen, Glasscherben und scharfkantige Metallteile.

Angespannte Stimmung in Devin: "Die Saison ist kaputt"

"Die Stimmung ist sehr gereizt, denn es ist unser Strand", sagte Ulrich Langer aus Devin. Er ist einer der Anwohner, die Anzeige stellten. "Die Saison ist kaputt. Die Kinder können hier nicht spielen. Das Styropor schwimmt im Wasser." Die Anwohner fordern, dass der verunreinigte Sand "so schnell, wie er hergebracht auch wieder weggefahren wird", so Langer. "Und es muss guter Sandstrand her." Die Anzeige sei nötig gewesen, weil immer weiter die Lastwagen mit dem verunreinigten Sand kamen, so Langer. "Es war Gefahr im Verzug. Irgendetwas musste hier passieren."

Stralsunds OB Badrow entschuldigt sich: "Völlig daneben gegangen"

Als "völlig daneben gegangen" bezeichnete Oberbürgermeister Badrow die Erneuerung des Strandabschnitts. Er entschuldigte sich für die "schwierige und ärgerliche Situation" und versprach bei NDR MV Live schnelle Abhilfe. "Der Plan ist, dass wir das Material vollständig ausbauen, auch um sicher zu gehen, dass hier definitv nichts mehr ist." Danach werde komplett neuer Strandsand nach Devin gebracht. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir das schnell gelöst kriegen." Wie schnell der Austausch vonstatten gehen wird, konnte Badrow nicht sagen. Er bat die Deviner um Geduld. "Wir machen das schnell, aber auch mit der nötigen Sorgfalt, auf die es jetzt ankommt."

Firma will sämtliche Kosten des Sandaustauschs tragen

Klaus Prokop von der Primus Immobilien AG -der Firma, die den Auftrag gab, den Sand in Devin abzuladen - versprach bei NDR MV Live Abhilfe. "Wir tragen sämtliche Kosten des Sandausbaus und des Sandeinbaus. Die Stadt bleibt nicht auf den Kosten sitzen, sondern die übernehmen wir." Laut Prokop handle es sich bei dem Auslöser des Streits um mit Bauschutt vermischten Sand. Normalerweise werde solcher Sand zuvor gründlich gereinigt. "Davon ging ich aus, dass der Bauunternehmer, der Tiefbauer, der den Sand hier heringebracht hat, dass er den Sand vorher reinigt. Das ist normlerweise üblich."

Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft. Zwar wurde der Strand gesperrt und die Stadt hatte den verunreinigten Sand sieben lassen. Doch gerade in tieferen Sandschichten würden sich nach Angaben der Anwohner noch immer Schadstoffe befinden.

Strand von Parow ebenfalls betroffen

Auch am Strand von Parow, nördlich von Stralsund, sei dieser mit Bauschutt belastete Sand verteilt worden. Auch dort sei der Strand bereits am Freitag gesperrt und zunächst von Hand gereinigt worden. Die Leiterin des Amtes Altenpleen, Ines Materna-Braun ist "stinksauer". Man hatte für Parow Sand bestellt und keinen Bauschutt, so Materna-Braun. Das Amt werde nun Gewährleistungsansprüche gegen den Verursacher geltend machen. Auch in Parow stellten Anwohner Anzeige bei der Wasserschutzpolizei wegen des Verdachts der illegalen Müllentsorgung.

Staatsanwaltschaft: "Deutlich strafrechtliche Relevanz"

Die Stralsunder Staatsanwaltschaft spricht von einer "deutlichen strafrechtlichen Relevanz". Es handele sich keinesfalls um ein Kavaliersdelikt. Derzeit prüft ein Sachverständiger die Schadstoffe und welche Gefahr von ihnen ausgeht. Außerdem werden die Aussagen der Anwohner in Devin geprüft, wonach Oberbürgermeister Badrow die Strandaufschüttung vier Tage lang nicht gestoppt haben soll, obwohl er von dem Umweltskandal wusste. Welche Kenntnisse die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen hatte und ob Gutachter den Sand im Vorfeld freigegeben hatten, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Am Dienstag wollen sich Badrow und die Deviner treffen, um weiter über Lösungen zu diskutieren.

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Ein Mann liegt auf einer Liege am Strand, an der Liege hängt eine Maske. © Colourbox Foto: nito

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.07.2021 | 15:00 Uhr

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