Stand: 03.12.2018 16:57 Uhr

NABU: "Naturschutz bleibt auf der Strecke"

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Ohne ehrenamtliche Storchenschützer hätten diese beiden Tiere nicht überlebt. Sie haben im Rostocker Zoo ein neues Zuhause gefunden.

Der Naturschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern (NABU) wirft dem Umweltministerium des Landes vor, den Naturschutz im Land auf das Ehrenamt abzuwälzen. Es fehle an politischem Willen, mehr für Artenschutz und Lebensräume im Land zu tun, so die Kritik. Mit Leuchtturmprojekten wie der Mooraktie „Moorfuture“ und dem sogenannten Streuobstgenuss-Schein schmücke sich der Minister für Umwelt und Landwirtschaft, Till Backhaus (SPD), gern. Aber wenn es um regelmäßige Aufgaben gehe, den Fledermausschutz, das Erstellen von Rissgutachten nach Wolfsangriffen, den Großvogel- und Insektenschutz etwa, dann sehe es finster aus. Solche Landesaufgaben würden im großen Stil auf Freiwillige und Ehrenamtliche abgewälzt, so die Kritik des Naturschutzbundes.

Ein Storch

Naturschutz: Tut das Land zu wenig?

Nordmagazin -

Der Naturschutzbund kritisiert, dass das Land zu viele Aufgaben aufs Ehrenamt abwälzt, bzw. nicht unterstützt, wie zum Beispiel die Storchenrettung.

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Kritik: Freiwillige statt Festangestellter

NABU-Landesgeschäftsführerin Rica Münchberger bemängelt, dass der Umweltminister in den vergangenen Jahren 30 Prozent der Stellen in der Naturschutzverwaltung gestrichen hat. Und stattdessen auf Ehrenamtliche, Freiwillige und Menschen mit Werksverträgen setzt: "Wenn für diejenige Person eine andere Aufgabe wichtiger ist oder sie eine bessere Stelle bekommt, wo sie mehr verdient, dann ist sie weg. Sowas muss ins Hauptamt geholt werden.“ Geld und Personal fehlten demnach an allen Ecken und Enden. So gebe es zum Beispiel zu wenig oder gar keine Kontrollen in Naturschutzgebieten, deswegen sind Umweltschutzverbände nach eigenen Angaben auf aufmerksame Bürger angewiesen, die melden, wenn irgendwo illegal Grünland umgebrochen, Müll abgeladen oder Vögel vergrämt worden sind.

Hintergrund: 20- jähriges Dienstjubiläum

Till Backhaus hat im vergangenen Monat sein 20-jähriges Dienstjubiläum als Agrarminister gefeiert, 2006 kam das Umweltressort zu seinen Aufgaben hinzu. Aus diesem Anlass hatten sich die großen Naturschutzverbände BUND, WWF und NABU zusammengesetzt, um zu sehen, wo der Natur- und Umweltschutz im Land aktuell steht. Das vernichtende Urteil: Der Minister stehe Landwirten näher, es fehle der politische Wille, genug für Lebensräume und Arten im Land zu tun.

Immer weniger Störche im Nordosten

Beispiel Storch: Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, in dem die Population des Großvogels stark zurückgeht. Politisch sind andere Länder weiter - Sachsen und Bayern etwa haben längst ein Schutzprogramm für Weißstörche. Hierzulande sind Storchenschützer extrem besorgt: Der Art geht es schlecht im Nordosten, die Zahl der Brutpaare und Jungstörche sinkt seit Jahren. Die Experten führen das unter anderem darauf zurück, dass die Störche hier im Land nicht mehr genug Futter finden, um ihren Nachwuchs durchzubringen. Dafür fehle feuchtes Grünland, Teiche, Ackersölle. Stattdessen gebe es große Felder und wenig Rückzugsmöglichkeiten dazwischen, wie zum Beispiel in Gebüschen, Hecken, Tümpeln.

Storchenschützer fühlen sich im Stich gelassen

Die Storchenschützer im Nordosten fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, sagt Stefan Kroll von der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz: "Der Minister war mehrfach auf unseren Weißstorch-Tagen. Wir haben immer wieder Vorschläge gemacht, Konzepte unterbreitet und sind wirklich sehr enttäuscht über die geringe Resonanz, die sich daraus ergeben hat. Der Gesprächsfaden ist praktisch abgerissen. Von daher glauben wir sagen zu können, dass das Ministerium seine Hausaufgaben da nicht unbedingt gemacht hat."

Umweltminister weist Vorwürfe an seiner Arbeit zurück

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Umweltminister Backhaus hält das Ehrenamt für eine verlässliche Größe im Naturschutz: "Wir haben da ungemein tolle Spezialisten!"

Die Vorwürfe, er tue zu wenig für den Naturschutz, weist Umweltminister Backhaus unterdessen zurück. Im Gespräch mit dem NDR sagte er, er hätte natürlich gern mehr Personal, aber auf die ehrenamtlichen Spezialisten sei eben auch Verlass. Und mit den Umweltschutzverbänden treffe er sich alle drei Monate, um über Naturschutzprobleme im Land zu sprechen. "Die Umweltverbände sind so ähnlich wie der Bauernverband, da ähneln sie sich alle: Man muss erstens kritisieren. Zweitens: Man muss ja keine eigenen Vorschläge machen, weil man das ja auch nicht verantworten muss. Und drittens: Man muss immer nur Forderungen stellen!" Den Störchen nützt die Debatte wenig. Sie überwintern gerade in Afrika. Wenn sie wiederkommen, werden wieder viele Nester leer bleiben, fürchten die Storchenschützer. Sie werden weiterhin nur Einzelne retten können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.12.2018 | 17:15 Uhr

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