Stand: 10.07.2020 08:04 Uhr

Mund-Nasen-Schutz: Fluch oder Segen?

In Zeiten der Corona-Pandemie ist der Mund-Nasen-Schutz zum ständigen Begleiter des Menschen geworden. Beim Einkaufen, beim Arzt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln - ohne das kleine Stoffstück - meist schnell griffbereit in Hosen- oder Handtasche aufbewahrt - geht im Alltagsleben fast nichts mehr. Doch so richtig gewöhnt an die Maskenpflicht hat sich nicht jeder. Viele sind froh, wenn sie den Mund-Nasen-Schutz nach Verlassen eines Geschäfts endlich abnehmen und wieder richtig durchatmen können.

VIDEO: Corona-Schutzmasken: Segen und Fluch (3 Min)

"Blei auf der Brust" - Atmen fällt schwer

Doch es gibt auch Menschen, die den Mund-Nasen-Schutz länger als nur für eine Busfahrt oder einen Einkauf tragen müssen. Für manchen von ihnen ist das Aufsetzen des Stoffstücks mehr als nur lästig, sondern eine echte Einschränkung. "Wir haben alle kleine Ausschläge im Gesicht, besonders im Mundbereich", sagt etwa die Verkäuferin Anja Stoll vom Modehaus Nikoalus in der Rostocker Innenstadt. "Dann andauernd aufsteigende Hitze, Panikattacken zum Teil - das sieht man jetzt auch schon wieder an den Schweißperlen auf der Stirn. Und Atemnot", so Stoll weiter. Insbesondere, wenn sie abends nach sieben bis acht Stunden Arbeit das Geschäft verlasse, würden die Beschwerden auftreten: "Es ist so, dass es wie Blei auf der Brust liegt. Und das Atmen sehr schwer fällt."

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Maskenpflicht: Entscheidung soll Anfang August fallen

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Wegen Maske: Geschäftszeiten eingeschränkt

In dem Rostocker Modehaus hat die Geschäftsführung auf die Klagen der Mitarbeiter bereits reagiert. "Wir müssen die Öffnungszeiten kürzen, weil die Mitarbeiter gar nicht so lange arbeiten können mit den Masken, weil das für sie gesundheitlich sehr belastend ist und wir natürlich auch unsere Mitarbeiter schützen müssen", sagt Geschäftsführerin Diane Nikolaus-Hinneberg. Auch in Gastronomie-Betrieben ist das nicht anders. "Es ist so, dass tatsächlich viele Kollegen am Tag Kreislaufprobleme haben. Wir müssen diese dann auch nach einer Stunde kurz hinsetzen lassen, die Maske abnehmen lassen, dass sie durchatmen können", sagt die Kellnerin Stephie Tallodi vom Steakhaus Leons in Rostock. Das Tragen sei eine starke körperliche Einschränkung.

Pneumologe: "Allenfalls eine psychische Belastung"

Doch wie schwerwiegend sind diese Einschränkungen aus medizinischer Sicht? Der Pneumologe Prof. Johann Christian Virchow von der Rostocker Uni-Klinik gibt weitgehend Entwarnung: "Es ist natürlich nicht so, dass ein gesundheitlicher Schaden daraus resultiert, sondern allenfalls eine psychische Belastung." Virchow räumt aber ein, dass das Tragen der Maske etwas Ungewohntes sei. "Und es beeinflusst die Atmung und es sorgt natürlich je nachdem, welcher Maskentyp verwendet wird, auch für eine erhöhte Atemarbeit." Die sorge aber nicht dafür, dass man mit seiner Atempumpe nicht mehr nachkomme.

Machen Masken krank? "Völliger Quatsch"

Masken-Kritiker berufen sich auf eine 15 Jahre alte Doktorarbeit an der TU München. Sie behaupten, dass das Kohlendioxid in der eigenen Atemluft durch die Maske nicht ausreichend ausgeatmet werden könne. Das wäre tatsächlich gefährlich. "Eine dichtere Maske hält das mehr vor als eine durchlässige Maske, dass ein minimaler Anteil von CO2 wieder rückgeatmet wird", sagt Pneumologe Virchow. Das sei aber für die Physiologie und für den Gasaustausch - insbesondere für die Sauerstoffaufnahme - völlig unbedenklich. Virchows Fazit: Krank macht die Maske nicht. "Das können sie unter völligem Quatsch abtun." Die Corona-Task Force in Mecklenburg-Vorpommern wird am 4. August erneut über die Maskenpflicht beraten. Bis auf Weiteres heißt es: Durchhalten und Durchatmen mit Maske.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 09.07.2020 | 19:30 Uhr

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