Das Rathaus in Rostock im Abendlicht © picture alliance/HB Verlag

Madsen-Nachfolge: Schickt die SPD einen eigenen Kandidaten?

Stand: 05.07.2022 13:55 Uhr

Das Rennen um den Chefposten in der größten Stadt des Landes ist eröffnet. Nach dem eiligen Abgang von Ex-Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) in Richtung Kiel hat in den Parteien die Suche nach geeigneten Bewerbern begonnen.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Kompliziert ist die Lage für die SPD: Bei der Landtagswahl im vergangenen September hat die SPD mit Rückenwind aus Land und Bund alle vier Rostocker Wahlkreise direkt gewonnen. Kommunalpolitisch bekommt die Regierungspartei in Rostock eher kaum einen Fuß auf den Boden: Gerade einmal 14,4 Prozent holten die Sozialdemokraten bei der Bürgerschaftswahl 2019. Sie landeten damit hinter Linken, Grünen und CDU auf Platz 4. Auch bei den Oberbürgermeister-Wahlen der vergangenen Jahren holten sie keinen Stich. Seit dem Rücktritt von Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) vor fast 20 Jahren haben die Sozialdemokraten in der Wirtschaftsmetropole eher wenig zu melden.

Geeignete Bewerber gesucht

Dennoch oder vielleicht deshalb: Die SPD in Rostock sucht nach geeigeneten Bewerbern für das Amt des OB. Man werde eine Kandidatenfindung starten, heißt es selbstbewusst aus der Partei. Die SPD will in der größten Stadt des Landes Flagge zeigen. Namen kursieren noch nicht: Ziemlich sicher ist, dass der Finanzsenator und amtierende Oberbürgermeister Chris Müller von Wrycz Rekowski nicht noch einmal antritt. 2019 schaffte es noch nicht einmal in die Stichwahl gegen den siegreichen Madsen.

Altersgrenze liegt bei 60

Der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Rainer Albrecht ist mit seinen 64 Jahren zu alt - die Altersgrenze liegt bei 60. Die Rostocker Bundestagsabgeordnete Katrin Zschau scheint sich in Berlin wohl zu fühlen. Julian Barlen, der SPD-Generalsekretär und Fraktionsvorsitzende im Landtag, wird dringend in Schwerin gebraucht. Barlen meinte, es komme darauf an, "zum Wohle der Menschen in Rostock Innovationskraft und Verwaltungskunst mit Fachverstand und Gestaltungswillen auf einen Nenner zu bringen".

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Mit Blick auf SPD-Bewerber fällt immer wieder der Name des Rostocker Landtagsabgeordneten Ralf Mucha. Der hat nach dem Kreisvorsitzenden Albrecht das zweitbeste Ergebnis aller vier Landtagsabgeordneten aus Rostock geholt und er wäre mit 59 Jahren noch jung genug. Mucha soll wohl auch nicht abgeneigt sein. Offiziell ist nichts. Möglicherweise zaubert die SPD-Landesvorsitzende, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), auch einen prominenten Überraschungs-Bewerber aus dem Hut. Allerdings gilt ein bloßer "Kandidaten-Import" aus anderen Landesverbänden für die SPD-Basis als schwer vermittelbar.

"Die größte Stadt des Landes ist interessant", heißt es von einem Top-Sozialdemokraten. Die Regierungspartei, die bei der vergangenen Landtagswahl auf 39,6 Prozent kam, macht ihren Gestaltungsanspruch offenbar auch mit Blick auf das Rostocker Rathaus geltend. Kein Bewerber von außerhalb wäre der bisherige Geschäftsführer des Landes-Tourismusverbandes und neue Tourismusbeauftragte des Landes, Tobias Woitendorf. Der 46-Jährige ist mit der Hansestadt eng verbunden - nicht nur als Präsident des Handball-Clubs Empor Rostock. Woitendorf ist parteilos, aber er hat sich von der SPD schon in die Pflicht nehmen lassen. Er selbst weist jede Ambitionen von sich.

Unterstützung einer anderen Partei?

Auch ohne Woitendorf scheint abwegig, dass die SPD "klein beigibt" und sich damit begnügt einen Kandidaten oder eine Kandidaten einer anderen Partei zu unterstützen. In Frage käme dabei nur der Koalitionspartner in Schwerin - die Linke. Die Partei hat 2019 die Bürgerschaftswahl gewonnen. An der Spitze der Fraktion steht Eva-Maria Kröger. Sie war auch langjährige Kreisvorsitzende und hätte als Führungsfigur das ungeschriebene Zugriffsrecht auf eine OB-Kandidatur. Ihr Genosse, Sozialsenator Steffen Bockhahn, müsste ihr das Feld dafür überlassen. Beide wollen sich offiziell nicht äußern - Kröger werden aber eindeutige Ambitionen nachgesagt. Die Linken wollen am 8. August entscheiden.

Grüne rechnen sich Chancen aus

Bei den Grünen - die bei der Bürgerschaftswahl 2019 auf Platz 2 kamen - rechnen sie sich realistische Chancen aus. Die Partei will ebenfalls einen Bewerber ins Rennen um den OB-Posten schicken. "Das beraten wir intern", erklärte Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. Der allerdings dürfte erneut Aussichten haben, nominiert zu werden. Auch bei der CDU läuft die Suche nach einem Bewerber - der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Daniel Peters hat bereits erklärt, dass er nicht antreten wird. Peters ist Generalsekretär der Landes-CDU und er hat landespolitische Karriereplanungen.

Vor-Auswahl bis Ende August

Für alle gilt: Die Sommerpause und Urlaubszeit wird bestimmt sein von internen Absprachen und Verhandlungen. Ende August muss die Vor-Auswahl gelaufen sein. Gewählt wird sehr wahrscheinlich am 13. November - auf diesen Termin haben sich die Fraktionen offenbar schon geeinigt, die Verwaltung hat dagegen den 6. November als Wahltag vorgeschlagen. Sollte kein Kandidat die absolute Mehrheit schaffen - gibt es dann sehr wahrscheinlich zwei Wochen später eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Über Wahltermine entscheidet die Bürgerschaft an diesem Mittwoch.

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NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 05.07.2022 | 12:00 Uhr

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