MV lockert Test- und Maskenpflicht

Stand: 22.06.2021 17:15 Uhr

Großveranstaltungen mit bis zu 15.000 Gästen, Öffnungen bei Diskotheken und Clubs, ein neues Ampelsystem und weitere Lockerungen bei der Test- und Maskenpflicht: Mecklenburg-Vorpommern hat den Kurs in der Corona-Politik neu justiert.

Angesichts einer stark rückläufigen Sieben-Tages-Inzidenz, die mittlerweile bei 2,1 liegt, hat die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag weitere Lockerungen und Öffnungen vereinbart. Wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erklärte, wird die Maskenpflicht im Außenbereich ausgesetzt, im Inneren von Gebäuden soll sie aber weiter bestehen bleiben. Zudem wird laut Schwesig die Testpflicht im Innenbereich weitgehend ausgesetzt. Das gelte für die Gastronomie, Friseursalons, Kosmetikstudios, Fitnessstudios sowie in Museen und Galerien. Auch Kinobesuche ohne negativen Test sind wieder möglich. Der einzige Bereich, in dem die Testpflicht bestehen bleibe, sei die Einreise von Urlaubern nach Mecklenburg-Vorpommern, so die Ministerpräsidentin.

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Clubs und Discos offen, Großveranstaltungen mit bis zu 15.000 Besuchern

Wie Schwesig weiter erklärte, dürfen Clubs und Diskotheken mit Testpflicht und 50 Prozent Kapazität wieder öffnen. Es darf auch wieder getanzt werden und bei Veranstaltungen ist es wieder erlaubt, Alkohol auszuschenken. Großveranstaltungen im Außenbereich mit bis zu 15.000 Gästen sind wieder möglich, müssen aber mit einem Hygienekonzept und Tests abgesichert werden. Auch Märkte und Volksfeste können grundsätzlich stattfinden. Die neuen Beschlüsse sollen von Freitag an gelten (25. Juni). Die strikteren Maßnahmen werden stufenweise bei Eintreten in eine neue Ampelphase wieder eingesetzt.

Neue Corona-Ampel: Sechs Stufen und neue Faktoren

Dieses neue Ampelsystem soll die bisher als Bezugswert genommene Sieben-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, ablösen. Neben dem Inzidenzwert berücksichtigt das neue System laut Schwesig auch Faktoren wie die Krankenhausauslastung und den Impffortschritt. Statt wie bisher drei gibt es künftig sechs Stufen: grün (0-10), gelb (10-35), orange, (35-50), rot (50-100), dunkelrot (100-150) und violett (äußerst hohes Infektionsgeschehen über 150). Die Corona-Regeln werden bei Erreichen einer neuen Ampelstufe jeweils angepasst. Die Entscheidung darüber, welche Ampelstufe gilt, liege in der Verantwortung der Landräte und Oberbürgermeister, so Schwesig.

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Schwesig: Erfolg nicht verspielen

Die Landesinzidenz in Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 2,1 - das sei der geringste Länderwert in ganz Deutschland, so Schwesig. Mitte April habe sie noch bei mehr als 160 gelegen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung habe die Erstimpfung erhalten, mehr als ein Drittel auch schon die zweite. "Es ist wichtig, diesen Erfolg nicht zu verspielen", sagte Schwesig mit Blick auf die zunehmende Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus' und die Sommerferien.

Bioinformatiker Kaderali: Delta-Variante breitet sich aus

Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali führte die rückläufige Entwicklung der Inzidenzwerte auf mehrere Faktoren zurück: Impfungen, politische Maßnahmen, Saisonalität und die Schnelltests. "Wir sind jetzt in einer Situation, die ähnlich ist wie vor einem Jahr. Aber Corona ist noch nicht vorbei", so der Bioinformatiker. Die Verbreitung der Delta-Variante liege deutschlandweit vermutlich bei über 10 Prozent, so Kaderali. "Wir werden in vier bis acht Wochen die Delta-Variante als dominante Variante haben." In Mecklenburg-Vorpommern gebe es bisher aber erst einzelne Fälle der Delta-Variante. Größere Ausbrüche gebe es noch nicht. Der jetzige Urlaubsverkehr wirke aber "ein bisschen wie ein Brandbeschleuniger". Reisen in Coronavirus-Variantengebiete sollte man vermeiden, so Kaderali.

300.000 weitere Impfdosen im Juli

Kaderali und Schwesig riefen dazu auf, sich impfen zu lassen - gerade auch mit Blick auf die hochansteckende Delta-Variante. Nach Angaben von Gesundheitsminiterr Harry Glawe (CDU) stehen im Juli 300.000 weitere Impfdosen zur Verfügung. Damit könne bis zum Ende des Monats 70 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung angeboten werden - bis Ende August sogar 80 Prozent.

Hanse Sail in Rostock: Madsen sieht Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Wie sich die neuen Lockerungen bei Großveranstaltungn auf die Durchführbarkeit auswirken, ist noch unklar. Die Hanse Sail 2021 solle stattfinden, Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sieht die Stadt und die Veranstalter aber in zeitlicher Bedrängnis. Einige Veranstalter seien sogar schon abgesprungen. Die erste Hanse Sail unter Corona-Bedingungen werde also kleiner ausfallen, aber dafür Corona-konform ausgerichtet. Wie die Umsetzung im Rostocker Stadthafen genau aussehen wird, kann sich Madsen noch nicht vorstellen. Er sehe große Schwierigkeiten, die Regelungen zur Testpflicht sowie zur Kapazitätsgrenze umzusetzen. Seiner Ansicht nach wird die Hanse Sail 2021 weniger Kirmes und mehr Familienfest werden.

Hanse Sail vom 5. bis 8. August geplant

Die Hanse Sail ist vom 5. bis 8. August geplant. Sie zählt zu den größten Volksfesten im Nordosten. Im vergangenen Jahr war sie wegen der Pandemie ausgefallen. Besucher können bei dem Fest Traditionssegler aus der Nähe erleben. Für die zeitlgeich maximal 15.000 Besucher besteht laut den aktuellen Beschlüssen der Landesregierung eine Testpflicht, sofern die zweite Corona-Schutzimpfung nicht mindestens 14 Tage lang her ist oder sie von einer Covid-Erkrankung genesen sind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 22.06.2021 | 17:00 Uhr

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