MV-Werften durch Millionenspritze vorerst gerettet

Stand: 26.05.2021 17:11 Uhr

Die MV-Werften mit Standorten in Wismar, Warnemünde und Stralsund sind vorerst gerettet. Der Bund stellt rund 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zur Verfügung. Damit sollen die Schiffe "Global 1" und "Crystal Endeavor" fertiggestellt werden.

Die Schiffbau-Unternehmen des Genting-Konzerns aus Hongkong kommen vollständig unter den Corona-Rettungsschirm des Bundes. Der Einigung gingen intensive Gespräche in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Werften-Mutterkonzern Genting, Bankenkonsortien und dem Bundeswirtschafts- und -finanzministerium voraus, wie Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Mittwochnachmittag erklärte. Nun seien die Dinge dahin gekommen, wohin sie sollten. "Die große Brücke ist erreicht", so Glawe. Vor den jetzt zugesagten 300 Millionen Euro hatte der Bund bereits im vergangenen Herbste die Werften mit einer Überbrückungshilfe in Höhe von 193 Millionen Euro vor dem Aus bewahrt.

Weniger Stellenstreichungen als ursprünglich geplant

Für die Finanzierung der "Endeavor" fehlten laut Glawe noch 82 Millionen Euro. Die Fertigstellung sei jetzt gesichert. Durch die Finanzhilfen sind laut Glawe mindestens 2.000 Arbeitsplätze vorerst gesichert. Mit dem Verkaufserlös der beiden Schiffe - Glawe sprach von 500 bis 600 Millionen Euro - sollen die Kredite abbezahlt werden. Der zuvor schon angekündigte Arbeitsplatzabbau bei der Werftengruppe soll milder ausfallen als geplant. Statt 1.200 würden vorerst nur 650 Stellen gestrichen. Die Mitarbeiter würden in Transfergesellschaften an allen drei Werftstandorten beschäftigt werden, so Glawe.

Glawe: Bund zu Finanzierung der "Global 2" gesprächsbereit

Auch für die Zulieferer sei die Botschaft positiv, diese könnten auf ihr Geld hoffen. Laut Glawe zeigte sich der Bund darüber hinaus gesprächsbereit, die Finanzierung der "Global 2" abzusichern. Damit wären die Auftragsbücher des Werftenverbunds bis 2024 gefüllt. Als Zwischenfinanzierung will das Land noch einmal einen 72-Millionen-Euro-Kredit geben, wenn es Genting nicht schaffen sollte, sich das Geld auf dem US-Markt zu besorgen. Landesfinanzminister Reinhard Meyer (SPD) ergänzte, dass die Zusage des Bundes noch ausstehe, sie werde aber noch in dieser Woche - am Freitag - erwartet.

IG Metall vorsichtig optimistisch

Die Botschaft von der Millionenspritze wurde im Land überwiegend positiv aufgenommen. Die IG Metall zeigte sich erleichtert und vorsichtig optimistisch. Das Unternehmen werde mit allen drei Standorten gesichert, meinte der Bezirkschef Küste, Daniel Friedrich. Die AfD meldet massive Zweifel an, Fraktionschef Nikolaus Kramer reagierte mit Skepsis. Die Werften seien so angeschlagen, dass es nur darum gehe, das Unternehmen über den Termin der Landtagswahl hinaus zu sichern. Am Ende werde wohl nur Geld des Steuerzahlers verbrannt, so Kramer. Die Linke begrüßte dagegen, dass die Werften unter den Rettungsschirm des Bundes kommen. Jetzt gehe es um Folgeaufträge, Ende des Jahres dürfe es nicht wieder zu einer Hängepartie kommen, hieß es.

Corona setzte Werften schwer zu

Die Corona-Pandemie hat die MV-Werften in eine schwere Krise gestürzt. Ein Großteil der insgesamt 3.000 Beschäftigten an den drei Standorten im Land ist seit einem Jahr in Kurzarbeit. Die Landesregierung bürgt bereits für Millionenkredite und war intensiv darum bemüht, die Werftengruppe unter den Corona-Rettungsschirm des Bundes, den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), zu bringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 26.05.2021 | 18:10 Uhr

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