MV-Werften: Das sagt der Insolvenzverwalter zur Zukunft der Standorte

Stand: 26.01.2022 13:18 Uhr

Der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen hat am Mittwoch die Belegschaft der insolventen MV-Werften über den Stand der Verhandlungen informiert und sich zur Zukunft der Standorte in Wismar, Warnemünde und Stralsund und deren Mitarbeiter geäußert. Transfergesellschaften werden vorbereitet. Potenziale sieht Morgen im Schiffbau, im Offshore-Segment und in der maritimen Industrie.

Morgen sieht seine Arbeit nicht nur als "Schadensbegrenzung", vielmehr gehe es für ihn auch darum, "in enger Abstimmung mit allen Beteiligten - Gewerkschaften, Land, Bund - hier an Zukunftsmodellen mitzuarbeiten", sagte Morgen am Mittwoch bei NDR MV Live. Er sehe für jeden Standort durchaus  unterschiedliche Chancen, die sich auch unterschiedlich auf die jeweiligen Mitarbeiter auswirken, wie er detailliert erklärte.

Wismar: Fertigbau der "Global Dream", Zukunft im Schiffbau

"In Wismar hängt alles davon ab, wie hoch die Chancen sind, die 'Global 1' fertig zu bauen", so Morgen. Ziel sei es, in den nächsten vier bis fünf Wochen Klarheit darüber zu bekommen, dass die für den Fertigbau des Schiffes benötigten Mitarbeiter in der Werft in Beschäftigung gehalten werden können. Dazu biete sich das Kurzarbeit-Modell an. Denn: "Es ist zu erwarten, dass wenn wir einen Käufer finden, sich die Verhandlungen ein bisschen hinziehen werden." Für jene, die für den Weiterbau nicht benötigt werde, solle eine Transfergesellschaft gegründet werden, so Morgen. Für den Fall, dass der Fertigbau nicht gelinge, müssten Transfergesellschaften aber auch für alle Mitarbeiter vorbereitet werden.

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Diese Montage zeigt ein Schiff der Global Class an der nun zu sanierenden Kaimauer. © MV Werften Foto: MV Werften

MV-Werften: Vorbereitungen für Transfergesellschaften laufen

Für das fast fertiggestellte Kreuzfahrtschiff "Global Dream" gebe es mehrere glaubwürdige Interessenten, so der vorläufige Insolvenzverwalter. mehr

Für die Fertigstellung des Kreuzfahrtschiffes bräuchte man die Werft noch für die nächsten 18 Monate, so Morgen. Er könne sich eine Zukunft für Wismar als Werftstandort aber auch darüber hinaus vorstellen. Ein Trumpf sei, dass Wismar "eine der modernsten und größten Dockhallen in Europa" habe und viel investiert worden sei. Morgen denkt konkret an eine spätere Nutzung im Marine- und Jachtschiffbau. In diesem Segment gebe es große Auftragsbestände. Auch für das Thema Offshore-Plattform-Bau sei Wismar geeignet. "Man hat ausreichende Wassertiefen, man hat große Hallen, man hat qualifizierte Mitarbeiter - da wird man sehen müssen, was die Suche und das Gespräch mit Industriepartnern an Ideen noch bringt."

Warnemünde: Neue Betreiber und neue Konzepte gesucht

"In Warnemünde ist derzeit keine Beschäftigung. Ein Weiterbau der 'Global 2' ist nicht zu erwarten, muss man glaube ich feststellen", so Morgen. Deshalb komme es darauf an, auch dort neue Betreibermodelle und Geschäftskonzepte zu entwickeln, die den Standort - oder auch Teile davon - übernehmen. Das Gelände sei sehr groß und biete unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Morgen nannte die Offshore-Industrie als mögliches Segment und hob die moderne Laser-Hybridschweißanlage hervor. Die Suche nach neuen Eigentümern und Nutzungskonzepten laufe. "Für die Mitarbeiter heißt das, es kommt zwingend zu einer Beschäftigungslücke." Denn der Prozess brauche Zeit. "Deshalb ist das Ziel, für Warnemünde eine Transfergesellschaft einzurichten, um dort zum 1. März einen geordneten Übergang zu erreichen."

Zur Perspektive für den Standort sagte Morgen: "Rostock ist prädestiniert für einen Offshore-/Wind-Standort." Aus dem Koalitionsvertrag, den gegenwärtigen Planungen für den Bau von Konverter-Plattformen und öffentlichen Aussagen großer Netzbetreiber gehe klar hervor, dass es großen Bedarf gebe und somit für den Standort auch eine Zukunftsperspektive. "Allerdings ist das zwei, drei Jahre hin, sodass man gucken muss, findet man jetzt jemanden, der darauf setzt? Und kann man diese Flächen auch anders aufteilen und mehreren Nutzungen zuführen?", so der Insolvenzveralter. Gespräche mit der Stadt liefen dazu.

Stralsund und Bremerhaven: Eigentümer und Transfergesellschaften gesucht

"Wir wollen sehr schnell nach neuen Eigentümern suchen." Morgen sagte, er sei zuversichtlich, kurzfristig mit neuen Eigentümern und neuen Geschäftsmodellen einen Weiterbetrieb dieser Werftstandorte zu erreichen. Ob das bis zum 1. März zur Insolvenzverfahrenseröffnung gelinge, sei angesichts der Komplexität fraglich. "Deshalb planen wir dort für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Übergang in die Transfergesellschaft, um sie dort zu qualifizieren, zusammenzuhalten und die neuen Aufgaben unter neuer Eigentümerschaft vorzubereiten." Er sei optimistisch, neue Betreiber zu finden. "Die Gespräche sind weit fortgeschritten", so Morgen.

Zur Zukunftsperspektive des Standorts Stralsund sagte Morgen, es sei nach wie vor die Idee, dass die Stadt das Gelände erwirbt. Es liefen bereits Gespräche mit mehreren Unternehmen, die sich dort möglicherweise ansiedeln. "Es ist eine Mischung aus Werft-Nutzung und maritimem Gewerbepark. Das erscheint mir aussichtsreich", so Morgen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.01.2022 | 12:00 Uhr

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