Stand: 24.05.2019 14:47 Uhr

Lebenslang nach Mord an Rentner in Wittenburg

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Der Angeklagte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Damit kann seine Freilassung frühestens nach 15 Jahren geprüft werden.

Das Landgericht Schwerin hat am Freitag einen jungen Mann aus Afghanistan wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte einem schlafenden Rentner in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) die Kehle durchgeschnitten hat.

Heimtückischer Mord

Die genauen Hintergründe zum Motiv der Tat sind nach wie vor unklar, jedoch sieht die Kammer den Tatbestand des Mordes mit Heimtücke als erfüllt an. Der alte Mann hatte geschlafen, als der Täter ihm im Bett die Decke über das Gesicht zog und ihn dann mit einem Kehlschnitt tötete. Er fügte dem Rentner eine 22 Zentimeter lange und sieben Zentimeter tiefe, tödliche Wunde bei. Das Töten per Kehlschnitt hatte er während seiner Flucht in der Türkei gelernt, wo er zeitweise als Schaf- und Rinderhirte arbeitete. Dies erzählte er dem psychiatrischen Gutachter, der wiederum als Zeuge davon im Gericht berichtete.

Gutachter sieht narzisstische Züge

Anschließend hatte er versucht zu flüchten. Er war schließlich an einer Autobahnauffahrt in Schleswig-Holstein aufgegriffen worden - durchnässt und durchgefroren. Der psychiatrische Gutachter attestierte dem Täter narzisstische Züge, die aber für mildernde Umstände nicht ausreichten, hieß es.

Tochter vermittelte Helfer an Vater

Bereits einige Zeit vor der Tat im November vergangenen Jahres habe sich der Afghane mit dem Gedanken getragen, den 85-Jährigen zu töten, so die Staatsanwaltschaft. Eine spontane Tat war es demnach nicht. Der junge Mann hatte die Tochter des Opfers über die Flüchtlingshilfe kennengelernt. Sie hatte ihn gebeten, dem Rentner in Garten und Haushalt zu helfen.

Liaison mit Tochter des Opfers

Der Angeklagte war mit der Frau liiert, sie hatte die Beziehung vor der Tat allerdings beendet. Am Tatort hinterließ der Täter nach Angaben des Gerichts einen Zettel mit einem Liebesbekenntnis und einer Entschuldigung. Ein bosnischer Pfleger, der die Tat über ein Video-Babyfon beobachtet hatte, berichtete, der Mann habe sich auch während der Tat beim Opfer entschuldigt.

Motiv bis zuletzt unklar

Vor Gericht schwieg der junge Mann aus Afghanistan während des gesamten Prozesses. Im Gespräch mit dem psychiatrischen Gutachter hatte er die Tat und die lange Planungszeit jedoch eingeräumt. Die Frage nach dem Motiv blieb bis zum Schluss offen. "Die Kammer weiß es nicht", so der Richter.

Angeklagter laut Gutachten älter als 21 Jahre

Unsicherheit gab es über das Alter des Angeklagten. In seinen Papieren steht als Geburtsdatum der 1. Januar 1998. Damit wäre er zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt gewesen und die Anwendung des Jugendstrafrechts wäre in Frage gekommen. Das Gericht geht jedoch davon aus, dass er älter ist. Schlepper hatten ihm für seinen Asylantrag 2016 empfohlen, sich als minderjährig auszugeben. Dies hatte er dem Psychiater erzählt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 24.05.2019 | 09:30 Uhr

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