Stand: 15.03.2020 11:24 Uhr

Landesweite Schul- und Kita-Schließungen in MV

Alle Schulen und Kindertageseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern bleiben von Montag an bis zum 20. April - und damit einige Tage über das Ende der Osterferien hinaus - geschlossen. Das teilte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Sonnabend nach einer Sondersitzung des Kabinetts in Schwerin mit. Dies sei für ein Bundesland mit einer hohen Betreuungsrate wie Mecklenburg-Vorpommern eine drastische Maßnahme, aber dem Ernst der Lage angemessen, so Schwesig.

Montag als Übergangstag, um Alternativen zu organisieren

Der kommende Montag (16. März) sei ein "Übergangstag", an dem Eltern, die von der aktuellen Entwicklung überrascht worden sind, ihre Kinder noch in Kitas und allgemeinbildenden Schulen bis zur sechsten Klassenstufe abgeben können, um alternative Betreuungsmöglichkeiten zu organisieren. Darüber hinaus gibt es für Eltern von Kindern, die in für das öffentliche Leben wichtigen Berufen wie etwa Polizei, Feuerwehr und Gesundheitswesen tätig sind, eine Notfallbetreuung. Einzelheiten zu den Schul- und den Kita-Schließungen veröffentlichten das Bildungs- und das Sozialministerium auf ihren Internetseiten.

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(v.l.n.r.) Wismars Bürgermeister Klaus Beyer. Landrat Stefan Sternberg, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Innenminister Lorenz Caffier und Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen bei einer Pressekonferenz. © NDR

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"Eine der größten Herausforderungen seit Bestehen des Landes"

Hotlines zu Schul- und Kita-Schließungen in MV

Für dringende Fragen rund um sie Schließung der Schulen ist am Sonnabend, 14. März, von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag, 15. März, von 11 bis 16 Uhr eine Hotline im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur geschaltet:
0385 588 - 7174

Für Fragen rund um die Schließung der Kindertageseinrichtungen ist am Sonnabend, 14. März, bis 18 Uhr, am Sonntag, 15. März, von 11 bis 16 Uhr und ab Montag, 16. März, von 9 bis 18 Uhr eine Hotline im Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung geschaltet:
0385 588 - 19999

Schwesig kündigte an, dass das öffentliche Leben in Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Wochen weitestgehend heruntergefahren werde. Damit sollen vor allem die Menschen geschützt werden, die von schweren Verläufen gefährdet sind wie etwa Ältere und chronisch Kranke. Das sei schmerzlich, aber angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus der einzig richtige Weg. "Das Virus ist eine der größten Herausforderungen seit Bestehen des Landes Mecklenburg-Vorpommern." Es gelte, medizinisch alles zu tun, um die Erkrankten so gut wie möglich zu versorgen. Zudem gehe es darum, die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verlangsamen. "Wenn der Virus sich nur ganz langsam verbreitet, retten wir viele Menschenleben", so Schwesig. "Die Maßnahmen jetzt sind klein dagegen, wie wenn wir das Virus nicht unter Kontrolle haben."

45 Menschen in MV mit Coronavirus infiziert

Eine grüne Schultafel auf der mit Kreide geschrieben steht: "Schule entfällt wegen Corona-Virus, Covid-19, SARS-CoV-2". Davor hochgestellte Stühle auf Tischen. © imago images / Michael Weber Foto: Michael Weber
Schulen und Kitas in Rostock und im Landkreis Ludwigslust-Parchim bleiben bis nach Ostern geschlossen.

Die Zahl der Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Corona-Virus infiziert sind, ist am Sonnabend auf mindestens 45 gestiegen. Am Sonnabend sind drei weitere Infektionen aus Schwerin und neun aus anderen Landesteilen gemeldet worden. Damit die Zahl der Infizierten in der Landeshauptstadt auf insgesamt sieben gestiegen.

Rostocker Oberbürgermeister Madsen: "Jeder ist gefragt"

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hatte sich am Freitag dafür ausgesprochen, soziale Kontakte weitgehend zu vermeiden. Allgemeinbildende Schulen, Berufsschulen, Kindergärten und Horte werden geschlossen, die Stadtverwaltung auf ein Minimum heruntergefahren und soll mit Ausnahme des Ortsamtes Stadtmitte schließen. Auch Museen und andere öffentliche Einrichtungen sowie die das städtische Hallenbad, die Neptunhalle, werden vorsichtshalber geschlossen.

Madsen appellierte an Eltern, kreative Lösungen für eine individuelle Betreuung zu finden und möglichst nicht die Großeltern mit der Kinderbetreuung zu beauftragen. Auch auf Besuche in Altersheimen, in medizinischen Einrichtungen und Krankenhäusern soll verzichtet werden, so Madsen. Wer kann, solle nachbarschaftliche Hilfe anbieten. Zu diesem Zwecke soll auch eine entsprechende Hotline eingerichtet werden, bei der Freiwillige sich melden können. "Jeder ist gefragt", so Madsen.

Universitäten schließen ebenfalls

Universitätsrektor Wolfgang Schareck sagte, auch an der Universität Rostock werde der Lehrbetrieb bis zum 20. April eingestellt. Das betreffe sowohl die Verwaltung, als auch den Lehrbetrieb und Prüfungen. Schareck plädierte dafür, in den "Schwierigkeiten auch die Möglichkeiten" zu erkennen. Alle Hochschuleinrichtungen des Landes seien per Erlass aufgerufen worden, digitale Formen der Zusammenkunft wie E-Learning und Videokonferenzen verstärkt auszubauen.

Ludwigslust-Parchim schließt auch Verwaltung

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim schließt neben Schulen und Kitas auch seine Verwaltung in Ludwigslust bis auf Weiteres. Das kündigte Landrat Stefan Sternberg (SPD) am Freitag nach einer Beratung des Coronavirus-Arbeitsstabes des Kreises an. Die an diesem Standort beschäftigten 600 Mitarbeiter sollen ihre Arbeit von zu Hause aus leisten. Ausgenommen seien der Fachdienst Gesundheit und der Katastrophenschutzstab des Landkreises. Das Landratsamt in Parchim bleibe am Montag für den Besucherverkehr geschlossen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 14.03.2020 | 08:00 Uhr

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