Stand: 12.06.2020 09:40 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Land verstärkt Bemühungen um MV-Werften

Von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Seit März sind die meisten der 3.000 Mitarbeiter der MV-Werften in Kurzarbeit. (Archivbild)

Die rot-schwarze Landesregierung verstärkt ihre Bemühungen für die angeschlagenen MV-Werften des Genting-Konzerns aus Hongkong. Die Spitzen des Finanz- und des Wirtschaftsministeriums haben jetzt den Finanzausschuss des Landtags über Hilfsmaßnahmen informiert. Es geht auch um die Frage, mit welchem Eigenanteil das Land den Werften unter die Arme greifen kann. Das Landeskabinett soll am kommenden Dienstag einen Rettungsplan für die angeschlagenen MV-Werften verabschieden. Das hat Wirtschaftsminister Glawe im Gespräch mit dem NDR bestätigt. Der CDU-Politiker sagte, er sei optimistisch das die Verhandlungen mit den Banken, dem Bund und dem Unternehmen erfolgreich verlaufen.

Finanzhilfen für Werften?

Nordmagazin -

Das Land verstärkt seine Bemühungen für die angeschlagenen MV Werften des Genting-Konzerns. Die Arbeit in Wismar, Warnemünde und Stralsund ruht momentan weitgehend.

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Kurzarbeit noch mindestens bis Ende September

Die Lage - so berichten Experten - sei "schon mal besser" gewesen: An den drei Standorten Wismar, Warnemünde und Stralsund ruht weitgehend die Arbeit an den großen Kreuzfahrtschiffen. Für einen Großteil der gut 3.000 Beschäftigten ist seit März Kurzarbeit angesagt. Die wird sich nach NDR-Informationen mindestens bis Ende September hinziehen. Die Frage ist jetzt, wie die Werten an frisches Geld kommen. Dafür wird in Berlin mit dem Bund und den Banken verhandelt.

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Zahlungen an Zulieferer eingefroren

Genting hatte seine Zahlungen an die Zulieferer im April eingestellt und Hilfen aus dem Corona-Fonds des Bundes beantragt. In einer sogenannten Lock-Box - eine Art Notreserve und Sicherheit - musste das Unternehmen rund 260 Millionen Euro einfrieren. Mit Zustimmung der Banken soll in einem ersten Schritt zumindest ein Teil der Summe - etwa 175 Millionen Euro - wieder freigemacht werden, unter anderem um Zulieferer zu bezahlen, die Werften unter Dampf zu halten und bis September weitere Verbindlichkeiten zu begleichen. Vieles scheint jetzt von der Haltung der mehr als ein Dutzend beteiligten Kreditinstitute abzuhängen.

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Gutachter sollen Perspektiven für Standorte bescheinigen

Die Frage ist, ob die MV-Werften bis September unter den Rettungsschirm des Bundes kommen und dann mit Geld rechnen können. Notwendig dafür scheint ein deutlicher Eigenanteil des Unternehmens selbst. Zusätzlich sollen Gutachter bescheinigen, dass die Standorte eine Perspektive haben. Dieses Gutachten wird ebenfalls bis spätestens September erwartet. Klar scheint, dass Genting vor der Corona-Krise nicht als Unternehmen in Schwierigkeit galt. Das haben Wirtschaftsprüfer offenbar schon bescheinigt und damit eine Hürde auf dem Weg in Richtung "Wirtschafts-Stabilisierungs-Fonds" des Bundes aus dem Weg geräumt.

Direkte Konkurrenz zur Meyer Werft

Gentings zusätzliches Problem ist offenbar, dass die Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg eine größere Lobby bei politischen Entscheidungsträgern in Berlin und in der Branche hat. Der wichtige Verband Schiffbau- und Meerestechnik (VSM) gilt als "Meyer-dominiert". Auch Meyer steckt in schwierigem Fahrwasser und hofft auf Staatshilfen. Beobachter sprechen von einem Verteilungs- und Verdrängungskampf. Außerdem steht die Kreuzschifffahrt unter Rechtfertigungsdruck. Immer öfter wird gefragt, ob der Staat eine Branche fördern soll, die mit ihren Schiffen zu einer Umweltbelastung führt.

Kreuzfahrt: Soll der Staat die Branche retten?

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Kreuzfahrten galten als Erfolgsmodell. Doch die Branche will Hilfe vom Staat. Wegen der Pandemie? Oder war schon vorher etwas faul am Geschäft mit den schwimmenden Hotels?

Finanzhilfe an Bedingungen geknüpft

Derweil ringt die Landesregierung um einen klaren Kurs. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) wäre wohl auch zu Vorleistungen des Landes bereit, Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) hatte dagegen schon frühzeitig gegenüber dem NDR Extra-Hilfen aus dem ohnehin Corona-gebeutelten Haushalt kritisch gesehen und an Bedingungen geknüpft - unter anderem an ein Bekenntnis der Konzernleitung zu den Standorten im Nordosten.

IG-Metall: Es geht nicht ohne Bürgschaften

Der Chef der IG-Metall-Küste, Daniel Friedrich, erklärte: "Unsere Nervosität steigt mit jeden Tag, an dem wir auf einen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen Banken, Bund, Land und Unternehmen warten müssen." Ohne staatliche Unterstützung durch Kredite und Bürgschaften werde es nicht gehen, aber auch die Banken und der Gesellschafter müssten ihren Teil zur Rettung der MV-Werften beitragen." In der Vergangenheit hatte die IG-Metall auf das Engagement Gentings und dreistellige Millionen-Investitionen in die Standorte verwiesen. Genting habe stets Wort gehalten. Auch im Wirtschaftsministerium gilt Genting als zuverlässig. Das Unternehmen selbst gibt sich in der Krise eher zugeknöpft.

Am kommenden Dienstag will das Kabinett möglicherweise einen Fahrplan für die Werften-Hilfen vorlegen. Der soll dann im Finanzausschuss des Landtags abgesegnet werden. Die Entscheidung dürfte den Ministern und den Abgeordneten nicht leicht fallen.

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Die Lage auf den MV Werften ist offenbar ernster als bisher bekannt. Das Unternehmen setzt auf Staatshilfen von rund 600 Millionen Euro, um die Zahlungsschwierigkeiten zu beheben. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 12.06.2020 | 09:00 Uhr

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