Rohre für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 werden auf dem Gelände des Hafens Mukran bei Sassnitz gelagert. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Keine Betriebserlaubnis für Nord Stream 2 mehr in diesem Jahr?

Stand: 02.10.2021 12:00 Uhr

Die Rohre sind verlegt, die Ostseepipeline Nord Stream 2 könnte Gas nach Deutschland transportieren. Doch das wird voraussichtlich in diesem Jahr nichts mehr, wie der Anteilseigner Uniper nun erklärte.

Klaus-Dieter Maubach ist Vorstandschef bei Uniper, das Unternehmen ist Gazproms größter Kunde und zugleich Deutschlands größter Erdgasimporteur. Maubach sagte vor Wirtschaftsjournalisten in Düsseldorf, er rechne nicht damit, dass die Betriebsgenehmigungen für die Ostseepipeline so schnell kommen werden, dass die Leitung noch in diesem Winter einen Beitrag zur Ergasversorgung in der EU leisten und damit für eine Entspannung bei den Gaspreisen sorgen könne. Uniper ist mit etwa 900 Millionen Euro am Bau der Gastrasse beteiligt.

Kritik aus dem Europa-Parlament

Nord Stream 2 selbst wollte sich dazu auf NDR Anfrage nicht äußern. Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer spricht davon, dass das Triumphgeschrei des Kreml verfrüht gewesen sei und die Ostseepipeline bei fehlender Zertifizierung zur Investitionsruine auf dem Meeresgrund werden könnte. Denn auch ein Rechtsstreit muss noch geklärt werden. In der Auseinandersetzung zwischen Nord Stream 2 und der Bundesnetzagentur geht es um die Frage, ob die Pipeline unter die aktuelle Gasmarkt-Richtlinie fällt. Falls ja, müsste Gazprom die Gaslieferung und den Betrieb der Pipeline voneinander trennen und in verschiedene Hände legen. Außerdem, so Bütikofer, müsse Gazprom eine Lösung dafür finden, wie Drittanbietern nach EU-Recht die Einspeisung von Erdgas in die Pipeline möglich gemacht werden könne - eine Regel, die bereits bei Strom- oder Datennetzen gilt. Bei einer durchgängigen Pipeline aber ist das nicht so einfach.

Hält Russland Gaslieferungen bewusst knapp?

In Europa ist zurzeit weniger Gas verfügbar, was die Preise steigen lässt. Kritiker werfen Russland vor, Gaslieferungen bewusst knapp zu halten, um den Betriebsstart von Nord Stream 2 zu erzwingen. Der Uniper-Chef Maubach aber nahm den russischen Energiekonzern Gazprom gegen Vorwürfe in Schutz, er habe mit einer Verknappung seiner Lieferungen den Preisanstieg verursacht. "Die Russen liefern wie in den letzten 50 Jahren zuverlässig." Alle Verträge würden eingehalten. Allerdings liefere Gazprom wohl nicht über die vereinbarten Mengen hinaus. Insgesamt aber geht der Uniper-Chef davon aus, dass die Energiepreise noch länger auf hohem Niveau bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 02.10.2021 | 12:00 Uhr

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