Stand: 24.07.2020 13:22 Uhr

Hochschule Stralsund erzeugt flüssigen Strom

Ein Gebäude der Hochschule Stralsund. © Hochschule Stralsund Foto: Claudia Rahn
Der Wasserstoff für die Anlage an der Hochschule Stralsund wird mit Hilfe von Windenergie hergestellt. (Archivbild)

Die Hochschule Stralsund hat eine Anlage zur direkten Produktion von Methanol aus Kohlendioxid und Wasserstoff entwickelt. Sie ist weltweit einzigartig. Den Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, Kohlendioxid in der Methanol-Synthese einzusetzen. Bislang wurde Methanol hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen, wie Erdgas, hergestellt. Nun kann aus den vorhandenen und teilweise ungenutzten Ressourcen Strom und Kohlendioxid ein Energieträger hergestellt werden, der etwa fossile Brennstoffe ersetzen kann.

VIDEO: Flüssiger Stom aus Stralsund? (3 Min)

Überschüssige Windenergie wird nutzbar gemacht

Der Wasserstoff für die Anlage an der Hochschule Stralsund kommt aus der Windenergie. Hier sehen die Entwickler Potential etwa für die Windindustrie, die ihren Überschuss bislang noch nicht speichern kann. Die Anlage ist so konstruiert, dass sie auf die Schwankungen, die während der Produktion von Wind- oder Solarenergie entstehen, reagieren kann. Auch das ist bislang einzigartig, sagt der Leiter des Institutes für Regenerative Energiesysteme (Ires), Johannes Gulden. Flüssiges Methanol kann als Energieträger gefahrlos transportiert und gelagert werden. Es ist eine der wichtigsten Grundchemikalien und wird im Kraftstoffbereich schon eingesetzt.

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Industrielle Umsetzung bald möglich

Wie der Geschäftsführer von "bse Engineering Leipzig", das als Projektpartner an der Entwicklung beteiligt ist, sagte, sei man kurz vor der industriellen Umsetzung. Interesse an der Technologie bestehe auch bei Betreibern von Müllverbrennungsanlagen und Papierfabriken. Bei ihnen falle sowohl CO2 im Schornstein als auch Strom an. Es könne je nach Strompreis flexibel Strom eingespeist oder Methanol produziert werden.

Interesse auch aus der Autoindustrie

Sten Wranik von "bse Methanol" verwies auf Interesse auch in der Autoindustrie wegen der enormen Schadstoffreduktion. Es werde nur CO2 freigesetzt, das vorher gebunden wurde. So sei der Daimler-Konzern dabei, einen Motor zu entwickeln, der mit reinem "grünen" Methanol betrieben werde. Es gebe bereits Prototypen. Im Gegensatz zu Batterien für Elektroautos fänden bei der Methanolsynthese aus Erneuerbaren Energien und CO2 keine seltenen Erden Verwendung.

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Weitere Versuche in Stralsund geplant

Ein weiterer Aspekt, den besonders Energieminister Christian Pegel (SPD) bei seinem Besuch am Donnerstag hervorhob, ist die regionale Wertschöpfung. Neue Industrieansiedlungen seien immer dort zu erwarten, wo Energie entsteht. Die Anlage am "Ires" soll Gulden zufolge als Demonstrationsanlage für die Wirtschaft und für die Lehre dienen. Zudem seien weitere Versuchsreihen nötig, etwa zu testen, wie sich die Anlage bei nicht ganz reinem CO2 aus Biogasanlagen verhalte. Auch sollten verschiedene Katalysatoren getestet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 23.07.2020 | 14:00 Uhr

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