Stand: 27.09.2018 17:11 Uhr

Hesse um den Ruf der Unikliniken besorgt

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV
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Eine Untersuchungskommission wird sich mit den Vorfällen an der Rostocker Universitätsmedizin beschäftigen. (Archivbild)

Handverlesen seien die Fachleute, meinte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) stolz, und verwies auf die links und rechts von ihr sitzenden Mitglieder der neuen "Kommission Universitätsmedizin 2020". Bundesweit habe die Runde schon für Beachtung gesorgt, man schaue, welche Vorschläge Mecklenburg-Vorpommern da für ein besseren Gesundheitssystem auf den Tisch legen werde, sagte Hesse. Hesse stellte die sechs Mitglieder in Schwerin vor. Die Kommission unter ihrem Leiter Harald Terpe, Ex-Grünen-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Oberarzt am Universitätsklinikum in Rostock, beginnt jetzt mit ihrer Arbeit.

Ausschuss.

"Kommission Universitätsmedizin 2020" vorgestellt

Nordmagazin -

Missstände abstellen und nachhaltig Patientensicherheit und Mitarbeitermotivation aufbauen - eine neue Kommission soll die Unikliniken in Mecklenburg-Vorpommern beraten.

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Drei Monate nach den ersten Berichten folgt die Aufarbeitung

Die Präsentation erfolgte genau drei Monate nach den ersten Berichten über fragwürdige Geschäftspraktiken an der landeseigenen Unimedizin in Rostock. Da wurde bekannt, dass das Bildungsministerium interne Ermittlungen gegen den Klinik-Chef, Professor Christian Schmidt, eingeleitet hat. Schmidt wurde zeitweilig suspendiert, mittlerweile arbeitet er wieder als Ärztlicher Vorstand, aber nicht mehr als Vorstandschef.

Hesse: Patientenwohl geht über Gewinnerwartungen

Sein Fall hat die Dinge ins Rollen gebracht. Die Ministerin stellte klar: Die beiden Unikliniken seien Aushängeschilder, die hervorragende Arbeit leisten würden, deshalb sei es schade, "dass wir durch die Vorfälle, die ich auch nicht kleinreden will, in eine Schieflage geraten sind". Sie hoffe, dass die Kommission diese Schieflage wieder "zurechtrücken" könne. Klar müsse sein, dass das Patientenwohl über den Gewinnerwartungen stehen müsse.

Experten bemängeln Fehlentwicklung

Das ist auch Kommissionschef Terpe wichtig. In den Universitätskliniken gehe es darum, unter dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und des Gewinnstrebens das Patientenwohl ebenso zu sichern wie die Mitarbeitermotivation. Da habe es in der Vergangenheit offenbar Fehler gegeben, meinte Terpe. Hedwig François-Kettler, ehemalige Pflegedirektorin an der Charité in Berlin und jetzt Vorsitzende des Aktionsbündnisses "Patientensicherheit", beklagt, dass die Universitätskliniken sich zu sehr um Forschung und Lehre kümmerten. "Es gibt so viele Dinge in Deutschland, wo wir besser werden müssen, der Patient steht nicht im Mittelpunkt", erklärte sie.

"Der Frust ist groß"

Für die Kommission wird die Arbeit nicht leicht, das weiß auch Hermann Schulte-Sasse, er hat vor knapp 18 Jahren im Bundesgesundheitsministerium das System der Fallpauschalen ("DRGs") entwickelt. Diese Abrechnungsart steht seit dem Jahr 2000 in Verruf, den Gewinndruck in den Kliniken zu verstärken. Er schleppe das als echte Belastung mit sich herum, räumte der Experte ein - denn der Wunsch nach einer mindestens schwarzen Null in den Bilanzen habe zu einem Abbau beim Pflegepersonal geführt: "Der Frust ist groß, die Pflege ist demotiviert, überbelastet und wir haben dort ein Riesen-Problem", sagte Schulte-Sasse. Es sei nicht alles gut, es müsse eine ganze Menge korrigiert werden.

Kommissionsmitglied mit Vergangenheit

Mitglied in der Kommission ist auch Professor Reiner Biffar, Zahnmediziner und ehemaliger Vorstandschef der Universitätsmedizin Greifswald. Mit ihm war bis Ende 2014 auch der kaufmännische Geschäftsführer, Gunther Gotal, im Vorstand tätig - Gotal gilt als einer der Hauptverantwortlichen für das Millionen-Defizit in Greifswald. Gleichzeitig soll er damals über eine eigene Firma Geschäfte mit der Unimedizin gemacht haben. Biffar räumte jetzt ein: "Da hat es Dinge gegeben, die sind nicht gut gelaufen, manches haben wir nicht gesehen, das hat sich einfach entwickelt." Seine Unabhängigkeit in der Kommission sehe er nicht in Gefahr, es gehe um die jetzigen Entwicklungen.

Linke: Der Ökonimisierung einen Riegel vorschieben

Im Frühjahr 2020 sollen Ergebnisse vorliegen, Hesse will den Landtag über einzelne Ergebnisse informieren. Das sei gut, meinte der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Torsten Koplin, aber es müsse schneller gehandelt werden, die Probleme an den Universitätsmedizinen seien lange bekannt. Der Ökonomisierung müsse schnell ein Riegel vorgeschoben werden.

Rund 200.000 Euro soll die Kommission kosten, sagte Hesse, wie es mit dem Ex-Vorstandschef der Rostocker Uni-Klinik, Schmidt, weitergeht, bleibt offen. Die Kommission werde sich die internen Ermittlungen anschauen, hieß es. Die sind offenbar noch immer nicht abgeschlossen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.09.2018 | 18:00 Uhr

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