Stand: 17.01.2018 18:59 Uhr

Greifswalder Uni trennt sich von Arndt - fast

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Die Universität Greifswald legt den Namenszusatz "Ernst Moritz Arndt" bis auf noch zu bestimmende Ausnahmen ab. (Archivbild)

Die Universität Greifswald wird ihren Namen "Ernst Moritz Arndt" ablegen. Das hat der Akademische Senat der Hochschule am Mittwoch mit den Stimmen von mehr als zwei Dritteln der Mitglieder beschlossen. Von 35 Senatoren stimmten 27 für den Antrag, 8 dagegen. Zwar wird die Hochschule künftig nur noch Universität Greifswald heißen, jedoch darf der Zusatz "Ernst Moritz Arndt" unter bestimmten Voraussetzungen dem neuen Namen vorangestellt werden. Welche das sind, gab die Uni noch nicht bekannt.

Rektorin Weber: "Klares Ergebnis"

Der Beschluss bestätige im Wesentlichen das Ergebnis von vergangenen Jahr, stelle aber auch einen Kompromiss dar, sagte die Senatsvorsitzende Marie-Theresia Schafmeister. Im Rechtsverkehr gelte der Name Universität Greifswald. Der Senat werde nun eine Ordnung verfassen, wie der Namenszusatz künftig zu verwenden sei. "Ernst Moritz Arndt bleibt ein nicht wegzudenkender Name und eine nicht wegzudenkende Person der Universität", so Schafmeister weiter. Zuvor war ein Antrag gescheitert, auf den Namenszusatz "Arndt" komplett zu verzichten. Rektorin Johanna Eleonore Weber sprach von einem "klaren Ergebnis". Sie hoffe, dass die Universität nun eine Lösung gefunden habe, "die wieder eint und nicht weiter spaltet". Der Senat habe mit sich gerungen. "Es war ein fairer, offener, zum teil auch berührender Austausch von Positionen", sagte sie.

Arndt-Äußerungen stehen Uni-Leitbild entgegen

Die Antragsteller begründen die Streichung von "Ernst Moritz Arndt" aus dem Universitätsnamen damit, dass wesentliche Positionen des 1860 gestorbenen Schriftstellers, wie zum Beispiel fremdenfeindliche und antisemitische Äußerungen, dem Leitbild der Uni entgegenstünden. Der in Pommern geborene Arndt (1769-1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten.

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CDU- und AfD-Landtagsfraktionen kritisieren Entscheidung

Mit der "einsamen Entscheidung" des Senats habe das Gezerre um den Namen ein "unwürdiges Ende" gefunden, teilte der Hochschulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Franz-Robert Liskow, mit. "Die Greifswalderinnen und Greifswalder hatten eine eindeutige Meinung, die Universitätsangehörigen ebenfalls: Die Universität soll ihren Namen behalten!" "Das ist die dümmste Entscheidung, die getroffen werden konnte", teilte die AfD-Landtagsfraktion mit. Die Entscheidung des Senats sei juristisch höchst fragwürdig. "Entweder der Name ist gestrichen und hat folglich auf offiziellen Dokumenten der Universität nichts zu suchen - oder er ist eben nicht gestrichen und muss folglich auch auf Dokumenten und Beschilderungen seinen Platz haben."

Hickhack um Namensstreichung

Vor einem Jahr hatte der Senat für die Namensstreichung gestimmt. Wegen juristischer Mängel hatte das Wissenschaftsministerium in Schwerin die Namensänderung aber abgelehnt. Die Namensstreichung hatte in Greifswald für Proteste gesorgt. Zuletzt hatten die Arndt-Befürworter am Wochenende rund 700 Demonstranten mobilisiert. Die Ablegung des Namens sei ein "Anschlag auf unsere Demokratie und Freiheit", sagte der CDU-Politiker Sascha Ott.

Umfrage: Mehrheit für Arndt

Ende November hatte die Universität eine nicht rechtsverbindliche Umfrage zum Namenspatron in Auftrag gegeben, an der rund ein Drittel der etwa 15.100 Universitätsmitglieder teilnahm. 49 Prozent der Professoren, wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeiter sowie Studenten hatten sich für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen, mehr als ein Drittel war dagegen. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. In einer später durchgeführten studentischen Urabstimmung lagen die Arndt-Gegner knapp vor den Arndt-Befürwortern. Allerdings soll die Wahlbeteiligung nur bei rund 15 Prozent gelegen haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.01.2018 | 16:30 Uhr

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