Geue will Personalnot in Ministerien und Behörden abwenden

Stand: 17.01.2023 17:03 Uhr

Die rot-rote Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern will die Landesverwaltung attraktiver für Berufseinsteiger machen und so auf den drohenden Fachkräftemangel reagieren. Mit besonderen Trainee-Kursen oder Aufsteiger-Programmen soll jungen Leuten Lust auf die Arbeit in Ministerien und Behörden gemacht werden. Zudem wurden dem Kabinett die Eckdaten des neuen Doppelhaushalts vorgestellt.

von Stefan Ludmann

Finanzminister Heiko Geue (SPD) und seine Leute haben seit Monaten an dem Konzept gearbeitet. Das Vorhaben segelt unter dem großen Motto: "Strategie zur Sicherstellung der staatlichen Handlungsfähigkeit - Maßnahmen zur Personalgewinnung und Personalentwicklung". Mit dabei ist auch Geues Spezialtruppe - die "MV-Beratung". Die bastelt mit dem Instrumentenkasten und dem Wortschatz der großen Personalberatungsgesellschaften und Verfahrensoptimierer an dem Plan, die Landesverwaltung mit ihren noch 38.000 Beschäftigten fit für die Zukunft zu machen.

"Fachkräftemangel hat uns schon jetzt voll im Griff"

Denn die scheint gar nicht so sicher: Wegen des Geburtenknicks gibt es immer weniger Berufs-Nachwuchs - auch für Ämter und Behörden. Und: Mehr als 1.000 der jetzt noch rund 38.000 Landes-Beschäftigten würden jedes Jahr in den Ruhestand gehen, rechnet Geue vor. Diese Lücke sei nur schwer zu füllen. "Der Fachkräftemangel hat uns schon jetzt voll im Griff", beklagt Geue beim Auftritt in der Landespressekonferenz (LPK) nach der Kabinettssitzung. Längst könnten nicht mehr alle offenen Stellen besetzt werden.

Kein einfaches "Weiter-so"

Üblicherweise dauert diese "LPK" im Schweriner Schloss etwa eine halbe Stunde. Weil Geues Konzept den fragenden Journalisten aber viel zu kompliziert erschien, stand der SPD-Politiker fast eine Stunde Rede und Antwort und versuchte, mit Grafiken und Schautafeln aufzuklären. Geues Credo: In der aktuellen Lage könne es kein einfaches "Weiter-so" geben. Geue will gegensteuern - schon jetzt seien Bewerbungen über das digitale Karriereportal der Landesregierung per Smartphones möglich.

Schnellere Aufstiegsmöglichkeiten, moderneres Umfeld

Künftig solle es für junge Leute auch im Job einfacher werden - beispielsweise zwischen einzelnen Abteilungen oder Ministerien zu wechseln und bei guter Leistungen schneller aufzusteigen. Geue drängt seine Ministerkollegen, Abläufe zu modernisieren. Behörden will er vom Image staubiger Flure, dröger Büros und Laufmappen-Kultur befreien. Die Machtzentrale der Landesregierung, die Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) soll ihre führende Rolle noch ausbauen. Das Stichwort heißt: "Rotationsprinzip". Mitarbeiter sollen möglichst auch dort "hineinschnuppern" und zur Anschlussverwendung dann in die Ministerien und nachgeordneten Behörden gehen.

Zentraler Stellenpool als Kernstück

Für Geue geht es dabei auch - so sagte er es wörtlich - "um Zuckerbrot und Peitsche". Ministerien, die besonders gut sind in der Modernisierung ihrer Abläufe, die will der Finanzminister belohnen. Sie sollen aus einem zentralen Stellenpool leichter Posten besetzen können. Dieser neue Stellenpool ist ein Kernstück der Überlegungen aus dem Finanzministerium.

Erfolgreiche Projektarbeit soll belohnt werden

Ein Drittel aller Stellen, die ab 2025 durch Pensionierung frei werden, sollen die Ressorts in diesen Stellenpool "einspeisen". Das Finanzministerium, dass die Fäden in der Hand hat, rechnet mit jährlich rund 140 Stellen, die in diesen Topf hineinfließen. Wenn Ministerien vielversprechende Projekte voranbringen - wie die elektronische Akte in den Gerichten oder den Drohnen-Einsatz bei Straßenwärtern - dann haben sie die Chance, diese Stellen wieder zu bekommen und möglicherweise auch mehr. Darüber entscheidet eine interministerielle Lenkungsgruppe unter der Leitung des Finanzministeriums.

Geue: Aufbruch statt Kürzungsprogramm

Geue will seine Kollegen und Kolleginnen dazu drängen, neue Wege bei der Personalentwicklung zu gehen. Am Ende gehe es nicht um ein Kürzungsprogramm, sondern um einen Aufbruch. Geue begegnete damit Bedenken aus der Justiz, Gerichte und Staatsanwaltschaften müssten angesichts der bevorstehenden massiven Pensionierungswelle besonders "bluten". Die Sorge geht um, dass die Landesregierung das Instrument nur nutzt, um am Ende Stellen zu streichen. Justizministerin Jacqueline Bernhardt (Die Linke) stellte sich nach der Kabinettssitzung demonstrativ hinter Geues Ideen. "Die Justiz wird sich auch mit diesem Konzept durchgängig verjüngen können", befand Bernhardt. Es sei ihr gelungen, die Justiz leistungs- und zukunftsfähig zu halten.

Konkurrieren um gute Arbeitskräfte?

Anderen Ministerien ist es dagegen "gelungen", dieses Konzept zu umgehen. Innenminister Christian Pegel (SPD) wird mit der Polizei und ihren fast 7.000 Stellen nicht zu dem "Stellenpool" herangezogen. Auch Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) bleibt mit Schule und Hochschule außen vor. Gleiches gilt für Landtag und Landesrechnungshof. Auch Schwesigs Staatskanzlei muss frei werdende Stellen nicht abgeben. Dort, in der Machtzentrale, gab es zuletzt einen deutlichen Stellenzuwachs. Nachwuchsmangel scheinen in der Staatskanzlei kein Problem.

Doppelhaushalt 2024/25: Schwierige Entscheidungen stehen bevor

Geue hatte am Dienstag noch einen anderen Auftritt im Kabinett - der oberste Kassenwart stellte der Ministerrunde die Eckdaten für den Doppelhaushalt 2024/2025 vor. Er schwor seine Kolleginnen und Kollegen auf schwierige Entscheidungen ein - Geld für neue Programme gebe es in Zeiten der Krise nicht. Das Land muss steigende Ausgaben für Energie, Zinsen und vor allem Personal schultern. Schon jetzt macht der Posten "Landesbedienste" rund ein Drittel des Landesetats aus. Allerdings: Neue Schulden will Geue nicht machen, aber er greift erneut in die Rücklagen. 210 Millionen Euro holt er von der hohen Kante, um die schwarze Null zu garantieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 17.01.2023 | 18:00 Uhr

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